kurz angerissen*
Obwohl im Ganzen mit britisch-vornehmer Zurückhaltung inszeniert, angeführt vom respektierten Theaterdarsteller Robert Stephens, ist "The Asphyx" am Ende doch als moderne Unterhaltung gedacht, die streckenweise sogar ins Reißerische zu gleiten droht. In barocke Bildkompositionen, schwer atmend durch die dunkle, reichhaltige Ausstattung und ausgestellte Kostümierung, nehmen die Spielzüge einer klassischen Tragödie ihren Lauf. Ausgeleuchtet wird die fatalistische Dreiecksgeschichte um einen Vater, seine Tochter und deren Liebelein aber schon mit surrealistischen Grün- und Rottönen, die mitunter über Hammer-Referenzen hinaus in den Wirkungsbereich eines Mario Bava eindringen.
Wenn man so will, hat man es auch mit einem Vorläufer der "Ghostbusters" zu tun, weisen doch zumindest die visuellen Tricks um das Fixieren und Einfangen der Seele frappierende Ähnlichkeiten mit der Kombination aus Protonenstrahlern und Geisterfalle auf. Auffällig ist es dabei, wie sehr die Tricksequenzen zum Höhepunkt ausstaffiert werden. Die Situation und damit das weitere Vorgehen im Drehbuch verändert sich nach jedem der von flackernden Blitzen begleiteten Experimente nämlich frappierend. Aus einer anfänglichen Euphorie wegen ein paar Flecken auf einer Fotografie, die dem Enthusiasmus missverstandener Wissenschaftler aus Abenteuerfilmen der Marke "The Lost World" (1922) gleicht, wachsen regelrechte 3D-Effekte. Die klagenden Seelen springen teilweise aus dem Bild, richten sich direkt an den Zuschauer und geben dazu jede Neutralität auf, das geschmackvoll ausgestattete, klassische Drama entpuppt sich als B-Reißer, der auch vor rabiateren Methoden wie der Nutzung eines elektrischen Stuhls nicht halt macht. Bemerkenswert dabei ist es, welche Faszination der Film für Fotografie und Belichtung aufbringt. Anders als bei "Das Omen" (1976), der ebenfalls mit verdächtigen Gebilden auf Fotos arbeitete, spielt bei "The Asphyx" auch ein gewisses Interesse für den technischen Aspekt des Fotografierens eine Rolle.
Der im modernen London spielende Rahmen nimmt dem historischen Mittelteil leider bereits einen Großteil der Spannung. Wohin die Reise führt, ist nämlich keineswegs ein Geheimnis; noch dazu spielt Logik in den Überlegungen keine besonders gewichtige Rolle. Verständlich, dass einmal über ein Remake nachgedacht wurde. Darin hätte man Drehbuchschwächen verbessern, technische Aspekte neu interpretieren und die reizvollen Kontraste aus klassischen und modernen Einflüssen konservieren können.
(6.5/10)
*weitere Informationen: siehe Profil