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Der zweite Weltkrieg liegt in den letzten Zügen. Die Amerikaner stossen auf Würzburg vor, der Widerstand der Wehrmacht ist praktisch gebrochen. In den Wirren dieser Tage werden von der SS auf dem kleinen Bahnhof eines verschlafenens schwäbischen Dorfes drei Güterwagons voller KZ-Häftlinge zurückgelassen...

"Drei Tage im April" erzählt eine wahre Geschichte, die so unglaublich erscheint, daß man sie nur schwerlich für wahr hält. Doch die Ereignisse haben tatsächlich stattgefunden und werden von Regisseur Oliver Storz in unglaublich intensiven Bildern wiedergegeben. Düstere, bedröhliche Klänge wie bei der nächtlichen Ankunft des vom Gewimmer der Sterbenden eingehüllten Totenzuges, scheinbar direkt aus dem Nirgendwo kommend, perfektionieren die unendlich trost- und hoffnungslose Situation kurz vor Kriegsende, in der das pure Chaos, die Angst vor der Rache der Alliierten und pure Verzweifelung vorherrschen. Diese mit ihren hilflosen Kompetenzzuweisungen und unverhüllten Unsittlichkeiten bisweilen fast schon grotesk wirkende Atmosphäre ist für den Zuschauer nicht leicht verdaulich - und erlebt schließlich ihren schockierenden Höhepunkt mit dem jede Verantwortung ablehnenden Beseitigen des Totenzuges. Doch auch zahlreiche andere Szenen wie das Plündern eines von Jabos zerschossenen LKWs oder der rücksichtslos-fanatische Einsatz der Feldpolizei bleiben schwer im Magen liegen...
Für zusätzliche Autenzität sorgen ein- wie ausleitende, mit Kommentar unterlegte Aufnahmen des Schauplatzes knapp 50 Jahre später.
Auch wenn im weiteren meines Wissens nach nicht an Originalschauplätzen gedreht wurden, so muss man "Drei Tage im April" in Sachen Umsetzung dennoch höchste Anerkennung zollen. Realistischer gehts kaum und das freut den Cineasten - auch wenn der schwäbische Dialekt mitunter recht schwer zu verstehen ist.

Bis heute ist das letzte Schicksal des "Geisterzuges" ungeklärt, sind die Ereignisse von den noch verbliebenen Zeitzeugen weitesgehend totgeschwiegen. Der fantastisch gespielte "Drei Tage im April" setzt ein Mahmmal gegen das Vergessen, das jeder auch nur halbwegs historisch Interessierte einmal gesehen haben sollte. Ein eindringliches Meisterwerk!

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