Review

ACHTUNG SPOILER

Wer nicht über diverse Details des Films informiert werden möchte, sollte hier aufhören zu lesen.
(Hinweis: Dieses Review beruht auf der deutschen Fassung, nicht auf der amerikanischen R-Rated version.)

NIGHTMARE 5 - DAS TRAUMA

Story:
Obwohl Alice, die inzwischen zusammen mit ihrem Freund Dan ein Kind erwartet, den Mann mit dem Krallenhandschuh am Ende von Teil 4 ins Jenseits schickte, muss sie geschockt mit ansehen, wie Freddy Krueger zu neuem Leben erwacht und den Teenies erneut Träume schickt, aus denen sie nicht mehr erwachen – dieses Mal allerdings terrorisiert das Monster Alice auch im Wachzustand. Zunächst hat Diese nicht die geringste Ahnung, wie Freddy es geschafft hat, wieder ins Leben zurückzukehren, nachdem sie ihn doch vor einem Jahr vernichtet hatte. Antwort: Das Narbengesicht schöpft seine Kraft aus Alice’ Embryo – denn er will ihr Kind missbrauchen, um wiedergeboren zu werden. Die einzige Hoffnung stellt dieses Mal Freddy’s Mutter Amanda dar – doch die ist bereits seit Ewigkeiten tot…

Au Backe. Erfolg kann tödlich sein. In diesem Falle war es der Erfolg von A NIGHTMARE ON ELM STREET 4 – THE DREAM MASTER, der Fredy Krueger wohl mehr oder weniger zum Verhängnis wurde. Denn dieser führte dazu, dass ein fünfter Teil nahezu sofort in Produktion ging und noch nicht mal ein Jahr später (ähnlich wie Teil 2 anno 1985) Premiere hatte. Dieses Mal sollte der Schnellschuss allerdings nach hinten los gehen. Denn das, was sich bereits in Teil 4 negativ bemerkbar machte jedoch solide inszeniert worden war, wurde hier noch weiter ausgetreten, bis das Ganze in die für einen Horrorfilm vernichtende Zone der Lächerlichkeit hinunterrutschte.

Bevor wir zu den Kritikpunkten kommen muss man dem Film zumindest das Eine lassen: die Story ist im Grunde wieder interessanter geraten als im Vorläufer, in dem man einen Sinn für Freddy’s Auferstehung vergebens suchte. Doch die bloße Grundidee ist dann auch schon wieder das Einzige, was man Teil 5 noch zu Gute heißen kann. Denn von der Atmosphäre über die Effekte über die Spannungsbögen und die Optik und von der Figurenzeichnung Freddys bishin zu der Musik fährt sich DAS TRAUMA einen Minuspunkt nach dem Nächsten ein.

Beginnen wir mal am Anfang. Der ist nämlich noch schön düster geraten. Unsere Heldin Alice aus THE DREAM MASTER ertrinkt fast in ihrer Dusche, schafft es jedoch, auszubrechen und schleicht anschließend durch zwielichtige Gänge bishin in die Irrenanstalt Springwoods. Schöne Bilder sind das, die auf einen wieder düstereren Teil hoffen lassen. Doch damit ist es leider schon recht bald vorbei. Denn sobald wir Freddys (dieses Mal doch etwas lachhafte) Auferstehung miterleben durften und gesehen haben, wie er als Kind aussieht (was bezogen auf die Logik der Reihe unmöglich ist), scheint der Film nur noch ein einziges Ziel vor Augen zu haben: am besten einen special effect nach dem Nächsten abfeuern. Schlichtweg jene Szene, die Spezialeffekte beinhaltet, scheint geradezu auf diese zugeschnitten worden zu sein – mitreißen tut einen hier nun wirklich gar nichts mehr. Verschlimmert wird dieser Umstand allerdings noch durch die Qualität. Einige der Trickaufnahmen sind leider auffallend deutlich als solche wieder zu erkennen und sogar die Masken und Kostüme können nicht wirklich überzeugen: in der Puppen – Szene sieht man ganz deutlich, wie Erika Anderson (Greta) die monströs vergrößerten Backen an ihr echtes Gesicht angeklebt wurden. Auch Dans’ Motorrad - Tod erinnert eher an ein Puppentheater, sogar Freddy’s Make-up wirkt zweitklassig. Das Motto muss „Lieber schlecht als gar nicht!“ gelautet haben.

Gore gibt es nunmehr gar keinen mehr zu bewundern. Dass der Teil mit einer FSK 18 auf dem Index liegt, gleicht einem schlechten Witz. Die maximal zwei bis drei härteren Szenen sind trotz allem extrem blutleer geraten, wirken wie gesagt qualitativ überholt und werden durch die comicbunte Optik des Films weitestgehend um jegliche Ernsthaftigkeit beraubt, so dass man den Film in meinen Augen (jetzt mal ehrlich) problemlos ab 16 freigeben könnte. Auch der Bodycount kann mit schlappen 3 Tötungen nichts reißen. Ein Mord ist lachhafter als der andere. So wird Greta von Freddy der Mund so vollgestopft, dass ihr Gesicht einen Durchmesser von fast einem halben Meter erlangt, Dan ‚verschmilzt’ mit seinem Motorrad (man kann das Schaumstoffkostüm peinlich genau erkennen) und Mark wird in einem ‚Comic – Traum’ von einem ‚Super – Freddy’ ermordet. Trash pur, der leider eher zum Weggucken verleitet und aufgrund seiner Niveaulosigkeit dem Status der Reihe schlichtweg nicht gerecht wird.

Damit die negativen Punkte auch ja nicht alleine dastehen sondern noch untermalt werden, hat man sich bei NIGHTMARE 5 für eine ganz besonders schreckliche Musik entschieden – so schrecklich nervtötend nämlich, dass man schon mal gerne aus dem Raum rennen und schnell die Beruhigungszigarette anstecken will. Das nölige Keyboardgedudel ist selbst für Leute, die schon viel Scheiße gehört haben, eine echte Herausforderung. Wenn Freddy ins Bild kommt will ich düstere Klänge wie aus Teil 1 oder schönen Hard Rock wie aus Teil 3 oder 6, kein Panflöten – Gedönz und Synthesizer – Gejamme eines Vorschülers!!
Schauspielerisch… Was soll ich da jetzt schreiben… Ist eigentlich überflüssig. Die übliche Fliesbandwahre. Keiner ist bahnbrechend schlecht, aber übers Daily Soap – Niveau ragt es nicht heraus. Daniel Hassel hatten wir schon im Vorgänger, ebenso wie Lisa Wilcox, die einen recht passablen Teil zum Gesamtbild beiträgt. Robert Englund spielt Freddy natürlich wieder einmal gekonnt, dieses Mal jedoch deutlich theatralischer und sarkastischer. Seine Darstellung bleibt die Einzige, die das Wort „Klasse“ verdient.


Doch mal ganz abgesehen von den Darstellern, den Effekten, dem kaum vorhandenen Gore, der miesen Musik… Das, was den Film immer noch am definitiv meisten runterreißen tut, ist seine optische Aufmachung. Wir haben bereits 1988 Freddy in teilweise mehr als abgedrehten Kulissen bewundern dürfen. Doch rein vom Style her ist Teil 5 noch quietschbunter ausgefallen. Was einem sofort ins Auge sticht: DAS TRAUMA wurde mit sehr viel weniger Geld produziert als der Vorgänger (schätzungsweise nicht mehr als $5 Mio.), was sich logischerweise auf die Inszenierung ausgewirkt hat. Der Film übernimmt sich mit schrillen, kunterbunten Bildern, obgleich er sie manchmal gar nicht richtig rüberbringen kann. Spannung: Null. Es kommt nicht einmal mehr ein kleines Fünkchen Atmosphäre auf, eine schön schaurige Grundstimmung will sich in der Fantasy-Trash-Oper nicht einstellen, doch das viel Schlimmere: trotz der farbenfrohen Inszenierung vermag der Film nicht einmal wirklich zu unterhalten. Freddy macht sich zum Clown, der erstmals noch nicht mal mehr daran interessiert scheint, fies oder morbide zu wirken. Er hat hier wirklich sämtlichen Charme verloren. Optik, Atmo und Freddy bleiben also immer noch das, was hier am meisten enttäuscht - noch vor den Effekten, Schauspielern und Gore.
Ablaufsmäßig hat man sich auch nicht gerade die Haare vor Kreativität ausgerissen. Erste Szene wie gesagt überzeugend, dann die Einführung der Figuren und Dans Tod; und da geht’s schon los. Fortan ist es ein einziges Wirrwarr aus effects, Schreierei, unglaubwürdigen Ideen und einem Freddy, der sich mal in ein Motorrad, mal in einen Koch und mal in einen ‚Super – Freddy’ mit Umhang verwandelt.
Die teilweise jedoch immer noch recht hübschen Kulissen, vor allem gegen Ende (auch wenn die Außenaufnahmen der Anstalt ganz klar matte paintings waren), sollen hier ruhig positiv erwähnt werden.

Sorry Leute, aber das war nichts. NIGHTMARE 5 – DAS TRAUMA kann nicht einmal das Niveau von Teil 4 halten und enttäuscht den Fan auf ganzer Linie: kein Blut, keine Spannung, keine Atmosphäre, nur kurzweiliger Horrortrash im schimmernd bunten Gewand, der anstatt durch seine Stimmung versucht, mit seinen Effekten zu unterhalten. Mit dem Bild, was ich von einem Alptraum habe, hat das hier nichts mehr zu tun.

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