Review

Ja, Sneak Previews sind doch immer eine tolle Sache. Da hat die Filmindustrie doch endlich eine Möglichkeit gefunden Filme, die sich kein Mensch freiwillig anschauen würde doch noch im Kino unterzubringen und somit noch ein wenig Kohle einzuspielen. So ist das wohl auch beim *hüstel* Erotik-Thriller "Fascination", den zumindest ich mir im normalen Kinobetrieb sicherlich nicht mal unter Androhung von Gewalt angeschaut hätte. Da man aber gezahlt hat bleibt man halt drin sitzen und zumindest gab es viel zu Lachen, gut, das war vom Regisseur sicherlich nicht so gedacht aber was solls.

Die Story ist selten dämlich und dabei so vorhersehbar, dass auch der letzte Zuschauer schon immer eine gute halbe Stunde vor den Protagonisten weiß was wohl kommen mag und wie das ganze ausgeht.
Also zunächst mal zur Thrillerhandlung. Da stirbt gleich am Anfang der Vater von Rick, als er im Meer mit vollem Tempo gegen einen Felsen schwimmt. Auf der anschließenden Beerdigung gibt es dann Sätze zu hören die wohl kein Mensch jemals in so einer Situation sagen würde und Ricks Mutti macht sich erstmal vom Acker und geht, wie man das als trauernde Witwe so macht, auf eine Kreuzfahrt. Als sie nach drei Wochen heim kommt hat sie nicht nur eine kräftige Bräune sondern auch noch Oliver an der Backe. Der ist ihr neuer Stecher und bringt gleich noch seine Tochter mit. Während Mutti und Oliver auch gleich heiraten wollen, fällt Rick und Kelly, der Tochter, auf das sie sich eigentlich ganz gut verstehen, also poppen die beiden erstmal während der Hochzeit und lassen auch danach keine Gelegenheit aus einen wegzustecken. Rick kommt nebenbei noch dahinter das sein Vater ermordet wurde und so könnte wirklich etwas Spannung aufkommen, wenn man da nicht schon wüsste das Oliver wohl dahinter steckt und Kelly gar nicht seine wirkliche Tochter ist und so gibt es am Ende eine Explosion, den wohl miesesten Showdown (ich wage es kaum das gezeigt so zu nennen) und einen miesen Autounfall mit anschließendem Versöhnungsfick.

Das ganze klingt jetzt nicht halb so schlimm wie es im Film rüberkommt. Da gibt es dann auch noch die grandiosen Hintergründe für den gar teuflischen Plan. So ist Kellys echte Mutter gestorben, nachdem Ricks Vater mit ihr einen trinken war und sie beide mit dem Auto in einen Fluss gestürzt sind. Daraufhin hat sich Kellys Vater umgebracht ("Er hing da so von der Decke") so das Kelly in ein Waisenhaus kam, dort ist sie abgehauen, lebte bis sie 14 war in Johannisburg (!!!) auf der Straße (!!) ehe Oliver, der für den britischen Geheimdienst dort war (!!!!) sie zu sich nahm. Deshalb wollte sich Oliver an Ricks Familie rächen. Bin ich eigentlich der einzige der sich ernsthaft die Frage stellt warum sich ausgerechnet Oliver rächen will und dann auch noch in dem er die ganze Familie umbringen will und das so unglaublich dämlich, das ich mich ernstlich frage was die beim MI6 eigentlich lernen. Der Film wird wirklich von Minute zu Minute blöder und unglaubwürdiger. Da gibt es dann grandiose Szenen wie die Exhumierung von Ricks Vater, die Rick mal eben Nachts mit seinem Anwalt macht, um eine toxikologische Untersuchung vornehmen zu können. Ganz weit vorne auf meiner persönlichen Skala der blödesten Szenen der Filmgeschichte auch die Szene in der Rick und Kelly es während der Hochzeit ihrer Eltern auf dem Dach des Gebäudes treiben, Rick beinahe abstürzt und sich von Einstellung zu Einstellung das Wetter von Sonnig zu strömendem Regen verändert. Das sind die Momente in denen man sich wünscht auf der Stelle zu erblinden um sich dieses Trauerspiel nicht mehr weiter ansehen zu müssen.

Ach so, das ganze ist ja ein Erotikthriller, was bedeutet das es zum einen gigantisch schlechten schwülstig kitschigen Titelsong gibt, der natürlich auch Fascination heißt und auch locker jede Folge von "Electric Blue" untermalen könnte, zum Anderen gibt es natürlich auch noch das was Produzent, Autor und Regisseur Klaus Menzel für Erotik hält. Die Sexszenen sind in etwa so erotisch wie Ottfried Fischer in Strapsen und wenn ich mich recht erinnere gibt es sogar einmal einen nackten Nippel zu sehen, der wurde dann aber dank Zoom in gigantische Dimensionen gerückt. Ansonsten behalten alle die Klamotten an. Ganz groß auch die Szene in der Rick Kelly im Pool Oral näher kommt und sie ihn beinahe ertränkt. Da versprüht jede Lindenstraßen Folge mehr Erotik.

Die Darsteller pendeln gekonnt zwischen mies (Adam Garcia als Rick), lustlos (Jacqueline Bisset), überfordert ( Alice Evans als Kelly) und gnadenlos schlecht und übertrieben (Stuart Wilson als Oliver). Ähnlich mies wie die Darsteller ist auch die Inszenierung. Das ganze wirkt teilweise wie 70er Jahre Weichzeichneroptik, die Schnitte im Film sind total unharmonisch und wirken eher verwirrend und die Kameraführung hat man in 2. Klassigen RTL Filmen schon besser gesehen.

"Fascination" ist ein Film wie in die Filmgeschichte ganz sicherlich nicht braucht. Spannung kommt nie auf, die Erotik kann man sich getrost schenken, und die ganze Story ist ein einziger Schwachsinn. Hier gibt es wirklich keinerlei Lichtblicke, das ist einfach ganz, ganz miserabel und ich wünsche keinem das er sich diesen Schund ansehen muss. 1 von 10 Punkten.

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