Review

Bei Dan Curtis' hierzulande leider bis dato unveröffentlichten Trilogy of Terror handelt es sich um einen fürs Fernsehen produzierten Episodenhorrorfilm aus dem Jahre 1975. (*) Da die einzelnen Geschichten völlig eigenständig sind und inhaltlich nichts miteinander zu tun haben (selbst auf eine Rahmenhandlung hat man hier verzichtet), bespreche ich im Anschluß jede Episode getrennt.

Zuvor möchte ich allerdings noch ein paar Worte zur umwerfenden Karen Black verlieren. Die am ersten Juli 1939 in Illinois geborene Aktrice spielt in allen drei Geschichten die Hauptrolle, weshalb man Trilogy of Terror guten Gewissens auch als Karen Black-Festspiele bezeichnen kann. Die vielseitige Charakterdarstellerin, die man u. a. in solch unterschiedlichen Filmen wie Easy Rider, Airport 1975 (Airport '75 - Giganten am Himmel), The Day of the Locust (Der Tag der Heuschrecke), Burnt Offerings (Landhaus der toten Seelen), Alfred Hitchcocks Alterswerk Family Plot (Familiengrab), Larry Cohens It's Alive III: Island of the Alive (Die Wiege des Schreckens) und Rob Zombies House of 1000 Corpses (Das Haus der 1000 Leichen) bewundern kann, darf hier zeigen, was sie so drauf hat, überzeugt sie doch als verklemmte Lehrerin ebenso wie als nuttige Blondine, terrorisierte Hausfrau, alte Jungfer oder dämonische Mörderin. Karen Black mag keine klassische Schönheit sein, aber dieses vermeintliche Defizit macht sie mit ihren faszinierenden Gesichtszügen, den grünen, durchdringenden Augen und Unmengen an Charisma mehr als wett. Als Karen Black-Fan ist Trilogy of Terror natürlich absolutes Pflichtprogramm. Doch nun zu den einzelnen Geschichten.

# 1: Julie. Chad Foster (Robert Burton, Karen Blacks Ehemann zu der Zeit), ein junger, selbstbewußter Student, möchte seiner zurückgezogen lebenden, zugeknöpften Lehrerin Julie Eldrich (Karen Black) an die Wäsche gehen. Sein perfider Plan scheint zu funktionieren, doch beißt der Heißsporn mehr ab, als er schlucken kann... Die Vorlage stammt, wie bei allen drei Episoden, von Richard Matheson. William F. Nolan hat Mathesons Short Story adaptiert, und das Ergebnis ist eine angenehm ruhige, von Paul Lohmann schön photographierte Geschichte, die so konsequent wie unspektakulär auf das "überraschende" Ende zusteuert. Dank Karen Blacks Spiel funktioniert die Pointe, obwohl sie wohl niemanden vom Hocker reißen wird. Julie ist ein gelungener, routiniert inszenierter Einstand, der Lust auf mehr macht. Im Drive-In, das Julie und Chad besuchen, läuft übrigens The Night Stalker, ein weiterer Film von Dan Curtis.

# 2: Millicent and Therese. Das Verhältnis zwischen den ungleichen Schwestern Millicent und Therese Larimore (beide gespielt von Karen Black) ist seit frühester Kindheit gespannt. Dr. Ramsey (George Gaynes) bemüht sich seit Jahren, die Wogen zwischen den beiden zu glätten, und wie es scheint, mit Erfolg. Doch als Therese eines Tages zu weit geht, setzt Millicent einen radikalen Schritt... Der schwächste Beitrag dieser Anthologie. Millicent and Therese plätschert spannungslos und uninspiriert dahin, verbreitet gepflegte Langeweile und schafft es leider zu keiner Sekunde, den Zuschauer ins Geschehen zu ziehen. Die Auflösung ist zudem so vorhersehbar, daß selbst Karen Black hier nicht mehr viel rausreißen kann. Interessant ist jedoch das sexuelle Element, das unter der Oberfläche brodelt, was für einen amerikanischen TV-Film der Siebziger mehr als gewagt ist.

# 3: Amelia. Es ist ein etwas ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk, welches sich Amelia (Karen Black) für ihren neuen Freund, einen Anthropologen, ausgesucht hat: eine kleine, furchteinflößende Zunipuppe aus Afrika, wenig charmant auch "He Who Kills" genannt. Als sich die goldene Kette, die den bösen Geist im Inneren bannt, löst, erwacht die Puppe zu teuflischem Leben, bewaffnet sich mit einem Messer und hetzt Amelia durch ihr Appartement... Der kleine aber feine Geniestreich namens Amelia ist verantwortlich dafür, daß Trilogy of Terror in Fankreisen Kultstatus genießt. Und nicht nur das: auch die afrikanische Kriegerpuppe, die sogenannte Zuni Fetish Doll, hat sich im Laufe der Zeit zu einem wahren Kultobjekt gemausert. Und das völlig zurecht, wie ich meine. Vergeßt Chucky, Stuart Gordons Dolls und Andre Toulons Puppenbrigade, die Zuni Fetish Doll ist das Nonplusultra des Puppenterrors! Wer das häßliche, schwarzbehaarte, spitzbezahnte, mordlustige Ding einmal in Aktion erlebt hat, weiß, wovon ich spreche. Wie ein tasmanischer Teufel wütet der rabiate Warrior durch die Wohnung und stößt dabei dermaßen irrwitzige Kampfschreie aus, daß das Blut einerseits vor Schreck in den Adern zu gefrieren droht, andererseits ein hysterischen Lachen tief im Rachen zu kitzeln beginnt.

Amelia
basiert auf Richard Mathesons Kurzgeschichte Prey und wurde - im Gegensatz zu den anderen Episoden - auch von ihm selbst fürs TV adaptiert, unter Mithilfe von Karen Black, die der Geschichte eine interessante Note, nämlich das Verhältnis zwischen Amelia und ihrer Mutter, hinzufügte. Der knackige, kammerspielartige Stoff ist wie geschaffen für das Kurzfilmformat und wurde von Dan Curtis annähernd perfekt umgesetzt. Die Art und Weise, wie die an und für sich steife Puppe zum unseligen Leben erweckt wurde, ist bemerkenswert. Die Kamera fegt oft in Bodennähe über den Flur, den Point of View der Puppe simulierend, während der kleine Racker manchmal auch mit Irrsinnsgeschwindigkeit vor der Linse vorbeihuscht, daß selbst Usain Bolt die Spucke wegbleiben würde. In Kombination mit dem präzisen Schnitt entsteht dann der Eindruck, als würde die Puppe wie ein wahrhaftiger, kaum zu bändigender Derwisch in wahnwitziger Raserei herumtoben. Genial. Einfach nur genial. Und das Ende setzt dem ganzen noch die sprichwörtliche Krone auf!

Dan Curtis (1927 - 2006) hat mit der von 1966 bis 1971 laufenden Vampir-Soap Dark Shadows bereits TV-Geschichte geschrieben. Mit Trilogy of Terror ist ihm dies erneut gelungen, mit tatkräftiger Unterstützung von Karen Black und der unvergeßlichen Zuni Fetish Doll.

(*) Nicht irritieren lassen! Der bei CIC Video auf VHS als Trilogy of Terror erschienene Film heißt in Wirklichkeit Trilogy of Terror II und wurde 21 Jahre später, also 1996, gedreht. Regie führte wiederum Dan Curtis.

Details
Ähnliche Filme