So, nun habe ich es mal geschafft, mir den angeblichen Kult-Psychothriller "Texas Chainsaw Massacre" reinzuziehen. Und ich muss sagen, dass mich der Film enttäuscht hat.
Sally (Marilyn Burns) fährt mit ihrem am Rollstuhl gefesselten Bruder Franklin (Paul A. Partain) und drei Freunden durch Texas, um das Grab ihres Opas zu besuchen. Daraus wird nix, als sie unterwegs einen durchgeknallten Anhalter (Edwin Neal) mitnehmen, der aber bald darauf wieder rausgeworfen wird. Leider geht der Karre der Sprit aus und so macht man sich auf die Suche nach Benzin. Schließlich finden sie ein scheinbar verlassenes Haus. Nichtwissend, dass dort eine ziemlich kranke Hinterwäldler-Familie haust, begehen das Paar der Gruppe Hausfriedensbruch. Das so was nicht unbestraft bleibt, dürfte klar sein. Schon bald kreuzt Leatherface (Gunnar Hansen) auf und beginnt die Gruppe zu dezimieren...
Auch wenn Marilyn Burns (Blutrausch) meistens nur rumheult und kreischt, kann man sich mit ihrer Leistung zufrieden geben. Paul A. Partain (Vier im rasenden Sarg) ging mir mit seiner Darstellung des etwas debilen Franklins so richtig auf die Nerven, dass ich ihn am liebsten selber beseitigt hätte. Der von Edwin Neal (JFK - Tatort Dallas) verkörperte Anhalter und Bruder von Leatherface ergänzt sich in Punkto Nervfaktor prima mit Partain. Gunnar Hansen (Hellblock 13) ist als Leatherface dann auch eine totale Enttäuschung. Leatherface ist zwar mehr als krank in der Birne und kloppt anderen Leuten gerne eins mit dem Hammer über'n Schädel, bevor er sie zerstückelt, doch würden sich wahre Horrorgrößen wie Freddy Krueger, Michael Myers und Jason Voorhees sich lediglich einen Ast ablachen, wenn sie Leatherfaces Getue sehen würden.
Eine ultrabrutale Metzel-Orgie habe ich garnicht erst erwartet, da dies auch die Neuverfilmung von Marcus Nispel nicht war. Doch hat mir der von Michael Bay produzierte Film wesentlich besser gefallen als das Original, zu dem ich jetzt auch kommen werde. Zwar versteht es Tobe Hooper eine durchgehende Atmosphäre der Bedrohung zu schaffen, doch macht er vieles durch den nervtötenden Soundtrack kaputt. Die Idee den Film im Dokumentarstil abzudrehen ist an sich nicht schlecht, da so alles einiges glaubwürdiger wirkt. Leider hat Kameramann Daniel Pearl so manche Szene einfach amateurhaft eingefangen. Die Story selbst dient heute noch als Schablone für unzählige Hinterwäldler-Streifen und als Inspiration diente damals der reale Serienmörder Ed Gein aus Wisconsin, der sich aus Menschenhaut ein Kleid nähte. Durch Gein und eben "Blutgericht in Texas" wurde man sich auf einmal bewusst, welch kranke Arschlöcher unentdeckt in der Mitte der Öffentlichkeit lebten. Das verleiht dem Film zwar noch einen zusätzlichen Horror, doch inzwischen kann über so was nur noch gähnen. Mag "Blutgericht in Texas" so manchen schockieren, wenn man ihn sich im dunklen Kämmerchen anschaut, doch hat John Carpenters "Halloween" unter solchen Bedingungen eine wesentlich größerer Wirkung.
In Deutschland wurde der Film (vermutlich) aufgrund des Titels verboten, womit die Zensierknilche nur unter Beweiß stellten, dass sie nichts verstanden hatten. Heutzutage würde der Filme ohne Probleme eine Freigabe ab 16 bekommen, da es kaum bluttriefende Szenen gibt und der Horror vielmehr im Kopf stattfindet.
"Blutgericht in Texas" schafft es nicht annähernd am Thron von Carpenters "Halloween" zu sägen, da ich in ihm alles andere als ein Kultschocker sehe. Auch wenn der Film in den 70ern das Gesicht des Horrorfilm nachhaltig verändert hat, so wirkt er auf mich eher wie ein von Studenten am Wochenende gefilmter Pseudo-Slasher, mit dem man höchstens noch Minderjährige hinter den Sessel jagen kann.