Noch einer, der stark runtergekommen ist: John Landis gehörte in Hollywood ungefähr 1983 die ganze Welt. Hinter ihm lagen „Animal House“, „Blues Brothers“, „American Werwolf“ und „Trading Places“, er war ein gemachter Mann. Er konnte erzählen, Spaß mit Spannung verbinden und war ein unverbesserlicher Zitatenschatz der Filmgeschichte.
Wer 10 Jahre später dann „Bloody Marie“ betrachtet, sein Vampirpendant zum Werwolffilm, muß sich zwangsläufig fragen, was da wohl passiert sein mag. Es war sein letzter halbwegs brauchbarer Film, seitdem ist er noch mehr in der Versenkung verschwunden, doch schon diese Blutsaugerin hatte deutlichen Zahnausfall.
Noch einmal wurde am alten Erfolgsrezept der Aufstand geprobt.
Eine moderne Vampirin, die nur böse Gangster aussaugt und versehentlich einen fieses Mob-Boss zum Vampir macht. Nicht schlecht, nicht übel – und doch schon binnen 10-Jahresfrist vom Hot Shot ein ganz alter Hut.
Hoffnungslos am Puls der Zeit erscheint der Beitrag zum Blutkino der 90er, mehr wie ein lustvolles B-Movie.
Die Tricks sind deutlich an der unteren Grenze, zwar spritzt das Blut aus Schlagadern reichlich, aber die Vampirkontaktlinsen sind billig und teureren Tricks wie Flugkünsten weicht der Regisseur mittels subjektiver Kamera aus (wenn auch sehr versiert). Dennoch: Schauwerte Fehlanzeige.
Problem auch, daß Landis mit unterdurchschnittlichen Darstellern arbeiten mußte. Anne Parillaud war zwar unter Luc Besson noch „Nikita“, hier reicht es aber an allen Ecken und Enden nicht für Charisma oder Erotik. Es soll alles im Film drin sein (darunter eine überflüssig lange Sexszene zwischen den Protagonisten, die eh keine Chemie entwickeln), doch nichts wird so richtig. Anthony LaPaglia sieht so aus, als würde er hier irgendwo eine Komödie erwarten und Robert Loggia als fieser Boss scheint sie im Overacting gefunden zu haben, nur die Regie scheint unentschlossen.
Vielleicht liegt das am unausgegorenen Drehbuch, das immer wieder Gewaltszenen übersteuert und pointiert, die Mafiosi-Helfer als Trottel darstehen läßt, aber dann wieder auf toternst schaltet, wenn es zum Showdown kommt.
Nennen wir es beim Namen: Landis fehlt ein kongenialer Partner wie etwa Dan Aykroyd, mit dem er einige seiner größten Erfolge schuf und versagt auf dem ironisch-satirischen Sektor dadurch leider total, normalerweise seine größte Stärke. Es gibt zwar noch reichlich Zitate aus der Filmgeschichte, doch die überall im TV laufenden Vampirklassiker bieten ohnegleichen die interessanteren Szenen. So ist dann die Szene, in der der vampirisierte Loggia aus der Leichenhalle kommt und am Pförtner vorbei geht, weil dieser von einem Monsterfilm gebannt ist, symptomatisch: was hier abläuft, ist so interessant nicht.
Natürlich reicht es für einige Schmunzler, aber letztendlich hat das alles das Niveau eines Pilotfilms für eine Fernsehserie. Leider so eine, die es nie über den Piloten heraus brachte. (4/10)