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Das Kettensägenmassaker ist meiner Meinung nach ein Paradebeispiel für einen der Filme, über die man sich bevor man sie gesehen hat die wildesten Gedanken macht, was genau an Splatter und Gore dem Zuschauer geboten wird – sofern man es nicht schon von jemandem erzählt bekommen hat, der die ungeschnittene, beschlagnahmte Version dieses Klassikers zu Gesichte bekommen hat. Und im Nachhinein wird man dann komplett eines Besseren belehrt.
Faktisch ist es nämlich so, dass der Splatterfaktor dieses Films auffallend gering ausfällt, zumindest was das zur Schau gebotene betrifft. Bis auf ein paar Schnittverletzungen geringen Ausmaßes gibt es in dem Film eigentlich rein gar nichts zu sehen. Die Beschlagnahmung ist wohl der Zeit und dem anrüchigen Originaltitel zuzurechnen, denn wegen ausufernder Gewalt kann man den Film eigentlich nicht verbieten.

So dreht sich alles um eine Gruppe junger Leute, die durch die texanische Prärie fahren und dabei durch unglückliche Umstände ins Verderben gerissen wird. Das Benzin geht zur Neige und an der einzigen Tanke gibt es keins mehr, wodurch sich die Leute entscheiden, nahe eines alten Schlachthofs zu bleiben, um morgen weiterzufahren. Nacheinander entdecken die Teenies ein seltsames Haus, das durch einen laufenden Generator auf sich aufmerksam macht. In der Hoffnung, hier vielleicht Benzin zu bekommen gehen sie hinein. Doch darin erwartet sie leider nur Leatherface. Der berühmte Kettensägenschwinger ist nichts weiter als ein geistig minderbemittelter Sohn einer scheinbar inzestuös lebenden Familie von Spinnern, die alle Teenies kalt machen und nur eine für ihre sadistischen Spielereien übrig lassen. Bei dem Versuch, sie buchstäblich zu schlachten, entkommt sie.

Wie schon gesagt ging es Tobe Hooper wohl weniger darum, Splatter in Reinstform zu bieten, denn auch zu dieser Zeit wäre da durchaus mehr drin gewesen (vgl. „Night of the Living Dead”, 1968). Die Closeups der gefesselten Frau, ihre Schreie und weit aufgerissenen Augen sind für mich eher Beweis dafür, daß es dem Regisseur eher darum ging, die Todesangst der jungen Frau dem Zuschauer so intensiv wie möglich darzubringen, all das noch unter Verwendung einer wahren Begebenheit. Das Verhalten der Inzestfamilie trägt zum bizarren, kranken Gesamtbild des Films genauso bei wie das Motiv des an den Rollstuhl gefesselten, hilflosen jungen Mannes, der von Leatherface überrascht und zerschnitten wird. Dazu kommt die Verbildlichung der totalen Einöde; gefilmt wurde in absolut menschenleerer Prärie, wo es nahezu keinen Ausweg gibt, fernab jeglicher Zivilisation, fernab jeglicher Vernunft.

Laut meiner Definition von Horror handelt es sich bei „Blutgericht in Texas“ um keinen Horrorfilm (auch wenn die DVD von Laser Paradise wieder mal auf Bildzeitungsniveau so etwas ähnliches zu vermitteln versucht) – es gibt keinerlei übernatürliche Elemente, und man könnte den Film eher mit dem fast gleich alten „Last House on the Left“ vergleichen, auch wenn hier noch zahlreiche morbidere Motive wie die Knochensammlungen oder die Maske aus Haut hinzukommen, die den Gruselfaktor des Films gelungen in die Höhe treiben und Wes Cravens Erstling wahrlich alt aussehen lassen.

Ich finde den Film gelungen. Gore fehlt eben etwas, der Film ist leider zu oft sehr Off-Lastig, doch das ist verschmerzbar, da er dennoch durchaus schockieren kann.

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