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„Brandstifter sind im Allgemeinen Einzeltäter.“

Im Jahre 1977 war schon wieder Schluss für den Ersten Hauptkommissar Martin Schmidt (Martin Hirthe) aus Berlin: Mit „Feuerzauber“, erstausgestrahlt am 9. Oktober 1977, bestritt er seinen dritten und letzten Fall. Die Regie führte Fritz Umgelter („Der Winter, der ein Sommer war“), der zwischen 1976 und 1981 insgesamt fünf Beiträge zur öffentlichen-rechtlichen Krimireihe inszenierte, das Drehbuch verfassten Karl Heinz Knuth und Joachim Nottke.

„Noch ist Polen nicht verloren!“

Rennbootfahrer Georg Kastrup (Heinz Weiss, „So weit die Füße tragen“) bekommt während eines Rennens eine Schraubzwinge ins Gesicht und muss daher abbrechen. Aus dem nächsten Rennen wird er aufgrund eines technischen Defekts seines Boots geworfen. Sein Bruder KF (Günter Pfitzmann, „Die Brücke“) macht dem in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Georg Vorwürfe und kündigt an, ihn monetär nicht mehr unterstützen zu wollen. Auch von seiner Bank erhält Georg Kastrup keinen Kredit mehr. KF plant derweil ein eigenes Konzept für das Grundstück, das er gemeinsam mit Georg geerbt hat: Moderne Appartements sollen auf ihm entstehen, Georgs Haus derweil abgerissen werden. In seiner Geldnot plant Georg einen Versicherungsbetrug, indem er seine Werft auf eben jenem Grundstück abbrennt. Zu diesem Zwecke tüftelt er an einer technischen Kettenreaktion aus ferngesteuertem Miniaturboot, Kippschalter und Brandbeschleuniger, die er während eines Sommerfests auf einem Wannseedampfer auslöst. Doch die Umsetzung kostet ein Menschenleben…

„Mann, ist das ‘ne lahme Mondscheinparty!“

Dieser Fall beginnt mit einem Bootsrennen, wobei der „Tatort“ die Perspektive einer Sportübertragung einnimmt. Fahrer Kastrups Gesichtsverletzung wirft Rätsel auf, anschließend wird er in einem Fernsehstudio interviewt. Im selben Studio steht Kommissar Schmidt Rede und Antwort zu einer Serie von Brandstiftungen, die gerade Polizei und Öffentlichkeit beschäftigt. Ein starker Auftakt, der neugierig macht. Beim an die TV-Interviews anschließenden privaten Plausch miteinander gibt sich Schmidt als Fan Kastrups zu erkennen, was ein wenig an „Columbo“ erinnert. Im weiteren Verlauf jedoch wird Rennen an Rennen aneinandergereiht, dazwischen Unstimmigkeiten zwischen den Kastrup-Brüdern, die nicht ganz leicht zu durchschauen sind. Bis Georg schließlich seine Tat begeht, bei der ungeplant ein Mann ums Leben kommt, ist bereits mehr als die Hälfte dieses dramaturgisch misslungenen „Tatorts“ vergangen. Dafür ist der Tathergang gut inszeniert und erobert noch einmal die Aufmerksamkeit der Zuschauerinnen und Zuschauer zurück.

Leider geht es daraufhin jedoch genauso unnötig unkompliziert erzählt und mit zahlreichen Figuren und Zufällen gespickt weiter. Kommissar Schmidt beweist Kombinationsgabe, kann einem aber dafür, wie blass er in diesem zwar sommerlichen, jedoch enttäuschend drögen „Tatort“ bleibt, schon fast leidtun; Pfitzmann und Weiss stehlen ihm das letzte bisschen Show. Die Schraubzwinge vom Beginn sowie die von Schmidt erwähnte Brandstiftungsserie erweisen sich als unnötigerweise geworfene rote Heringe, die mit Fall offenbar gar nichts zu haben. Dieser endet nach einer Verfolgungsjagd per Rennboot und Kfz abrupt. Möglicherweise wirkte das damals aufregend und spektakulär, heute hingegen reichlich einschläfernd. Für die Kombination aus Rennbooten und Kriminalität empfehle ich stattdessen den ungleich unterhaltsameren „Zinksärge für die Goldjungen“!

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