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Mit „Der Wixxer“ darf sich TV-Comedian Oliver Kalkofe endlich auf der Kinoleinwand austoben, auf der bereits wesentlich weniger talentierte Fernsehkomiker in Filmen zu sehen waren.
Schon die Anfangsszene zeigt, dass Kalkofe hinter dem ganzen Spuk steckt, denn es werden mal wieder die Ossis auf jene liebenswerte Art auf die Schippe genommen, die man von Kalkofe kennt. Opfer der Parodie sind das Touri-Ehepaar Doris (Anke Engelke) und Dieter Dubinsky (Olli Ditrich) treibt sich am Blackwhite Castle in London herum – wo alles schwarz-weiß ist. Ehefrau Doris regt sich erst auf, dass der Ort genauso grau wie Heimatstadt Bitterfeld ist, und wird dann gekidnappt, während Göttergatte Dieter Zeuge wird wie der Mönch mit der Peitsche überfahren wird. Natürlich stellen sich die beiden Ossis dabei trottelig an, aber komplett verachtend ist Kalkofes Spott nicht.
Auf den Mord an dem Mönch und das Verschwinden der Touristin setzt Scottland Yard Inspector Very Long (Bastian Pastewka) und Chief Inspector Even Longer (Oliver Kalkofe) an. Die beiden kommen einer Verschwörung auf die Spur…

Die lose Story von „Der Wixxer“ dient in erster Linie als Folie für die Gags und verballhornt die alten Edgar Wallace Filme. Herrlich nimmt Kalkofe deren Klischees auf die Schippe und zeigt, dass er sich mit der Materie auskennt. Angefangen bei der Tatsache, dass diese meist in schwarz-weiß waren bis hin zu dem Umstand, dass oft Deutschland England für die Filme doubeln musste. Dabei hat Kalkofe ein paar großartige Einfälle wie z.B. den Schurkenstammtisch, an dem sich alle Fieslinge aus den Wallace-Filmen versammeln – wenn auch nicht unbedingt in der gewohnter Form (so erhält z.B. der Frosch mit der Maske eine Neuinterpretation).
Auch das Timing des Gags stimmt meist und präsentiert wirklich abgefahrenen Slapstick. Herrlich z.B. die Szene als Even Longer den toten Mönch mit der Peitsche auf der Motorhaube berührt und meint, die Tat könne nicht lange her sein, weil der Körper noch warm ist – um dann von einem Polizisten zu erfahren, dass die Leiche noch warm ist, weil seine Kollegen mit dem Tatfahrzeug eben noch Würstchenholen gefahren sind. Dabei ist Kalkofe erfreulich mutig und macht auch vor Hitlerparodien nicht halt, was ja sonst oft ein Tabuthema in deutschen Filmen ist. Zudem behält er seine gewohnte Bissigkeit zumindest zum Teil bei, wenn er über Dinge wie Girl Groups oder Ossis Witze macht.

Leider aber ist „Der Wixxer“ nicht so witzig wie Kalkofes TV-Auftritte, da der Mann dann am besten ist, wenn er seine Vorlagen spöttisch betrachten und genau sezieren darf. Zwar beweist er auch mit dem Drehbuch zu „Der Wixxer“, welches er mit Weggefährte Oliver Welke verfasste, Talent, doch gegen Ende geht dem Film dann doch die Puste aus. So könnte das letzte Drittel sehr viel witziger ausfallen, denn die Witzrate wird hier heruntergefahren und viele Ideen wie z.B. die Musicaleinlage zünden einfach nicht. Und die x-te Verarschung der „Matrix“-Effekte im Showdown ist auch nicht gerade originell.
Große Schauspielkunst erfordert „Der Wixxer“ zwar nicht, aber die Besetzung besteht aus guten Komikern. Vor allem Oliver Kalkofe selbst ist große Klasse, aber auch Bastian Pastewka und Olli Dittrich wissen ihre Gags zu timen. Thomas Fritsch als Schurke ist herrlich schneidig und Christoph Maria Herbst legt als Butler Hatler eine launige Hitler-Parodie hin. Nur die in meinen Augen eh extrem überbewertete Ange Engelke kann da nicht mithalten.

Bleibt eine ganz unterhaltsame Parodie mit recht gut getimten Gags, aber im letzten Drittel geht „Der Wixxer“ leider arg die Puste aus, weshalb es bei mir nur zu 6,5 Punkten reicht.

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