Als der Film 1999 erschien, dachten viele, "nicht noch ein Teeniefilm" der Kategorie "American Pie". Natürlich handelt es sich bei "Eiskalte Engel" nicht um den üblichen Teeniestreifen. Allerdings kann man das auf den ersten Blick schon vermuten, denn im Großen und Ganzen geht es um das Thema Sex. Außerdem gehen hier auch junge Schauspieler zu Werke.
Bei näherem Betrachten merkt man aber, dass man es hier mit einer Mischung aus Liebe und Romantik, Thriller und auch Drama zu tun hat. Gewisse Teenie-Elemente sind sogar auch vertreten.
Die Story handelt von Stiefgeschwistern, die eine Wette abschließen. Kathryn behauptet, dass ihr Stiefbruder es nicht schafft, Annette, die Tochter des neuen Schuldirektors, ins Bett zu kriegen. Eigentlich kein Problem für Sebastian, wenn er sich nicht unsterblich in sein Opfer verlieben würde.
Die Handlung ist sehr unterhaltsam, auch wenn es für die meisten abzusehen ist, dass es zwischen Annette und Sebastian funken wird. Interessant ist an dem ganzen Film, wie einige Charaktere sich vollkommen ändern und andere widerum nicht. So bleibt Kathryn die ganze Zeit ein intregantes Biest, das nur an ihrem Ruf und ihrem persönlichen Nutzen interessiert ist. Sie führt sich schon fast wie eine Königin auf und spielt gerne mit den Männern. Dominanz und Arroganz sind wohl die am stärksten ausgeprägten Eigenschaften an ihr. Etwas eingebildet ist die gute Kathryn außerdem auch noch.
Sie und ihr Stiefbruder sind ein gutes Team. Sebastian besitzt im Prinzip die gleichen Charakterzüge. Nebenbei hat er noch ein schönes Hobbys. Seine Eroberungen sammelt er wie Briefmarken und hält sie fleißig im Tagebuch zur Erinnerung fest. Nach außen hin gibt er sich wie ein Unschuldslamm und ist der Liebling aller Mütter und Omis. Ja ja, die beiden sind schon ein starkes Stück. Doch dann verändert sich Sebastian allmählich, denn er sieht in Annette nicht mehr nur eine Eroberung, sondern die große Liebe, welche sein Herz völlig umkrempelt. Durch diese Charakterumwälzung, hat der Film eben auch einen tieferen Sinn. Ich würde ihn mal als "Liebe öffnet einem die Augen" oder "Menschen verändern sich doch" interpretieren, obwohl ich natürlich sagen möchte, dass das auch Ansichtssache ist. Jedenfalls wurde hier nicht planlos an das Thema herangegangen.
Das dramatische Ende stellt nochmal eine Krönung des ganzen Filmes dar. So endet die Intrige der eifersüchtigen Stiefschwester für jemanden tödlich. Einerseits ist das tragisch, aber anderseits hätte das Ende besser nicht sein können, weil es auch mal was anderes ist. Den Schlusspunkt setzt die Szene in der Kirche, welche ich fast schon meisterhaft finde. Dazu der Titel "Bitter Sweet Symphony" von "The Verve" als musikalische Unterstützung, bei dem ich eine Gänsehaut kriege. Großartig dieser Schluss! Das beste des Filmes!
Ein großes Kompliment an das Schauspiel-Trio Sarah Michelle Gellar, Ryan Phillippe und Reese Witherspoon, die hier eine erstklassige Vorstellung bieten. Jeder bringt die Eigenschaften seines Charakters perfekt rüber. Sarah Michelle Gellar zeigt allein schon mit ihrem verführerischen aber auch dominaten Gesichtsausdruck, dass sie mehr kann, als nur Vampire zu jagen. Reese Witherspoon spielt eine sehr emotionale Person, die viel Wert auf Zärtlichkeit und Gefühle legt. Und Ryan Phillippe verkörpert zum Beispiel mal den Romantiker oder den scheinheiligen Sonnenschein.
"Eiskalte Engel" unterhält größtenteils auf den Gebieten Liebe und Charakterdarstellung, ohne dabei zu schnulzig zu wirken. Der Film bietet mal ein etwas unüblicheres Ende und wartet außerdem mit jungen talentierten Schauspielern, sowie guter musikalischer Untermalung von zum Beispiel "Fat Boy Slim" oder "Placebo" auf. Empfehlenswert! (8+/10 Punkten)