„Ist das unnatürlich! Und du willst beim Film sein?!“
Italo-Regisseur bat 1970 das Kult-Duo Terence Hill und Bud Spencer („Die rechte und die linke Hand des Teufels“) erstmals vor die Kamera und drehte seither eine Vielzahl weiterer Komödien mit den beiden. 1984 kündigte sich bereits das Ende des ehemals so erfolgsversprechenden Prügelklamaukrezepts an und Barbonis „Vier Fäuste gegen Rio“ wurde der vorletzte gemeinsame Spielfilm der beiden Raufbolde für lange Zeit.
Elliot Vance (Terence Hill) ist Stuntman, Greg Wonder (Bud Spencer) Saxophon-Spieler in New Orleans und Gefängnis-Freigänger. Sie werden von einer Doppelgänger-Agentur als Doubles für die brasilianischen Multimillionärs-Vettern Bastiano und Antonio Coimbra angeheuert, denen sie wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Die Coimbras werden von unbekannten Kriminellen bedroht; Vance und Wonder sollen die Aufmerksamkeit auf sich lenken, während die echten Coimbras wichtige Geschäfte erledigen. Die Doppelgänger sorgen für reichlich Verwirrung, entwischen immer wieder den Auftragsmördern und kommen sogar dem Drahtzieher auf die Spur...
Fernweh weckende Luftaufnahmen Rio de Janeiros werden abrupt von einem explodierenden Auto beendet, woraufhin die Doppelgänger in spe vorgestellt werden. Bei der ersten Begegnung der beiden kommt es zu einem herrlichen Spruchduell, doch bezieht „Vier Fäuste gegen Rio“ seinen Komik nicht nur einmal mehr aus dem ungleichen Duo Spencer/Hill, sondern außerdem aus dem Kontrast zwischen diesen beiden Proleten und den feinen, reichen, tuntigen Pinkeln von Coimbras, die ebenfalls von Spencer und Hill gespielt werden – beide agieren also in Doppelrollen, und zwar in solchen, in denen man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt. Spencer und Hill beweisen Mut zur Selbstironie und konterkarieren ihr testosterongeschwängertes Image. Ein weiterer humorvoller Kontrast ergibt sich daraus, wie die beiden die Welt des Reichtums reichlich durcheinander wirbeln. Da werden Nobelkarossen umgespritzt, billige Tanzbars zum Essen aufgesucht, dort die erste Massenschlägerei anberaumt und die platonische Liebschaft des zu Doubelnden in die Welt der Körperlichkeit eingeführt. Brandt’scher Sprachwitz ist natürlich ebenso dominant wie in anderen Filmen dieses Kalibers.
Den immer wiederkehrenden Bösewicht „Tango“ darf „die ewige Nebenrolle“ Nello Pazzafini („Lauf um dein Leben“) sehr überzeugend spielen, wobei sein Stottern obligatorisch und nur bedingt witzig ist. Mit bauernschlauer List und Tücke entgehen Vance und Wonder ihm und seiner Bande immer wieder und kommen schließlich hinter das Komplott. Der mit Versatzstücken klassischer Verwechslungskomödien arbeitende Film weiß gerade auch mit seinem landschaftlichen und kulturellen Ambiente zu gefallen, äußert jedoch nie Kritik am exorbitanten Reichtum der Coimbras. Er zieht sie zwar durch den Kakao, hinterfragt aber nie die Ungleichverteilung des Geldes. Die zweite und schon letzte Massenschlägerei setzt gegen Ende ein und lässt es unsere Protagonisten mit einem ganzen Söldnerkommando aufnehmen, was einerseits etwas sehr übertrieben anmutet, dafür aber sehr athletisch und rasant choreographiert wurde und tatsächlich recht viel Witz entwickelt. Die Enttarnung des nur flüsternd kommunizierenden Hintermannes indes ist nun sicherlich kein Paradebeispiel für Glaubwürdigkeit, aber darum dürfte es diesem solide unterhaltenden Film auch nie gegangen sein, dessen Humor leider nicht an die Bissigkeit manch früherer Großtat des ungleichen Duos heranreicht und der inhaltlich doch schon merklich abgeflacht ist, setzt man ihn einem direkten Vergleich mit vorausgegangen Produktionen aus. Als leichte Sommerklamotte aber noch goutierbar.