Review

Die Wartezeit auf „Der Wixxer“ war enorm, denn schon vor über zwei Jahren war Kalkofes ambitionierter Rundumschlag auf die Edgar-Wallace-Klassiker in Fankreisen bekannt und demzufolge ungeduldig erwartet. Die Creme de la Creme der deutschen Comedyszene hat sich hier um das berüchtigte Lästermaul versammelt, um die inzwischen nostalgisch anmutenden Krimis (Ja, auch ich saß im Alter von 12 Jahren noch mit Vater und Mutter vor dem Fernsehen und habe jeden Freitagabend mit Joachim Fuchsberger, Heinz Drache, etc mitgefiebert) gehörig durch den Kakao zu ziehen.

Die Erwartungen kann der Film nicht ganz einlösen, denn obwohl sich hier viele Elemente der Vorlagen versammeln und man viele Witze auch nur versteht, wenn man die damaligen Gossenfeger kennt, schafft es „Der Wixxer“ nie tief in die Franchise einzudringen, sondern glänzt stattdessen mit meist oberflächlichen, aber keineswegs schlechten Witzen. Es ist allerdings auch nicht ganz einfach ständig aus Filmen zu zitieren, die kaum noch jemanden aus dem heutigen Publikum geläufig sind.

Der Ablauf des Films ist denkbar einfach gehalten, wirkt letztlich etwas zusammengestückelt und wie eine Ansammlung von Sketchen, funktioniert aber ähnlich gut wie die Zucker-Klassiker a la „Die nackte Kanone“. Vom Tatort, über mysteriöses Schloss, Spelunke, Hafen, Scotland Yard, Oberbösewicht und natürlich den Inspektoren, haben Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka hier alle wichtigen Elemente der Edgar-Wallace-Krimis versammelt.

Der Humor ist eventuell nicht jedermans Sache, obwohl die Albernheiten nie Überhand nehmen. Während die anfangs eingestreuten Zeitungsmontagen kreativer Natur sind, sind die grillenden und herumtollenden Bobbys am Tatort zwar banal, dabei aber keineswegs unkomisch – sofern man mit dieser Art von Humor denn etwas anfangen kann. Eine weitere wichtige Zutat ist, neben zweideutigen Namensschöpfungen wie „Rather Short“, „Long“, „Even Longer“ (Wer das nicht versteht, ist selber schuld), „Dr. Brinkmann“ oder „Dubinsky“, Kalkofes teuflisch, satirische Ader, denen unter anderem die „No Angels“ als kreischende Girliegroup, sein Lieblingserzfeind Achim Menzel und Ossis zum Opfer fallen – überhaupt dürfte der Film in Ostdeutschland bei dem einen oder anderen zwischendurch mal quer liegen („Wir waren damals ja alle so etwas wie Polizisten“).

Oliver Kalkofe geht schauspielerisch in Ordnung, obwohl seine Qualitäten doch klar woanders liegen. Als schlecht gelaunter, versoffener, streitsüchtiger und notgeiler Inspektor, dem der liebenswerte und höfliche Bastian Pastewka ständig auf die Nerven geht, ist es ein Genuss ihm bei seinen fiesen, direkten und keineswegs zimperlichen Kommentaren und Gesten zu beobachten.
Pastewka bringt ihn mit seiner sanften Art (und dem Jojo *gg*) mehr als nur einmal auf die Palme und darf hin und wieder als Rosenverkäufer („Wolle Rose kaufen?“) in Erscheinung treten. Völlig blödsinnig, aber effektiv. Die beiden passen prima zueinander, denn Gegensätze ziehen sich an und unterschiedlicher könnten diese beiden Figuren kaum sein.
Uneingeschränkter Star ist aber Christoph Maria Herbst als Butler Hatler, ohne den „Der Wixxer“ vielleicht nur halb so gut gewesen wäre. Man lässt ihn nicht einmal kurz als Seitenhieb auftreten, sondern gewährt ihm gleich ein Dutzend Auftritte und das muss einfach honoriert werden. Noch nie war ein deutscher Film so mutig in der Parodie dieser Figur und ich habe ehrlich gesagt ständig auf den nächsten Auftritt gewartet. Wenn das Licht ausgeht und ein schneidiges „Wer hat Verdunklung befohlen?“ geschmettert wird, Inspektor Even Longer nach einem Unfall mit einem „Sie sehen erbärmlich aus. Wie von einem russischen Spähpanzer überrollt“ begrüßt wird, die Falltür mit entsprechender Gestik als Abschreckung gegen die Zeugen Jehovas erklärt wird und der Butler im Garten zu David Hasselhoffs „Looking for Freedom“ Gymnastik macht, ist ein Zwerchfellgewitter vorprogrammiert. Habe mich seit „Der Schuh des Manitu“ nicht mehr so köstlich im Kino amüsiert.

Während einige Anspielungen auf Kassenschlager wie „Matrix“ (Ja, genau die Bullettime) eigentlich recht gelungen sind, finden andere ihr Ziel nicht so ganz. Der „Das Schweigen der Lämmer“ – Trakt wurde nur eingebaut um der leider unter ihren Möglichkeiten bleibenden Anke Engelke („Wieso ist denn das alles hier so grau in grau?“) noch mal etwas Screentime zu gönnen und die verpfuschte Ehe mit Vorzeigeossi Olli Dietrich etwas zu pushen, während die „E.T.“ – Mondfahrt einfach nur überflüssig war. Es ächzt hin und wieder also schon im Witzgebälk, doch auf einen Airball folgen dann auch meist gleich wieder zwei Treffer ins Schwarze – wie zum Beispiel der Gastauftritt von Talkchef Günther Jauch.

Auch Nichtkenner der Wallace-Filme werden hier auf ihre Kosten kommen, denn wenn ein „Frosch mit der Maske“ plötzlich wie Kermit aussieht und auch so spricht bedarf es keinerlei Kenntnisse des Originals. Gleiches gilt auch für die Zwillinge Pommi und Fritti, die eigentlich nur Blödsinn im Kopf haben, einen Mops aufblasen und final die Megakillermaschine austüfteln, um dann doch ein jähes Ende zu finden.

Während der Wortwitz nicht zu kurz kommt und die Dialoge sich ab und and auch mal von „Austin Powers“ inspirieren lassen, bleiben ein paar Ideen unausgegoren. Die Musicaleinlage (Bully lässt grüßen) ist dabei genauso schwach wie die sehr austauschbare Tanja Wenzel als Miss Pennymarket. Es ist also auch hier nicht alles Gold was glänzt, aber die stimmige Inszenierung, die Spielerei mit Farb- und Schwarzweißaufnahmen und auch mal niveaulose Witze (Schlange in der Hose, Furzen) machen viele dieser Mankos wieder wett.

Fazit:
Als reine Parodie auf Edgar-Wallace-Krimis wäre „Der Wixxer“ maximal Durchschnitt, da das Autorenteam aber gleichzeitig noch Filmparodien, Satire, Wortspiele, witzige Dialoge und eben Hatler mit eingebaut haben, zündet die Komödie – auch wenn nicht jeder Joke sitzt.
Letztlich ist der Film eine Aneinanderreihung von Gags, ganz lose durch eine Story verknüpft, die zum Großteil das Zwerchfell des Publikums massieren. Ich für meinen Teil habe mich jedenfalls ewig nicht mehr so bei einem Film wegschmeißen können.

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