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Kurz vor The Messenger - Der Botschafter des Todes! (1986) gedrehter Actionkrimi von und mit Williamson, und unter der Ägide der gleichen Produktionsfirmen, was beim auch Produzenten Williamson natürlich sein hauseigenes Po' Boy Studio und von italienischer Seite aus Realtà Cinematografica ist. Ähnlich kreativ wie dort  eine Internationalität eher nur vorgetäuscht statt tatsächlich (im finanziellen Aufwand) geliefert, während dort mehr oder minder die Reisetouren vom Hauptdarsteller bebildert worden sind, wird hier gleich in doppelten Sinne das Marketing genutzt und während der Verkaufsveranstaltung auf Cannes nebenher allerlei Szenarien aus der französischen Stadt an der Riviera und so Luxus pur und Traumkulisse par excellence für lau mit abgefilmt. Etwas anders ist die Geschichte, wird dort eine Racheaktion eines ehemaligen Green Beret gegen das Drogenkartell und hier eine Art passive Vorwegnahme des Taken, nämlich die Suche nach einer in Europa verschwundenen jungen Frau und dies nicht aus persönlichen Gründen, sondern als bezahlter Job und Auftrag des Geldes wegen erzählt:

Los Angeles. Nicht wirklich mit seinem Einverständnis, aber nach einigem Prügel und mit zumindest der Aussicht auf Geld wird Privatdetektiv Thomas Fox [ Fred Williamson ] durch den Geschäftsmann J. T. [ Christopher Connelly ] auf seine in Europa verschwundene Nichte Susan [ Donna Owen ] angesetzt; er möge sie doch bitte finden und zurückbringen. Fox macht sich über den Umweg Frankreich auf nach Italien, wo er sie durch Marianna [ Beatrice Palme ] in der Gesellschaft des zwielichtigen Marco [ Maurizio Bonuglia ] findet, die Gesuchte aber wenig willig der Rückreise ist. Eingangs stört Fox das noch nicht, der die Dame eingangs 'einfach so' mitnimmt; als dafür allerdings Marianna entführt wird und Marcos Schergen auftauchen, braucht er nicht nur seine Knarre, sondern auch die Karatekünste von Mariannas homosexuellen Mitbewohner Josie [ Cleo Sebastian ].

Dabei gibt es erstmal gleich mehrfach auf die Mütze, fängt der Tag für den P.I. mit dem Ausbau des Autokassettendecks durch zwei juvenile Tunichtgut und dann noch einer Prügelarie durch eine mehrteilige Schlägertruppe in der heimischen Butze und dies ohne Vorwarnung und ohne Chance auf Verteidigung an. 'Da Fox' geht zu Boden und bleibt dort auch liegen, was man allerdings vom Regisseur und Star nicht behaupten kann, und welcher sich schon 10 Jahre zuvor aufgerappelt hat und 10 Jahre später immer noch aktiv an der eigenen Karriere und dem Schreiben preiswerter Actionfilmgeschichte tätig ist.

Bei der Ankunft in Monte Carlo wird einem ganz schwummrig von dem Wechsel auch Schein und Sein und dem Spiel mit der Kunst, die das Leben imitiert; ist man doch inmitten der Filmfestspiele '85 und zwischen den Ankündigungen zu Invasion USA, Death Wish 3 und Toxic Avenger sich offensichtlich wohlfühlend und weltmännisch bewegend und gleichzeitig als tatsächliche Person und als fiktive Person aus einem preiswerten Videothekenreißer platziert. Ein Mäandern zwischen den Welten, die der mehr oder minder stringenten Plotte um die Suche nach der Vermissten und dem Treffen auf allerlei Gefahren fast abträglich, da aus dem Trivialen herausreißend und andere Ebenen hinzufügen ist. Immerhin: viele Aufnahmen direkt in der Menschenmenge, Jet-Set Deluxe, mit einem Abstecher noch zum Formel 1 Geschehen und einem Lifestyle, auf den James Bond ganz neidisch ist.

Ein ordentlicher Lebemann, dieser Fox, welcher im Grunde eine Weiterführung, nicht Weiterentwicklung der Jesse Crowder - Reihe von Williamson, nur unter anderen Namen halt, ähnlich furchtlos, durchsetzungsfähig, die Zigarre immer im Anschlag und die Mädels gefügig und willig auch habend ist; eine Verlängerung der Persona selber, oder wie er sich sieht und zu meinen glaubt, was auch das Publikum sehen will – wie die kreative Kamera bei einer Fassadenkletterei, die der Nichte halb unter den wehenden Rock kriecht und strategisch ganz unverhohlen aus der Froschperspektive platziert ist; allerdings hat man seinen Hintern auch im Gesicht – und wo ihm die Langlebigkeit der Karriere auch am Zustimmen ist. Ein wenig Zuspruch braucht der Film aber auch, passiert bis zur Minute 50 und der 'Rückführung' von Susan im Grunde nicht viel, und v.a. an Actionszenen nichts, wird sich mal in der Seitengasse geprügelt oder ein Gegner in den Obststand katapultiert. Später beginnt das große Sterben, eine gescheiterte Befreiungsaktion samt Schießerei und kurzen Karateattacken (und Balletteinlagen) in der Villa des lokalen Gangsters, wobei die meisten Gegner dort auch eher älteren Datums und mit ordentlich Plauze und Leibesfülle und deswegen nicht schwer zu treffen sind. Überhaupt läuft man erst kurz vor knapp zu wahren Höhenflügen auf, beim Einmarsch des Kanonenfutters im Showdown in der Lagerhalle wird plötzlich ein äußerst einprägsames elektronisches Riff als Leitmotiv, dann ein zweites als Steigerung und dann vom Helden noch die Pumpgun gezückt, wodurch nicht nur helle Freude beim Zuschauer aufkommt, sondern auch das Auto des fliehenden Bösewichtes vom Boden abgebt und in einen gleißenden Feuerball aufgeht.

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