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Unter der Knute des späteren „Drive“-Regisseurs Steve Wang entstand ein Sequel zu „Guyver“, das den Vorgänger tatsächlich übertreffen sollte.
Sean Barker (David Hayter) muss immer noch mit der implantierten Guyver-Einheit in seinem Körper leben und ist zum Superhelden geworden. Leider kommen weder er noch sein Umfeld mit der Situation recht klar, so formschön er die Fieslinge in der Auftaktsequenz auch verhaut. Stattdessen plagen ihn Visionen in seinen Träumen, die er aufmalt. Natürlich ist da relativ schnell klar, dass der Sieg in „Guyver“ kein finaler war, aber der Held ahnt da im Gegensatz zum Zuschauer nix von – scheinbar weiß er nicht, dass er sich in einem Sequel befindet.
Im Fernsehen sieht Sean dann einen Bericht über eine Attacke in der Nähe einer Ausgrabungsstätte. Die einen sagen es war ein Bär, die anderen ein Werwolf, Sean rast das Wort Zoanoid durch den Kopf. Da es mit der Freundin eh gerappelt hat, geht es also in die Wildnis, wo ihm im Lebensmittelladen auch direkt das nächste potentielle Love Interest unter die Augen hoppelt, das ihn dann mit zur Ausgrabungsstätte mitnimmt. Mit Subtilität ist hier also nicht viel, dafür ist die Optik des von New Line produzierten Films weit über jener der herkömmlichen B-Produktionen dieser Jahre.

Tatsächlich stößt die Ausgrabungscrew auf Spuren der Außerirdischen, doch Sean sind nicht alle Mitglieder der Truppe so recht geheuer. Als dann tatsächlich dem ersten Zoanoiden in der Umgebung der Ausgrabung begegnet, verschärft sich die Situation...
Für einen B-Film dieser Budgetklasse sieht „Guyver 2“ wirklich sehr gut aus, einen gewissen Trash-Einschlag kann man jedoch auch dem Sequel nicht absprechen. So erinnern Heldenrüstung und Monster erneut sehr an die „Power Rangers“ und der Mix aus Kloppe und Kostümen schlägt auch von der Art ziemlich in diese Richtung. Die PC-Tricks sind dann leicht durchschaubar, gemessen am Budget des Films aber immer noch ziemlich gut und Regisseur Steve Wang ist klug genug sie nur dann einzusetzen, wenn es wirklich nötig ist.
Ansonsten betreibt der Held vor allem Ursachenforschung, was denn nun den Ursprung seiner eingepflanzten Biorüstung angeht, macht nebenher die Forscherin klar und muss feststellen, dass Chronos L.A. nur eine Zweigstelle des Zoanoiden-Imperiums war. Mit seinen gut zwei Stunden (zumindest in der uncut) ist „Guyver 2“ da etwas sehr großzügig bemessen und könnte die eine oder andere Straffung hier und da vertragen, doch immerhin ist der Erzählfluss dermaßen stetig, dass es nur selten stört. Vor allem die Reibereien zwischen Sean und einem in die Expedition eingeschleusten Regierungsagenten sorgen immer wieder für Amüsement, da beide einander zwar irgendwie anerkennen, aber trotzdem stets cooler dastehen wollen als der andere.

Hauptattraktion ist dabei mal wieder das emsige Geprügel, von dem es in Hälfte eins allerdings durchaus mehr geben könnte. Mit verstärktem Zoanoiden-Aufkommen erhöht sich dann auch die Schlagzahl gewaltig, wobei sich hier in erster Linie unförmige Monster und der Guyver kloppen. Ist dann nicht ganz so spektakulär wie Konfrontationen zwischen menschlichen Gegnern, dafür muss man wirklich lobend anerkennen, dass die Kämpfer selbst in den dicken Monturen einiges an schicken Moves draufkriegen, wobei die Monsterkostüme recht phantasievoll gestaltet sind.
David Hayter in der Rolle des jungen Helden spielt dann durchaus solide, aber zu einem wirklich charismatischen B-Recken reicht es dann bei ihm doch nicht, dafür mangelt es an Ausstrahlung. Über den Rest vom Fest gibt es ähnliches zu sagen, bekannte Namen sind hier eh nicht dabei. Allenfalls Christopher Michael als streitbarer Regierungsagent kann noch etwas herausragen.

Sonderlich originell ist „Guyver 2“ vielleicht nicht und den trashigen Einschlag muss man definitiv abkönnen, doch dafür gibt es ein wirklich schick abgefilmtes B-Movie mit ziemlich furiosen Kampfeinlagen zu sehen, wenn man die Kostümierung der Kontrahenten bedenkt. Noch kein solcher Kracher Steve Wangs später folgender „Drive“, aber zu 6,5 Punkten reicht es bei „Guyver 2“ dennoch.

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