"Überraschenderweise" ist Robert Rodriguez mir immer dann positiv aufgefallen, wenn er eng mit Quentin Taratino zusammengearbeitet hat. Das war beispielsweise in "From dusk till dawn" oder "Sin city" der Fall. Unterirdisch fand ich seine Arbeit, die die "Spy kids"-Trilogie hervorbrachte, allen voran "Mission 3-D". Dann gab es da noch 1998 "The faculty". Kevin Williamson, der schon die Story für die Scream-Reihe geschrieben hat, war für das Drehbuch zuständig. Nun ist Robert Rodriguez jemand, der selber gerne am Drehbuch Hand anlegt und daher kursiert das Gerücht, dass Rodriguez den Film nur aus vertraglichen Gründen mit Miramax verfilmt hat, nicht, weil er leidenschaftlich von ihm überzeugt war. Aber ich bin kein großer Fan von Gerüchten.
Ungefähr 15 Millionen Euro standen ihm jedenfalls ebenso zur Verfügung wie eine fabulöse Besetzung: Elijah Wood, Salma Hayek, Josh Hartnett, Robert Patrick (Terminator 2 Bösewicht T-1000) und Usher fallen mir da spontan ein. Das liest sich doch ganz gut. Wollen wir mal schauen, was Rodriguez daraus gemacht hat.
Wir betrachten eine Kleinstadt in Ohio. An der hiesigen Highschool spielen sich bizarre Dinge ab. Der Footballcoach ist noch aggressiver als sonst, die Rektorin verschwindet, eine neue Spezies wird entdeckt. Casey Connor (Elijah Wood), der kleine Schulstreber, geht der Sache zusammen mit der Cheerleaderin Delilah Proffitt (Jordana Brewster) auf die Spur. Bald stellt sich heraus, dass ein Alienparasit die Schule nach und nach infiziert. Die Lehrerschaft (Faculty) und die Schüler dienen als Wirte für den wohlklingenden Plan, die Welt zu erobern. Kann Casey die Aliens mit seinen wenigen verbliebenen Freunden stoppen?
Dass euch die Story bekannt vorkommt, könnte eventuell daran liegen, dass es sie schlichtweg schon eine Million Mal zuvor in nahezu identischer Form gegeben hat. Ich denke nicht, dass Kevin Williamson viel Zeit mit dem Drehbuch verbracht hat. Wir haben die üblichen clicheegetränkten Charaktere: Den Streber (Casey), die heiße Cheerleaderin (Delilah), den tollen Sportler Stan (Shawn Hatosy), die Gothik-Lesben-Zicke (Clea DuVall), die schüchterne neue an der Schule, Marybeth (Laura Harris), den Drogendealer Zeke (Josh Hartnett) und und und. Die Liste könnte weitergeführt werden, aber irgendwann muss Schluss sein. Nun könnte der ein oder andere behaupten, der Film sei lediglich eine Parodie und legitimiere so die extreme Clicheebehaftung. Der Großteil derer, die den Film gesehen haben, werden mir wahrscheinlich zustimmen, dass das Satireargument nur eine Ausrede sein kann. Zu lahm und ausgelutscht ist der Humor, zu wenig Neues fällt den Beteiligten ein. Lieber bedient man sich an Streifen, die sich bereits etabliert haben. Beispielsweise an "Terminator 2": Robert Patrick, der dort bekanntermaßen den Bösewicht spielt, ist auch hier mit ähnlichem Blick und ähnlicher Rolle zugegen. Zusätzlich gab man dem Helden des Films den Namen Connor und setzte all dem noch einen Hut auf: Der Biolehrer heißt tatsächlich Edward Furlong - wie Edward Furlong, der den rebellierenden Connorsohn aus Terminator 2 verkörpert. Hübsche und erquickende Anspielungen, das erkenne ich an. Aber bei "Das Ding aus einer anderen Welt" wird es zu weit getrieben. Man darf gerne mal eine Szene eines Klassikers kopieren oder meinetwegen nennt es parodieren. Die ganze Geschichte klingt ja schon nach "The thing", aber dann auch noch Szenen kopieren, ts ts ts. (Abgetrenntem Kopf wachsen Füße, herausfinden, wer infiziert ist...).
Am schlimmsten - und ihr merkt, ich zähle soeben auf, was mir ganz und gar nicht gefallen hat - war der Schluss. SPOILER Der offizielle Loser der Schule kriegt das Cheerleadermädchen, die ehemalige Gothiklesbe den Topsportler, nachdem sie drei Sätze mit ihm gesprochen hat. SPOILER ENDE Das hat mich beinahe aus der Haut fahren lassen und einen ganz üblen Beigeschmack hinterlassen.
Genug kritisiert, der Film ist nicht schlecht, wenige dürften sich aber wundern, dass er keine einzige Auszeichnung erhalten hat. Spannung darf man ihm zugestehen, fast durchweg, großes Lob an dieser Stelle. Die schauspielerischen Leistungen, und das darf man bei dieser großzügigen Besetzung nun wirklich erwarten, ist herausragend, wirkt nicht absolut laienhaft wie in vielen Filmen dieser Art.
Schließlich noch ein Wort zur Gewalt. "The Faculty" ist ab 16 und so kann man erahnen, dass die Gewalt nicht ausufernd ist. Das kann ich im Nachhinein so unterschreiben. Nachdem ich aber den ein oder anderen Horrorfilm von Rodriguez kenne, glaube ich eher, dass das eine Miramax-Vorgabe war, als dass Rodriguez es aus Überzeugung so gehalten hat. Langsam kommt der Verdacht in mir auf, dass "The Faculty" ein reines Kommerzprodukt werden sollte. Trotzdem ist er gefloppt. Trotzdem wird er auf der ofdb sehr gut bewertet. Oh, ich war doch bei der Gewalt: Sie hält sich in einem annehmbaren Rahmen, rechtfertigt die "ab 16" Freigabe und irgendwie, ich weiß nicht warum, war es erfrischend, mal wieder einen harmloseren Horrorfilm anzuschauen, nach all den "Saw 3"s und "Hills have eyes 2"s und wie sie alle heißen. Gewaltszenen sind also wohl dosiert und überspannen nicht den Bogen.
Fazit: Ein stark besetzter Film von Robert Rodriguez, der zugegebenermaßen spannend und gut umgesetzt ist. Dafür ist das Drehbuch ein Debakel ohne jegliche Innovationen oder Humor. Vielmehr ist alles schon einmal dagewesen. Daher nur 6 Punkte und Unvertändnis über die hohen Bewertungen hier von meiner Seite. Euer
Don