Da ist er nun endlich, der Wixxer! Nach langem Warten hat es die Edgar-Wallace-Parodie endlich in die Kinos geschafft und es sieht alles danach aus, als würde der Film auch ein verdienter Erfolg werden. Was uns aber in 85 Minuten geboten wird, ist nicht gerade einheitlich glanzvoll.
Sicher, „Der Wixxer“ ist ein durch und durch vergnüglicher oder auch sehr lustiger Film geworden, von einer Parodie auf eine deutsche Spielfilmerfolgsserie hätte man aber mehr erwarten können.
Formal gesehen ist die typische Wallace-Umgebung hier nur das grobe Grundgerüst für eine urtypische Filmkomödie, wie man sie schon relativ oft gesehen hat, z.B. bei „Die nackte Kanone“. Natürlich haben Tobi Baumann und Oliver Kalkofe alle nötigen Elemente versammelt und in den Film integriert, aber damit können sie den ultimativen Wallace-Spoof nicht zum Leben erwecken. Zugegeben, das war auch schwer, denn mit Eddi Arent waren die Filme schon hart an der Selbstparodie angekommen.
Aber grundsätzlich zählt „Der Wixxer“ seine parodistischen Elemente nur auf, präsentiert sie, kann aber daraus nichts Neues oder Überraschendes generieren.
So zerfällt dann der präsentierte Witz auch wie weilend ein Mikadospiel in alle möglichen unterschiedlichen Richtungen. Kein Wunder also, daß man merkt, daß die Macher hier ihre ganzen Filmerfahrungen und Vorlieben seit dem Ende der Wallace-Reihe gleich mit eingebracht haben.
Ein Teil ist halbwegs brauchbarer Wallace-Spoof, dann wieder wird „Naked Gun“ zitiert, um von einer Szene abgelöst zu werden, die deutlich bei „Austin Powers“ abgekupfert ist. Und die Auflösung ist sogar nach einer veritablen Al-Bundy-Folge konzipiert (man könnte aber auch sagen „Eine Leiche zum Dessert“). Zwischendurch wildert der bekannte und beliebte Frühstyxradiohumor durch Wald und Wiese, aber bisweilen haperts mit der Übertragung vom Audio- ins audiovisuelle Medium.
Ja, und dann ist da natürlich noch der ureigenste „Kalkofes Mattscheibe“-Rundumschlag, der natürlich auch untergebracht werden will, Girlgroups, Castings, Achim Menzel, die Wildecker Herzbuben, Roland Koch...hab ich noch was vergessen?
Natürlich...populärcineastische Zitate dürfen natürlich auch nicht fehlen...
Man merkt es schon daran: der Film läuft über von unterschiedlichen Stilrichtungen und das tut ihm nicht gut. Vor allem, wenn es manchmal extrem am Timing hapert. Wenn etwa der Frosch mit der Maske die Verbrecherversammlung verläßt, hält die Kamera beinahe 10 Sekunden auf ihn, ohne daß etwas passiert, bis er den Raum verlassen hat, um dann langsam auszublenden.
Problematisch auch, wenn man sich humoristisch an Vorbilder anlehnt und diese nicht erreichen kann. Thomas Fritsch liefert sich etwa zweimal loriot-verdächtige Wortduelle (wer?-Sie!-Meine Tochter?-Nein! Sie!-Ich?-Ja!), nur daß die nicht halb so interessant wie die Originale sind. Auch eine Sterbeszene, die deutlich an die Eingangsszene von „The Naked Gun“ (O.J.Simpsons Bärenfallenszene) angelehnt ist, ist einfach nur zu lang und zu weilig.
Eine unnötige und schlecht ausgesteuerte Tanznummer (Thomas Fritsch ist beinahe nicht zu verstehen) füllt den Film zusätzlich und man weiß, daß sich Filmemacher im Übereifer vertan haben, wenn „Matrix“ und „E.T.“ sinnfrei zitiert wird oder der Zellenkorridor von „Das Schweigen der Lämmer“ zum Einsatz kommt, ohne daß die Szene (außer eben dem Zeigen der Parallele) irgendeine Bedeutung im Film hätte.
Bisweilen muß man sich auch am Kopf kratzen, wenn etwa der Frosch eine halbgefakte Kermitmaske trägt, anstatt z.B. nur mit seiner Stimme zu reden. Was das Witzige an einem ungeschlachten Taucher sein soll, der „der dicke Hai“ heißt, bleibt auch ungeklärt, genauso wie die Frage, warum der blöde Bogenschütze aussieht wie ein normaler Robin Hood (dort einen Trittin-Verschnitt hinzusetzen, wäre wesentlich origineller gewesen). Auch das bemühte Zitieren verschiedener Titel von Wallacefilmen ist eigentlich nur zur Komplettierung gedacht.
Wunderbarerweise punktet der Film immer dort, wo er sich nicht bemüht, schrecklich wahnwitzig sein zu müssen. Der Vorspann mit seinen ganzen gefakten Zeitungscovern im Wixxer-Wahn ist ein kleines Juwel und die Tricks sind mehr als sauber.
So ziemlich jede Szene, in der er auftaucht, stiehlt aber Christoph Maria Herbst (der ja schon „Ladykracher“ bis ins Unendliche veredelte) als Butler Alfons Hatler (komplett mit Bärtchen), dessen ständige an Hitler gemahnende Kommentare immer wieder für Brüller sorgen.
Wunderbar getimt sind auch Pastewkas Inspektor Very Long, auf den Arent vermutlich stolz sein würde, während gerade der sonst so in Vergessenheit geratene Olli Dittrich als strunzdummer Ossi Dieter Dubinsky reichlich Punkte macht, gerade weil seine Figur praktisch außerhalb der eigentlichen Handlung mitläuft. Und Wolfgang Völz ist ein herrlicher Sir John.
Dagegen stehen aber auch einige Damen und Herren, die wohl etwas überfordert oder übereifrig wirken. Dazu gehört leider auch Oliver Kalkofe, der so angestrengt an seinem Down’n’Dirty Cop Evan Longer arbeitet, daß man das Gefühl hat, er müßte jeden Satz herauspressen. Dabei hat Kalkofe wirklich Talent und Charme, aber dieses Wrong-Method-Acting bringt gegenteilige Ergebnisse, besonders wenn man ihn neben den mimisch versierten Pastewka stellt. Ange Engelke müht sich zwar nach Kräften, ist aber nicht so treffend wie etwa in ihrer eigenen Comedyserie. Warum Thomas Heinze als Rather Short wieder mal als lispelnder Trottel auftreten muß ist da nur ergänzend ebenso schade, wie die dürftige Leistung von Tanja Wenzel als wahrhaft austauschbare Miss Pennymarket.
Und Oliver Welke als Pathologe Dr.Brinkman hätte man ruhig noch ein, zwei Szenen mehr geben können, denn der kam wirklich zu kurz.
Immerhin, das Teil hat Drive und auf einen guten Lacher kommen auch nicht zwei schlechte (sondern eher zwei halbe Fehlzündungen) und daß sich nicht alle Beteiligten den Arsch abgearbeitet haben, kann man auch nicht behaupten.
Trotzdem hat man das Gefühl, das Drehbuch ist an einem cinephilen Wochenende mittels einer Menge Bier zusammengestückelt worden und das Ergebnis stellt sich als ein sehr sorgfältig gemachter Fanstreifen dar. Edgar Wallace und seine Filme haben eigentlich noch etwas Besseres verdient und es ist nicht einzusehen, warum es kein „Neues vom Wixxer“ geben sollte, dann aber bitte mit besseren Autoren (hat Herr Wischmeyer vielleicht Zeit?) und ohne diese angestrengten Bemühungen um Originalität.
Für ein durchgehendes Grinsen gebe ich mal 6,5/10 und runde das mit Sympathiebonus auf.