Review

In Teilen, leider nicht im Ganzen beachtliche, da in ästhetischer Betrachtung entfesselte Martial Arts Komödie der späteren Shaw Brothers (Hong Kong) Ltd., die sich in diesem ganz speziellen Moment hier zuweilen mit am Gescheitesten an den gerade angesagten Produkten der Konkurrenz und dies mit den hauseigenen Stärken unterstützt orientierten. Eine beschwingte Sause aus Faustkämpfen, Taschenspielertricks und allerlei harmlosen Neckereien, die nur notdürftig und das Drumherum an sich steigernder und dann auch ausdauernder beat 'em up Action und Scherzen umrahmend durch eine dünne Erzählung zusammengehalten wird:

Frisch aus dem Gefängnis entlassen, kehrt der König der Taschendiebe, Uncle Dong Bill [ Bill Tung ] nicht nur zu seinem beiden Töchtern Ah Ji [ Liu Lai-ling ] und Ah Yuan [ Lai Yin-saan ], sondern auch den Zöglingen Qiu Qi [ Chin Siu-ho ] und Ma Cheung [ Chiang Kam ] und so schnell zu den alten Gewohnheiten zurück. Dabei plündern die Drei zwar nach und nach gekonnt die Stadt und ihre Bürger, ziehen aber so schnell die Aufmerksamkeit von Captain Tie Li-wei [ unterfordert: Lo Meng ] auf sich. Zum Glück für die Kleinkriminellen hat dieser allerdings bald noch andere Probleme, treibt sich doch der Opiumhändler Dragon [ Johnny Wang Lung-Wei ] mit seinem geschäftsführenden Madam [ Maria Yuen ] in der Gegend herum und plant, unliebsame Gefahren durch seine White Suit Axe Gang [ unter Führung von Ko Heung ] und Bombenanschläge auszuschalten.

Mit das einzige Problem des ansonsten großen Vergnügens in bisweilen außerordentlich gelungenem Arrangement von Spektakel in heiterer Stimmung ist dabei gerade das späte Einschreiten einer richtigen Geschichte. Bis zur gefühlten Hälfte der Laufzeit wird dergleichen nicht einmal erwähnt, und selbst dann auch nur in drei, vier knappen und ebenso rasch hingeworfenen Dialogen auch nur rudimentär begonnen. Die Episodenreihung bis dahin und danach ist und bleibt sicherlich schütter und spielt ein wenig sehr mit den Motiven von betrogenen Betrügern, präsentiert sich in seinen bisweilen zu entspannt daherkommenden Komödienverwicklungen aber getreu der Berufswahl seiner Figuren auch dort als show-off, also bringt sich durch Ablenkungen und auffälligen Kleinigkeiten zur Geltung. Posierend auch als Gernegroß, um dann über die Hintertür an das eigentliche Ziel, im Film dem der jeweiligen Beute, als Film in die Gunst des Zuschauers heranzukommen. So werden in der einzig emotional zu drohend werdenden Szene die anklagenden Worte durch zwei Beobachter wie in einer Rezension kommentiert, die den Vorwürfen und ihrer ebenso ernsten Reaktion des Beschuldigten jegliche Schärfe nimmt und sie geradezu ins karikierend Lächerliche umkehrt. Später folgen noch ein Sang-, eine Tanz- und sogar eine Cancan- und gar Discoeinlage, wobei Letztere schon zeitlich gar nicht in die Ära passt, diese insgesamt Nichtigkeit trotzdem aber die Lebensgeister erweckt und in nostalgisches und gleichzeitig modern wirkendes, da auf den neuesten Stand gebrachtes Wohlbehagen und Ausgelassenheit versetzt.

Eine vergnügte Matinee, die weniger in der Vergangenheit gefangen, als in der Gegenwart die sicheren Trümpfe von Überlieferung und Brauchtum ausspielt. Eine jahrelange Erfahrung, das beständig hohe Produktions- und Finanzvolumen des ausführenden Studios und die sichere und zugleich spitzbübische Regie des mit Metier und Materie taufrisch vertrauten Hsu Hsia, der sich kurz zuvor bereits an Lion Vs Lion [ 1981 ] und Kid From Kwangtung [ 1982 ] (und danach u.a. noch an I Will Finally Knock You Down, Dad, 1984) ausgetobt hat, sorgen in der Gemeinsamkeit für die Macht eines neues Impulses. Eine Mischung aus den themenverwandten Carry on Pickpocket und Beware of Pickpockets, wobei die Annäherung an die zeitgenössischen Rivalitäten um gerade Cinema City & Films Co. überraschend auffällig und ebenso überraschend freundlich gesonnen ist.

So werden die momentan die Unterhaltungsbranche allgemein und die Form der mehr oder minder anarchistischen Komödie speziell bestimmenden und so das Box Office Feld von hinten aufräumenden Talente um Tsui Hark, Karl Maka, Teddy Robin Kwan und George Lam gar in einer Szene als Referenz gar namentlich und eben wohlwollend, als Ausdruck der Wertschätzung genannt. Ein seltenes Zeichen der Anerkennung, dass der Film als Unterstützung oder Ausrede gar nicht nötig hat, bezeugt er doch eine eigene Variante der Unterordnung des Inhaltlichen unter die kinetische und artistische Intensität. Die vitale Präsentation des Stoffes ist anders als bei den verbalisierten "Vorbildern" auch vielmehr durch traditionelles Handwerk in aktualisierter, leider (bis auf eine glorios ruppige Anfeindung von Chin Siu-ho gegen female assassin Chiu Man-yan und das explosive Attentat) doch zu bagatellisierende Inszenierung und so zur eigenen Ehre reichend gegeben.

Denn innewohnendes Genie lässt sich in drei, vier virtuosen Aufführungen von Kampfkunst, Sprünge und Verwerfungen in spielerischer, zuweilen gar tänzelnd choreographierter und trotzdem die Effekte von Aktion und Reaktion im steten Auge behaltender Weise beobachten. Zwei- und Massenkämpfe zwischen Slapstick, Zirkus (samt dessen infantiler Musik), handfester Prügelei und Stunts galore, in bislang gar gattungsfernen Kulissen von Hospital und Nachtclub mit angrenzenden Casino oder einem freien Feld voll aufgespannter Sonnenschirme gesetzt; als vorherrschende Attraktionen der Schaubühne, die unzweifelhaft die Säulen und Bewegungsträger des Filmes und auch die Höhepunkte des Schaffens von scheinbar unschwerer Akrobatik und mühelos antrainierter Dressur darstellen.

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