Review

Save the best for last!
Oder zumindest „almost the best“!
Als „4 Fäuste gegen Rio“ 1984 in die Kinos kam, hatte sich die Kinolandschaft bereits grundlegend gewandelt. Die große Zeit der europäischen Filmkomödien war vorbei. Sellers und de Funes waren tot, Richard wurde zunehmend uninteressanter, Celentano kurz vor dem Absprung zum Fernsehen. Und Spencer/Hill hielten als einzige die Fackel hoch, wenn auch nur noch mit mäßigem Erfolg. In den letzten fünf Jahren seit „Das Krokodil und sein Nilpferd“ hatte z.B. Bud Spencer sieben Filme gedreht, von denen keiner unter seinen besten zu finden sein wird, die letzten beiden Paarungen mit Terence Hill waren höchstens mäßig zu nennen und ein neues Team, die Paarung Spencer/Milian ging auch in die Hose.
In den Kinos regierten inzwischen die Blockbuster a la Indiana Jones und so geriet auch dieser, vorletzte Film vor der langen Zwangspause mehr in die kleinen Kinos, als er es verdient hätte.
Denn es ist der letzte richtig gute Film des Duos, ein letztes Sahnehäubchen auf eine schlagkräftige Karriere, gekrönt durch die erste Doppelrolle der beiden Helden.

Nach Rio de Janeiro hatte man sie noch nicht versetzt (obwohl sie beide durch die Begeisterung des dortigen Publikums schon oft in Südamerika tätig gewesen waren) und so gerät die Doppelgängerstory zu einem amüsanten Bilderbogen rund um die berühmte Stadt, die auch so ziemlich mit all ihren Vorteilen und Sehenswürdigkeiten nebenbei eingefangen wurde.

Storytechnisch wieder kein Neuland, aber eine originelle Aufarbeitung von Standesunterschieden, wenn ein Musiker und ein Stuntman als Doubles für zwei verweichlichte Millionäre einspringen und neben den Angestellten auch gleich die komplette Stadt durcheinanderwirbeln.
Als wäre es schon der Abschied werden noch einmal die besten Momente für diesen Film eingefangen. Eine Fressorgie gleich zu Beginn, ein stotternder Handlanger, eine Klopperei in einer miesen Kaschemme, zahlreiche Mißverständnisse mit den Vertrauten der Millionäre bzw. die Auflockerung der steifen Umgebung und eine originelle Schlußschlägerei mit vertauschten Rollen, auch wenn es diesmal etwas bemüht wirkt, die Schurkensöldner sich ihrer Waffen zu entledigen.
Auch hat der Krimiplot so seine kleinen Längen, aber man bleibt mit frischer Selbstironie dabei und die beiden Darsteller haben sichtlich Vergnügen daran, im Maracana Fußball zu schauen, beim Karneval mitzulaufen oder über den Strand zu schlendern.

Rainer Brandt ist ein letztes Mal in Bestform und würzt die Story mit denkwürdigen Kommentaren, wobei die erste Hälfte allerdings stärker als der Schluß ist, weil die Story dann nicht mehr alles trägt.
Schade, daß danach die mäßigen „Miami Cops“ diesen Standard nicht mehr halten konnten.
Das Publikum war weitergegangen und nach Solo-Versuchen endeten die großen Karrieren nach fast 20 Jahren mit Fernseharbeit. Aber diese kleine Sternstunde sollte trotzdem nicht vergessen werden. (8/10)

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