Vier Jahre nach der Mücke kam der Bomber.
Einigermaßen eigen, dass Regisseur Michele Lupo seinem Erfolg "Sie nannten ihn Mücke" ("Lo chiamavano Bulldozer") aus dem Jahr '78 - ganz klar einer der besten Spencer-Solofilme - vier Jahre später (zwischenzeitlich drehte er noch drei weitere Filme mit Spencer) ein Beinahe-Remake folgen ließ, welches die bekannte Handlung einfach nur ein wenig variiert:
Diesmal also nicht Football, sondern Boxen. Der Antagonist ist nicht US-Sergeant Kempfer (schwer zu übertreffen: Raimund Harmstorf), sondern ein anderer großmäuliger, schnauzbärtiger US-Militär (auch nicht verkehrt: Kallie Knoetze), mit dem man (also Spencer) noch eine alte Rechnung offen hat. Ein paar unsportliche Ulk-Gestalten bilden erneut das Randpersonal (die stets futternde Bohnenstange ist auch wieder mit dabei und darf einen Gag aus dem "Original" nochmals bringen), es wird abermals hart trainiert (man versucht, ein bisschen "Rocky"-Stimmung aufkommen zu lassen), es gibt wieder zünftige Keilereien mit ausufernden Sachschäden (und vermutlich auch kleinen Dachschäden) und als sonstiger Muskelnvergleich wird diesmal nicht Armdrücken, sondern Tauziehen geboten.
Manche Filme sieht man immer wieder neu: Als ich den "Bomber", den ich wie viele noch aus Kindheitstagen kenne, vor ein paar Jahren anschaute, erkannte ich ihn rasch als Quasi-Kopie - der„Mücke“-Eintopf mit ein bisschen anderem Gemüse hineingeschnippelt nochmals aufgewärmt -, was mir den Film nicht gerade sympathisch machte. Nun habe ich ihn ein weiteres Mal gesehen und befinde: Story-Recycling zwar, aber durchaus ein Film mit eigenen Qualitäten, der über die gesamte Spiellänge kurzweilig ist. Der Wikipedia-Behauptung, Regisseur Lupos (Genre-)Filme zeichneten sich durch optischen Einfallsreichtum und gewitzte Drehbücher aus, hält auch „Der Bomber“ stand. Vieles ist wieder mit Liebe zum Detail und originell in Szene gesetzt (wenn auch freilich nicht immer auf der Qualität des "Mücke"-Filmes), die Synchro geht erneut in die Vollen, als kuriose Einlage tanzt eine Südtiroler Schuhplattler-Gruppe passenderweise den "Watschinger" und der Spencer an die Seite gestellte Jerry Calà wird nach nervigem Auftakt allmählich sympathisch. Sein rosafarbener Buggy - kein roter mit gelbem Häubchen - bleibt aber ein scheußlich' Ding.
Durch die Fanbrille (Gläser wie Flaschenböden): 7 Punkte.