Review

Vorsicht Spoiler!

"Texas Chainsaw Massacre" ist zweifelsohne ein Meilenstein desThrillers und Horrorkinos.
Hooper gelingt es, von den ersten Minuten des Films an, eine Stimmung zu erzeugen, nicht der bis zur Unerträglichkeit gesteigerten "Suspense" im Sinne eines Alfred Hitchcock, sondern des lähmenden, unbehaglichen Schockmoments.
In der ersten Hälfte des Films wird der Zuschauer reichlich mit Anspielungen traktiert, daß den Protagonisten ein sehr übles, makabres Erlebnis bevorsteht, welches wohl kaum jemand von ihnen überleben dürfte.

Der Off-Kommenator weist zu Beginn in einer (pseudo-) dokumentatorischem Einleitung hin, daß Sally Hardesty (Marilin Burns), ihr invalider Bruder Franklin, sowie die drei Freunde Kirk, Pam und Jerry anläßlich einer Reise zum alten Hardesty-Anwesen und dem Grab ihres Vaters in eine abgelegene Gegend im Süden von Texas, unglückliche Opfer eines der grausamsten Verbrechen der amerikanischen Geschichte werden sollen.

Szenenwechsel :
Der Zuschauer wird Zeuge einer nächtlichen Grabschändung. Nach dem Ausgraben und Aufbrechen des Sarges (was zu hören, nicht zu sehen ist) wird die freigelegte, stark verweste Leiche vom Täter mit epischer Genüßlichkeit aus sämtlichen Perspektiven mit photographiert.
Am nächsten Morgen muß die örtliche Polizei ein abstoßend bizarres "Kunstwerk" vorfinden, daß der Grabräuber aus zwei Kadavern erstellt hatte.

Szenenwechsel :
18. August 1973 : Die fünf Freunde haben nach beschwerlicher Reise inzwischen Texas erreicht und sofort wir klar, daß einiges nicht stimmt. Sally`s Bruder hat offenbar stark an der, aus seiner Behinderung resultierenden Abhängigkeit zu leiden und ist zudem auch psychisch anormal.
Die Bevölkerung ist anläßlich der Grabschändungen verstört, gegenüber Fremden zu den Vorfällen aber auch nicht gerade gesprächsbereit. Die Fahrt durch Texas wird unter der drückenden Hitze der Gegend fortgesetzt.
Schließlich nehmen sie einen verschrobenen Anhalter (Edwyn Neil) auf. Er lädt die fünf Reisenden zunächst zu seiner Familie zum Abendessen ein, aber mehr und mehr wird offensichtlich, daß sie einen unberechenbaren gewalttätigen Psychopathen mitgenommen haben.
Die Situation eskaliert, der Anhalter attackiert Franklin mit einer Rasierklinge und wird hinausgeworfen, nicht bevor er den Freunden Rache geschworen hat.
Beim einem Zwischenstopp an einer Tankstelle wird den fünf Reisenden von dem verschlagen wirkendem Sawyer (Jim Siedow) abgeraten, die Reise zum Hardesty-Haus fortzsetzen, außerdem sei das Benzin ausgegangen.

Schließlich treffen Sally und die weiteren in ihrem Elternhaus ein. Die Atmosphäre wird immer beklemmender. Das Anwesen ist nur noch ein verlassener, leerstehender Bau, mitten in einer gottverlassenen Wildnis. Der Invalide Franklin wird weitgehend vernachlässigt und ist auf sich allein gestellt. Er steht noch immer unter dem Einfluß des Angriffes des verrückten Anhalters auf ihn.
Auf der Suche nach Benzin treffen Kirk und Pam auf ein unweit gelegenes, scheinbar auch bewohntes Nachbargebäude. Kirk betritt das Haus trifft auf den grotesk maskierten "Leatherface" und wird brutal ermordet.
Pam sucht ebenfalls in das Nachbarhaus und macht einen grauenerregenden Fund : Sie findet einen förmlich mit menschlichen und tierischen Überresten überfluteten Raum vor, aus Menschenknochen wurden bizarre Möbel, Kunst- und Gebrauchsgegenstände angefertigt. Auch sie fällt dem Schlächter in die Hände und wird in die Küche gezerrt.
In der Abenddämmerung gelangt auch Jerry auf der Suche nach Pam und Kirk zu dem Farmhaus. Er vernimmt schwache Laute, betritt zögerlich das Gebäude und geht als Dritter in die Todesfalle.

Inzwischen ist die Dunkelheit hereingebrochen. Sally und Franklin, die am Van auf die Rückkehr ihrer Freunde warteten, ahnen inzwischen, daß ihnen etwas zugestoßen sein muß. Sie begeben sich auf die Suche, obwohl der hilflose Franklin hysterisch drängelt, sie sollten abfahren. Tatsächlich sind die Wagenschlüssel verschwunden.
Franklin und Sally ahnen nicht, daß "Leatherface" im Schutz der Nacht - bewaffnet mit einer Motorsäge- bereits ihre Verfolgung aufgenommen hat. Sehr schnell fällt ihm der immobile Franklin zum Opfer.
Es gelingt Sally schließlich, fluchtartig zurück zu der Tankstelle zu gelangen und landet damit vom Regen in die Traufe. Der alteTankwart Sawyer zählt neben dem kettensägenschwingenden Schlächter "Leatherface", der sich aus menschlicher Gesichtshaut Ziermasken anfertigt und schließlich seinem Bruder, nämlich dem verrückten Anhalter zu einer degenerierten, kannibalischen und grabschänderischen Schlächterfamilie, die Menschenfleisch zu Räucherware und die weiteren Überreste zu Schmuck, Möbeln und allerlei vearbeitet (Historisches Vorbild Ed Gein).
Sally wird verschleppt , verliert das Bewußtsein und muß am darauffolgendem Tage einen Psychoterror unter der Familie erdulden, welcher seinesgleichen sucht.

Obwohl "Texas Chainsaw Massacre" immer wieder als Gewaltverherrlichung verunglimpft wird, so erweist sich der Klassiker dagegen im Vergleich zum Sammelsurium seiner Fortsetzungen, Remakes und dreisten, teilweise grottenschlechten Aufgüsse ("Motel Hell", "Slaughterhouse", "Blood Salvage", "Skinned alive" usw. usw.) als verhältnismäßig blutarm, was dem Film aber atmosphärisch zuträglich ist. Der Film verfügt eigentlich über keinen "Soundtrack", dagegen über eine bedrohlich anmutende, variierende Geräuschkulisse, welche stellenweise nur als das schallende Schlagen auf einen metallischen Gegenstand und einem gutem Teil höllisch knatternder Motorsäge umschrieben werden kann.
Die vielbesprochenen Szenen, in welchen die Opfer fachmännisch wie Schlachtvieh getötet und verarbeitet werden, sind kaum graphisch dargestellt und geschehen meistens im Off. So liegen die eigentlichen Schreckmomente auf psychischer Ebene, insbesondere in dem wirren, verrückten Gefasel und unberechenbaren Agieren der derangieren Schlächterfamilie, sowie nicht zuletzt auf der ihnen wie selbstverständlich eigenen Angewohnheit, in Menschen bloßes Schlach-und Nutzvieh zu ersehen. Die gebotenen schauspielerischen Leistungen sind so gut, daß man das gebotene Ausmaß menschlichen Niederganges schon fast fasziniert verfolgt.
Somit ist die Charakterisierung des Films, dieser sei ein "ekelhafte(r) Kotzbrocken, den auch abgebrühte Zuschauer nur schwer vekraften können"(Hahn / Jansen : Lexikon d. Horrorfilms) auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Aber gerade darin, dieses Gefühl schonungsloser Beklemmung und permanenter Bedrohung zu erzeugen, welches den Film von der ersten bis zur letzten Minute begleitet, liegt die Leistung Tobe Hoopers in seinem Werk.
9 /10

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