Review

Generell bin ich von den 1970ern ja so einiges an Absurditäten cineastischer Natur gewöhnt.

Aber Filme wie „Arnold“ legen noch mal eine Schippe drauf.

Dieser 1973 gedrehte Auswuchs, der sich an TV-Krimikomödien und Mysteryhorror hängt, beeindruckt schon bei den ersten Bildern mit einer ungewohnt künstlichen Atmosphäre, denn alles findet in und um das Herrenhaus von Lord Arnold Dwellyn statt. Nur stehen dieses Herrenhaus, der angrenzende Friedhof und die nahe Kirche allesamt auf einer Soundstage im Studio und so wallen beständig grüne Nebelschwaden über die offensichtlichen Studiokulissen, in denen „comic relief“ Constable Bernard Fox seine Schwadronierrunden per Fahrrad dreht und versucht, Witze zu produzieren, während er seinen Akzent präsentiert.

In den ersten Szenen ehelicht der Lord seine neueste Liebschaft, die zarte Karen (Stella Stevens ist immer einen Blick wert), mit der kleinen ungewöhnlichen Einschränkung, dass der Bräutigam während der Zeremonie bereits tot ist und der Trauung aufgebahrt beiwohnt.

Das Problem des Ja-Sagens ergibt sich nicht, während im Hintergrund ein mieser TV-Chor das musicalhafte Titellied jodelt, kommt Arnolds Stimme von einer Tonbandkassette, die der Verblichene vorsorglich aufgenommen hat.

Und nicht nur die, wie die sofort an die Trauung angrenzende Testamentsverlesung beweist, denn das nächste Tape gibt bekannt, dass anstelle der anwesenden gierigen Verwandtschaft die gute Karen den ganzen Zaster erben soll. Mit einem kleinen „ja, aber…“, denn die Schöne wird nur dann enorm reich und wohlhabend bleiben, solange sie den Leichnam ihres Gatten – inzwischen längst ausgestopft – immer mit sich führt und bei sich hat.

In der Nacherzählung klingt das übrigens origineller als es im Film ausgeführt ist, aber die Enthüllung macht so ziemlich niemanden froh und auch Karen ist auch mehr so semi-begeistert. Die Einzige, die das alles nicht stört, ist Tante Hester, die von der großen Elsa Lanchester mit dem gleichen-absurd-dementen Aplomb gespielt wird, den sie sich dann für „Eine Leiche zum Dessert“ bewahrte, wo sie ihre greise Pflegerin im Rollstuhl durch die Gegend schiebt. Parallel dazu schäumt Shani Wallis, Roddy McDowall und Farley Granger der Sud, denn jeder hat darauf spekuliert, den großen Reibach zu machen.

Erfahrungsgemäß geht in einer solchen Situation dann der große Meuchler um und tatsächlich kommt es in der Folge zu einigen kuriosen Todesfällen, die mit der Ankunft weiterer Tonbänder einher gehen, die dann auf dem Sarg liegen, so dass man dabei sein kann, wie der Tote das Ableben der Familiengeier im Vorfeld schon vorahnend gut vorbereitet hat.

Das wäre lustiger, wenn es nicht so abgegriffen wäre, dass man es mit zahlreichen Inserts füllen müsste, in denen der herumradelnde Bernard Fox mit den Totengräbern ständig das bisherige Geschehen noch mal durchdiskutieren muss, so dass man ihn schon fast zwangsläufig für den finalen Täter hält (er ist es nicht!).

Leider halten die komischen Ansätze nicht lange, stattdessen verlässt man sich auf grell überzogenes Spiel (was McDowall ja nie schwer gefallen ist, der entweder grosekt übertrieb oder betont "weiblich" spielte) und einige gelungene Gags, was dem Ganzen das Flair eines gut besetzten TV-Specials gibt (tatsächlich war der Film von Bing Crosby Productions, eine bemerkenswerte Wahl, wenn man Crosbys Oeuvre kennt).

Nachdem jeder der Darsteller dann sein „set piece“ hatte, senkt sich der Vorhang auch wieder über den bemüht schwarzen Jokes und schließt eine sehr „künstliche“ Kuriosität ab, die noch sehr nach 60’s-Humor schmeckte. Man benötigt ein wenig Geduld, um diese Kuriosität wirklich genießen zu können und vieles ist mir im Hüftbereich zu behäbig, was Corman bei Poe noch mit Augenzwinkern vor die Kamera brachte, aber ist schon grandios, was US-Network in den 70ern meinten dem Publikum präsentieren zu dürfen (4/10)









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