Teenager vs. Literarische Klassiker, auch eine Filmform, die wir uns vor fünfzehn Jahren so noch nicht hätten vorstellen können. Aber wenn man das richtig anpackt, funktioniert es. Und hier wurde alles richtiggemacht.
Da nahm man sich erst mal einen schön perfiden Klassiker wie "Gefährliche Liebschaften", in dem es vor Indiskretionen, Hinterhältigkeiten, Eifersucht, Intrigen, Verführungen und Entjungferungen nur so wimmelt. Gibt es so was auch an Schulen? Klar, in leichterer Form!
Also aufpeppen: reiche, gelangweilte, manipulative Kids, tolle Ausstattung, schnelle Wagen, tolles Ambiente.
Jeder mit eigenem Psychiater, aber nie im Bild, wenn sie gerade in der Schule sind oder Hausaufgaben machen. Dann lieber den nächsten Fick planen. I was a teenage Denver-Clan, Spelling hat es uns allen vorgelebt.
Und so fliegen uns die Bilder nur so um Ohren, da ist alles stylish und erlesen. Wer jetzt nach dem Inhalt hascht, der wird überrascht.
Da wurde die Storyline fast eins zu eins übernommen, sogar die Namen ähneln sich oder sind gleich geblieben.
Intrigen und Boshaftigkeiten, Hintergründiges und Bissiges, alles wurde wie im klassischen Fall zusammengemischt, nur auf die 90er Jahre aufgepeppt, ein wenig herber, ein wenig gewagter, ein wenig deutlicher. Wir wissen ja, was gemeint ist.
Für den Schlager fehlt jetzt noch die Besetzung und die muß ebenfalls trendy rüberkommen. Aufstrebende Teenstars, wohin man blickt. Reese Witherspoon und Ryan Philippe (der alles ein wenig zu gefönt und bemüht rüberkommt) fanden sich so zum Anbeißen, daß sie inzwischen verheiratet und Eltern sind. Sarah Michelle Gellar gibt ein hinreißend verdorbenes Biest und Selma Blair chargiert als allmählich aufgegeiltes Blödchen wunderbar quer durch den Film. Joshua Jackson nimmt dann noch ein schwule Auszeit von Dawsons Creek und Louise Fletcher und Christine Baranski schmeißen locker ihre Bit-Parts.
Übergossen wird das alles mit reichlich Drive und einem hypermodernen Soundtrack der denkwürdigen Art, der jede der Szenen aufs Treffenste intoniert. Placebo, Blur, Counting Crows, Cardigans, The Verve, Fatboy Slim, Skunk Anansie - die Hits reißen nicht ab und wer begeistert mitgeht, dem gefällt der Film gleich noch mal so gut.
Das macht den Film natürlich noch lange nicht zum wertvollen Klassiker und zu keiner ernsthaften Auseinandersetzung mit klassischer Literatur. Das ist mit vollster Berechnung konstruiert worden, eine geschickt gemachte Hochglanzverpackung, um einer recht jugendlichen Altergruppe zu gefallen. Das hat auch nichts mit Realität zu tun, denn was hier als Upperclass-Teens of the Town präsentiert wird, ist dermaßen over the top, daß nur noch ein gepflegtes Ho-ho-ho helfen kann. Aber man kann sich unterhalten lassen von diesem Kunstprodukt und das sogar ganz hervorragend. Darum laßt alle Hoffnung fahren und gönnt euch den totalen Verfremdungseffekt, den er ist witzig, pointiert und böse. Und genau diese Mischung schalte ich gerne ein. (8/10)