Wahrhaftige Elogen werden im Web gesungen und manchmal ist man verblüfft, wenn man den Auslöser dann endlich vor sich hat und nicht fassen kann, daß DAS gerade für so viele Leute ein Klassiker sein soll.
So geht es u.a. auch mit "Trilogy of Terror", einem kuriosen kleinen Episodenfilm aus dem Jahr 1975, der sich hauptsächlich dadurch auszeichnet, daß die Hauptdarstellerin Karen Black, die Herrin des B-Silberblicks gleich in jeder Episode präsent ist.
Erschaffen hat dieses kleine Werk Dan Curtis, den die Genrefans sowohl von den Night-Stalker-Filmen kennen oder noch besser von seinem Hauptwerk "Burnt Offerings" aka "Landhaus der toten Seelen", in dem ebenfalls Frau Schwarz gemeinsam mit einer krähenfüßigen Bette Davis und unser aller liebsten Neandertaler Oliver Reed der Teenagerzeit so richtig Zunder gab.
"Trilogy of Terror" wird zumeist gelobt - wenn nicht in den Himmel gehoben - aufgrund seiner dritten und letzten Episode, die recht unspektakulär "Amelia" betitelt wird und in der sich Karen Black mit einem kleinwüchsigen, aber hochagressiven Angreifer andersweltlicher Natur auseinanderzusetzen hat.
Bis es soweit ist, muß der geneigte Zuschauer aber durch mittelprächtige bis eher schwache Niederungen wagen, an Episoden vorbei, die dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind.
In "Julie" etwa, erpreßt ein Collegestudent seine zwar unscheinbare, aber irgendwie doch attraktive Lehrerin, nachdem er sie unter Drogen gesetzt und für Fotos und andere lustige Sachen mißbraucht hat. Damit erpreßt er sich einen flotten Monat mit gefügiger Maitresse, bis es der Holden zu langweilig wird.
Eher züchtig in der Bildwahl braucht "Julie" einfach zu lange, bis sie überhaupt mal in die Pötte kommt und muß sich dann ganz auf die fiese Schlußpointe verlassen, die sicher auch Mitte der 70er nicht mehr ganz neu war. Überhaupt anmerkenswert ist an der Story rückblickend nur, daß sich Mrs.Black hier von ihrem damaligen Ehemann zu unlauteren Sachen zwingen läßt, allerdings wars mit der Ehe zur pünktlichen Ausstrahlung der Anthologie schon wieder vorbei.
Möglicherweise 1975 noch halbwegs neu, heute jedoch arg abgedroschen, weil enorm auffällig inszeniert ist "Millicent und Therese", die die Wohngemeinschaft von bibeltreuem Mäuschen und nymphomaner Schlampe zu neuen Ehren kommen läßt.
Bemerkenswert ist, abgesehen von der totalen Offensichtlichkeit des Clous, eigentlich nur die Wandlungsfähigkeit der Hauptakteurin, die sich überraschend gut in eine steingraue Jungfer älteren Zuschnitts verwandelt, um dann kurz darauf als Minirockvamp die Hormone krachen zu lassen. Ziel ihrer Avancen ist u.a. auch George Gaynes als Psychiater, den wir alle noch von seiner Lebensaufgabe als debiler Kommandant Lassard aller Police-Academy-Filme kennen.
Zum Klassiker alles zerreißender Spannung mutieren dann jedoch angeblich die letzten 25 Minuten von "Amelia", eine von der darstellerischen Leistung her beachtliches Einpersonenstück, in dem die titelgebende Amelia offenbar ganz unter der Fuchtel ihrer leicht manipulativen Mutter steht, wie uns ein längeres Telefonat (das Mrs.Black jedoch akustisch ganz allein bestreiten muß) vermittelt. Zugleich hat sie sich aber endlich einen netten Anthropologen geangelt, den sie eigentlich bekochen will, aber weil ihre Mama den geheiligten Freitagabend unangetastet für sich selbst lassen will, sagt sie schweren Herzens ab - bzw. er gleich mit.
Dreh- und Angelpunkt wird Amelias Geschenk für ihn, eine unterarmlange Zuni-Krieger-Puppe samt Info-Schriftrolle, die gleich ankündigt, daß der Geist des Kriegers in die Puppe fahren wird, sobald man ein gewisses Goldkettchen um den Bauch entfernt. Das plumpst dann auch als bald zu Tische und die Muppetshow nimmt Fahrt auf.
Ja, es stimmt: die Idee und die Umsetzung sind arg horribel. Eine Frau, ohne Kontakt zur Außenwelt, eingeschlossen sieht sich den Angriffen einer erst speer- dann messerschwingenden Holzpuppe mit riesigen Fangzähnen ausgesetzt, die im blutrünstigsten WackaWackaWacka-Rausch (die Tonspur ist der Hammer!!!) keine Gefangenen macht. Obwohl der kleine Pisser bequem in einen Koffer paßt (wo er zwischendurch auch landet), ist er so agil, daß sie ihn einfach nicht los wird, selbst als sie mehrfach Gelegenheit dazu hat. Gefilmt mit knackigen POV-Shots des Zuni und ergänzt durch eine wunderbare Kreischorgie hat die Folge (bis es soweit ist, muß man jedoch durch 10 Minuten Monolog) vermutlich amerikaweit für volle Hosen gesorgt und ich kann nicht umhin, trotz der akuten Lächerlichkeit der Akustik und der unvermeidlichen Blödheit der Protagonistin, zwischendurch das absolut Falsche zu tun, den Terror-Aspekt dieser Sequenz zu loben, die keine Pause zuläßt. Etwaige technische Mängel werden dadurch kaschiert, daß die Puppenspieler den Angreifer einfach wie wild herumwirbeln (die Zähne sind groß genug, um ihn trotzdem fokussieren zu können) oder notfalls werfen wir das Vieh einfach der Darstellerin ins Gesicht, das macht viel Freude und "Kreisch".
Sei es wie es ist, so genial einfach die Episode abläuft, so albern ist sie auch rückblickend, allerdings endlich mit dem sardonischen Humor angefüllt, der den beiden ersten Episoden leider trotz interessantem Grundmaterial total abgeht.
Und unser kleiner Zuni ist die absolute Wucht in Tüten, eine Mischung aus Bugs Bunnys "tasmanischem Teufel"und dem Schlagzeug-"Animal" aus Jim Hensons Muppet-Erfolgsshow, zumindest was den Bewegungsradius angeht.
Heißt effektiv: wenn schon gucken, dann am besten gleich nur die dritte Episode, die wirklich Spaß macht, der Rest ist sub par und auch der entscheidende Grund für eine Durchschnittswertung für den ganzen TV-Film, der aufgrund der Leistung seiner oft unterschätzten Hauptdarstellerin schon seine Daseinsberechtigung besitzt. 4+5+8:3 = 6/10!
WackaWackaWacka...