Zwei hau'n auf den Putz - Version: 2. Synchro (BRD 1978)
"Traue niemandem. Auch nicht deinem besten Freund."
Die Aufmerksamkeit drängt sich um den Würfeltisch, Mittelpunkt des Zentrums, alle Augen richten sich darauf. Die Geldscheine sind abgegriffen, durch viele Hände schon gewandert, nicht lange beim Besitzer geblieben, so zerronnen wie gewonnen. Dem Glücksspiel wird hier gefrönt, auf bessere Zeiten gehofft, der letzte Besitz gewettet, nochmal in die Hände gespuckt und zur Fortuna gebetet. Zwei Würfel, zwei Zahlen, die Acht schlägt die Sieben. Es geht um Dollar. Es geht um Gold. Es geht um Leben. Es geht um Tod. Die Stadt ist des Nachts voller Trubel, die Straßen sind leer, ein Mann versucht unentdeckt zu entkommen und sieht sich bald im Staube liegen, das Pferd wird ihm unterm Sattel weggeschossen, "die grässliche Kreuke legt sich schon wieder lang" wird der üble Sturz kommentiert; das ist nicht lustig, das ist Zynismus pur. Der Gaul schläft wahrscheinlich nur hier, in dieser Fassung, macht ein Nickerchen mitten in der Dunkelheit; der Besitzer hat noch ein wenig zu tun und zu flüchten, eine Hatz durch Fenster und entlang der Bauten, gejagt von einer Überzahl Rabauken. Die Flucht gelingt vorübergehend, mit Müh und Not, mit Verstecken und Ablenken und Wunden lecken, Einschüsse und Verletzungen hat man mitgenommen, aus dem Gefecht gesetzt ist man vorübergehend, das Blut wie Ketchup, knalle rot:
Aufgrund der an ihn vom alten Bekannten Sharp [ Enzo Fiermonte ] übertragenen Schürfrechte, wird Cat Stevens [ Terence Hill ] vom Revolverhelden Finch [ Glaucus Honorato ] und dessen Trupp gejagt und auch schwer verletzt, einzig das Versteck im Wanderzirkus von Mamy [ Lionel Stander ] und die Hilfe von Thomas [ Woody Strode ] retten ihm das Leben. Stevens, der ebenso wie Thomas die offene Rechnung begleichen will, wendet sich an den ebenfalls und dies mit Absicht in die Goldsucherkonzession eingetragenen Hutch Bessy [ Bud Spencer ], der sich mit seinem Schützling Babydoll [ George Eastman ] dem Feldzug gegen die Überzahl anschließt. Dabei hilft ihnen bald auch der Richter und Bezirksbürgermeister Boone [ Edward Ciannelli ], der die illegalen Machenschaften um Bergbauunternehmer Fisher [ Vicor Buono ] schnell spitz kriegt und auch etwas gegen diesen andauernden Rechtsbruch inklusive Mord hat.
"Macht du Frühsport?"- "Nein, ich lauf’ meine neuen Stiefel ein."
Bemühen tut sich die (zweite) Synchronisation (von 1978, aus der Deutschen Synchron Filmgesellschaft mbH & Co. Karlheinz Brunnemann Productions KG, Berlin) um Thomas Danneberg und Wolfgang Hess schon, aus dem bierernsten Kino-Italowestern eine TV-Comedyfassung (hier mit zusätzlichen Szenen aus der Originalfassung) zu generieren, eine vergebliche Ereiferung ("Dass Mückenstiche so bluten können, eine Schweinerei ist das.", oder "Hier, ein Schluck Leitungsheimer." beim Reichen der Wasserflasche für einen Darbenden, dem die Lippen schon aufplatzen vor Fieber und Exsikkose), die Bilder sprechen eine andere Sprache, das Milieu ist rau und grob, der Sensenmann nie weit, das Areal (gedreht wurde in Almería, Spanien, eine Gemeinde mit 3000 Sonnenstunden pro Jahr) voll Staub und Dreck und Armut und Gewalt und Tod. Bald gibt's drei weitere Leichen, die Gräber provisorisch, aber möglichst tief, die Existenz keinen Pfifferling wert, eine Zukunft hart umkämpft und trotzdem illusorisch. Eine Vergangenheit macht den Leuten hier zu schaffen, die Flucht davor, eine Reise durch das karge, trostlose, dürr-graue Land im Kreise, von einer Holzstadt (mit 300 Einwohnern) quer durch die Wüste in genau die gleiche, ein Ritt im Kreise. Eine andauernde Misere, die auch beim Blick in die Glücks- und Glaskugel nicht durchbrochen wird, begleitet wird ein Wagenkonvoi mit drei Gespannen, mit einem Führer (Strode), einem Leiter (Stander), vielen Mitgliedern und drei Neuzugängen (Hill, Eastman und Spencer, "ein Nichts mit Schuhgröße 84"). Letztere wirken hier (wie Spencer im Beginn der Trilogie, in Gott vergibt - Django nie!, 1967) schon wie als Zusatz und wie als größeres Cameo, sonnengegerbt, Zehn-Tage-Bart, Gast in ihrem eigenen Film, sie brauchen allesamt Unterstützung und bekommen sie durch die Artisten, die auch gut und gerne ohne sie könnten, aber nun einmal für die Geschichte da sind und als besondere bunte Füllung, zusammengehalten (wird sowieso viel mit Farbe) dienen.
Das mit den Clowns, den Wahrsagern und den Zwergen könnte auch von Dick Spitfire a.ka. Demofilo Fidani sein, es wirkt zuweilen auch auffällig bis störend nahe gerückt an die verschwitzten geschminkten Gesichter. Ein Mord beim dreifachen Salto mit verbundenen Augen wird hier in der Langfassung gezeigt und auch erklärt, vorerst herrscht dennoch gute Miene zum bösen Spiel, wird nicht gleich reagiert, wird erst geplant und abgelenkt; so geht auch der weitere Film vorwärts, ein eigener Strudel, eine isolierte Welt für sich. Hills Figur ist im Grunde wieder der Einzelgänger aus dem Erstling, der 'Django' dort, der gerne seine eigenen Angelegenheiten regeln möchte, aber Hilfe braucht, auch gegen seinen Willen und seine Natur. Strode ist präsenter und aktiver als Brock Peters im Zweitling, dem knallvollen Gaunerstück, welcher einfach nur dazu addiert wurde, weil es gerade passte und weil man einige seiner Fähigkeiten für den finalen Coup brauchte, Strode hat eine eigene Agenda und Persönlichkeit hier. Kalauert, also die 'Comedy' bedient und das Ganze verharmlost wird meist dann, wenn die Darsteller entweder eh aus dem Bilde sind oder ihre Gesichter, also wenn man ihre Lippen nicht sieht, wenn sie nicht reden; zuweilen aber auch, wenn sie miteinander kommunizieren, dann meist über lustig gemeinte Beleidigungen ("Matschauge", "Sabbelsack", usw.), zuweilen auch Wortneuschöpfungen, manchmal mit Erfolg, oft nicht.
Die weiteren Nebenfiguren, um die sich die Geschichte eigentlich dreht - Finch & Sharp - sind relativ uninteressant, sie sind bloßes Alibi, eine Art dramaturgisches Gimmick, sie sind von irgendwann früher, wurden aber bislang nie erwähnt und bekommen auch nur ab und an ihre Szenen; sie könnten durchaus einen eigenen Film aufziehen, aber einen gänzlich anderen, den mit der Goldsuche und der großangelegten Betrügerei und der Belagerung in den Hügeln. So nach einer Hälfte macht die Geschichte zumindest etwas Sinn, hier im Abschluss der Saga ist es auch erstmal Hill, der die Geschichte erklärt, vorher waren es ein weiblicher Nebencharakter und einer vom vierblättrigen Kleeblatt, hier macht es mal ausnahmsweise der Hauptdarsteller. Zwischendurch wird ein armer Geselle direkt mit dem Gesicht voran in einen Glasschrank geohrfeigt, ansonsten sind viele Bewohner schon vorher tot, bei der jährlichen Untersuchung durch den staatlich eingesetzten Kontrollbeamten werden nur Nekrologe vorgelesen, das findet selbst diese 'ekelhaft, und der hat vollkommen recht damit. Beim Showdown ("Ein wichtiges Gesicht allein macht mich noch nicht ängstlich.") wird auf durchaus intelligente Art und Weise buchstäblich die Erkenntnis beim Publikum, bei der Zivilbevölkerung geweckt, mit Ohrfeigen eingebläut, das bildet einen Lynchmob aus, das ruft zum Jericho, zur Gegenwehr, zur Zivilcourage, gegen eine Armee voller Schergen.