Goblin, wo?
"Squadra antimafia" aus dem Jahr 1978, der vierte Film um den sehr unorthodoxen römischen Kommissar Tony Marroni (im Original: Nico Giraldi); man kann von einem recht gelungenen Beitrag zur Reihe sprechen...
Ein Mafiosi wird bei einer Gefängnisrevolte unter höchst verdächtigen Umständen mit gezieltem Schuss vom Dach geholt, Commissario Giraldi (Tomás Milián) ermittelt, lässt sich hierzu selbst einbuchten, nach gemütlichem Kartenspiel mit zahnlosen Gesellen im Knast wird seine Flucht nach Amerika arrangiert, er heuert als Bedienung im New Yorker Restaurant von Landsmann Salvatore (Enzo Cannavale) an, wo tanzend serviert wird und auch ein mächtiger Pate und dessen Schergen regelmäßig ihre Pizza essen. Und die Schergen wünschen ihre Pizza heiß...
Kurios die allererste Szene: Einem älteren Mann, der sich durch eine sich demonstrativ Entblätternde (es geht doch nichts über den italienischen Film) auf einem gegenüberliegenden Balkon zum ausgiebigen Spannern durchs Fernglas animiert sieht, wird hinter seinem Rücken die Wohnung herrlich akribisch von Einbrechern leergeräumt.
Das Einbrecher-"Team" wird geleitet vom Kleingauner und Giraldi-Kumpel Venticello, gespielt vom rundlichen Komiker Bambolo ("Ballon"), der neben Enzo Cannavale als Salvatore und Olimpia Di Nardo als Giraldis Eheweib Angela zum immer wieder auftauchenden Personal der Reihe gehört. Herhalten muss der schauspielerisch talentierte Bambolo auch regelmäßig als "Ohrfeigengesicht", was in der Praxis heißt, er bekommt aus erstaunlichsten Anlässen von Giraldi (nicht allzu heftig) eine gepfeffert. Ein Running Gag der Reihe. Rollen gibt's...
Ohnehin ist der Auftakt in Rom gelungen. Regisseur Bruno Corbucci (der alle elf Giraldi-Filme inszeniert hat), bildet wieder dekorativ Schmuddeligkeit ab, die verfallensten Fassaden der Stadt werden ins Bild gerückt und auch pittoreske Details, wie die versiffte Unterhose einer Häftlings. Aber das alles, auch nicht die Unterhose, kann Rom und seinen Straßen und Plätzen das Malerische nehmen; Giraldi ist in seiner Stadt, im Milieu, auch für die Kleinstrollen wurde so manches Original mit Charakterkopf vor die Kamera gezerrt und die Action kommt ganz gut in die Gänge.
Doch aus den mit Patina behafteten Straßen und Plätzen geht es bald leider wieder nach Amerika, das schmutzig-graue New York (und hier ist nur wenig malerisch, es sind die Siebziger) und später das schrille Las Vegas sollen als Schauwerte beeindrucken.
Der Film verliert nun aber nicht zu sehr an Unterhaltungswert, denn Eli Wallach als Don Girolami gibt den Paten immerhin recht speziell (und nicht allzu böse), Enzo Cannavale als vor den Mafiosi eifrig buckelnder Restaurantchef, der von seiner Ehefrau ("eine Heilige") im großen Stil betrogen wird, wirkt wie immer amüsant, Giraldi/ Milián natürlich lässig - und seine Rolle ist noch nicht ganz so überdreht angelegt wie in einigen Folgefilmen.
Dennoch: Klamaukig wird es mitunter schon sehr, wofür auch Margherita Fumero als schreckschraubenhafte Patentochter Maria Sole sorgt (auch bei "Squadra antigangsters"/ "Ein Superbulle gegen Amerika" wieder mit von Partie). Sofort ist sie für Macho-Man Giraldi entflammt und legt, ausgestattet mit einem Sexappeal-Faktor im negativen Bereich, alles daran, dass der Römer, der sie mit wenig schmeichelhaften Bemerkungen abwehrt, sie b..., äh, ihr beiwohnt.
Im letzten Viertel wird der Film unvermutet ernster. Giraldi sitzt in Nevada in der Todeszelle und Corbucci nimmt nun etwas die Farbe aus dem Film, alles wirkt monochrom, Giraldi hat seinen schwarz-roten Mafiosi-Klischee-Aufzug gegen Gefängnisdrillich getauscht und kämpft beinahe ironiefrei um sein Leben, man wähnt sich fast in einem Drama. Mir gefällt die ernstere Ausrichtung, gemahnt das doch an den wunderbaren Auftakt Squadra antiscippo" (1976), aber mit dem bisherigen Verlauf von "Squadra antimafia" will die plötzliche Ernsthaftigkeit keine homogene Verbindung eingehen.
Dass Goblin Musik zum Film beigesteuert haben, hat sich mir während des Schauens nicht erschlossen, will meinen, da war nichts Beeindruckendes zu hören.
Manche Passagen in diesem Film verdienen eine 2/10, andere 9/10. Ich teile durch zwei und runde auf: 6/10.