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Fünf lange Jahre saß Bill Kiowa (Brett Halsey) unschuldig im Gefängnis. Nun ist er wieder frei, und er verliert keine Zeit, das in die Tat umzusetzen, was er sich während seines Gefängnisaufenthaltes in allen Details ausgemalt hat. Der Teufel namens James Elfego (Tatsuya Nakadai), der ihm das alles eingebrockt hat, soll die Rechnung bezahlen, mit seinem Blut. Da Elfego aber eine kleine Armee von Comancheros um sich geschart hat, rekrutiert Kiowa vier ausgebuffte, mit allen Wassern gewaschene Männer für seinen Rachefeldzug: O'Bannion (Bud Spencer), Jeff Milton (Wayde Preston), Moreno (Jeff Cameron) und Francis 'Colt' Moran (William Berger). Die Zeit der Abrechnung ist gekommen.
Oggi a me... domani a te! ist ein schöner, unspektakulärer Rache-Western, der sein Programm bis zum bitteren Ende routiniert, geradlinig und nicht allzu ernst abspult (das Drehbuch stammt von Tonino Cervi und Dario Argento, die sich offensichtlich vom japanischen Samuraifilm inspirieren ließen). Der Streifen ist ein klassischer Dreiakter, wobei jedem Teil in etwa die gleiche Laufzeit zukommt. Im ersten Akt wird etabliert, worum es geht, und es wird geschildert, wie sich der Protagonist seine Leute zusammen sucht (übrigens eine ebenso nette Abwechslung zum üblichen "Einsamer Wolf"-Szenario wie die Idee, den Bösewicht mit einem glubschäugigen Japaner zu besetzen). Kaum hat Kiowa seine Männer beisammen, erfolgt der Übergang in den zweiten Akt, welcher mit einem routiniert inszenierten Überfall auf eine Wells & Fargo Kutsche beginnt. Im Anschluß werden dem Zuseher die noch fehlenden Plotelemente (Was ist damals genau passiert? Wieso haßt Kiowa Elfego so sehr?) mittels einer Rückblende übermittelt, und es kommt zum ersten Aufeinandertreffen, zu einem ersten Kräftemessen der beiden Parteien. Der dritte und letzte Akt widmet sich dann zur Gänze dem Vollzug der Rache, der schließlich im obligatorischen Duell seinen Höhepunkt findet. Tonino Cervi, ein ins Regiefach gewechselter Produzent, setzt den Film ansprechend aber doch recht bieder und uninspiriert in Szene. Zwar kann er die Zuschauererwartungen problemlos bedienen, der Verzicht auf Überraschungen jedweder Art schmerzt dann aber doch. Der Ablauf des Geschehens ist dermaßen vorhersehbar, daß keine rechte Spannung aufzukommen vermag. Dazu kommt, daß die lediglich grob skizzierten Charaktere beim Zuschauer kaum Interesse erzeugen können. Positiv hervorzuheben ist hingegen die Flashback-Sequenz, die uns Cervi in schönem Schwarzweiß präsentiert. Der Kontrast zu den zwischengeschnittenen Close-Up-Einstellungen von Bill Kiowas verbittertem Gesicht (in Farbe) ist da natürlich besonders groß. Der schräge Sinn für unterschwelligen Humor lädt oftmals zum Schmunzeln ein; als Beispiel hierfür bieten sich die wortlose "Waffenkaufszene" und der Wald voller abstruser Tiergeräusche an (man wähnt sich fast im Dschungel!). Sergio D'Offizis Bildkompositionen nutzen das Format gut aus (Abzüge gibt es aber für den Spaziergänger, der sich auf das Zelluloid verirrt hat!), während Angelo Francesco Lavagninos Score seinen Zweck erfüllt, von den meisterlichen Melodien eines Ennio Morricone jedoch ebenso weit entfernt ist wie der Film selbst von den Meisterwerken eines Sergio Leone. Trotz allem ist Oggi a me... domani a te! nett anzusehen und sorgt für anderthalb Stunden ordentliche Unterhaltung.

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