Ein erstaunlich negativer Fall für den kriminalistisch agilen Pfarrer Braun, der sein viertes filmisches Abenteuer fast von Beginn an mit einem Nebel aus Mysteriösen, Intriganten und sonst wie wenig Mutmachenden umgibt. Weiterhin geschrieben von Autor Wolfgang Limmer, der sich um festes Personenkonzentrat mit neuen Besonderheiten bemüht, muss der Geistliche hier gleich mehrere Schicksalsschläge und genauso viel Drohungen stellen und so der tatsächlichen Kraft seines Gottes auch im Angesicht von schlechten und nicht nur guten Tagen beweisen. Eine spezielle Episode in seinem Leben und auch eine spezielle Episode der andauernden Fernsehserie, dessen Seltsamkeit und 'Schlechtigkeit' in gleich mehreren Belangen auch bei den zahlreichen Wiederholungen mit am einprägsamsten von allen gut zwei Dutzend Folgen umgibt:
Bei der Eröffnung eines Sarkophages in der Krypta der Bangeroder Stiftskirche stürzt Pfarrer braun [ Ottfried Fischer ] in denselben und verletzt sich dabei am Fuß, worauf ihm der Arzt Dr. Gero von Boest [ Wolf Roth ] viel vorsichtige Bewegung zur Stabilisierung und eine strenge Diät verschreibt. Nach der Störung der Totenruhe hat der im Pfarrhaus des evangelischen Pastor Karl Jochen Happe [ Markus Knüfken ] und dessen Diakonin und Lebensgefährtin Valeska [ Cosma Shiva Hagen ] lebende Katholik allerdings ganz andere Sorgen, wähnt er sich doch von einem Fluch verfolgt und sucht insgeheim und unbewusst Schutz bei dem atheistischen und lebensfreudigen Restaurator Manuel Castelnuovo [ Hannes Jaenicke ], der ihn zudem mit reichlich Essen versorgt. Kurz darauf verenden doch sowohl der schwerenötige Restaurator als auch dessen Hund, was den Pfarrer menschlich mitgenommen auf die nächste Detektiverei führt. Verdächtig sind vor allem der Kollege des Toten, der auf den Erfolg eifersüchtige Aribert Schwenk [ Udo Schenk ], hat aber auch von Boests geschiedene Frau Friederike [ Katja Flint ] etwas zu verbergen und gingen bei der Krypta sowieso sämtliche Frauen des Dorfes, darunter auch Valeska mitten in der Nacht ein und aus.
Dabei wird dem Harz hier weniger die Pracht der Natur und die Folklore samt ihren touristischen Anziehungskräften wie noch zuvor in der „Ein verhexter Fall“ beschieden; vielmehr ist hier alles etwas duster und verkommen, staubig und von unsichtbaren, aber auf jeden Fall spürbaren Gefahren und Geheimnissen umgeben. Verwittert ist der Ort der Krypta, dunkel die Gänge hinab und nebulös die Machenschaften der Menschen im Dorf, bei denen die Liebe und der Hass gleich nebeneinander und oftmals direkt aufeinanderfolgend sitzt. Erstaunlich viele Todsünden werden hier direkt mit den Füssen getreten und missachtet, bspw. die der Völlerei, des Hochmutes, des Zornes, des Neides, der Wollust, und dies auch auf erstaunlich viele Personen verteilt, wobei gar Sympathieträger aus dem Vorgänger Ein Verhexter Fall nunmehr betroffen und darum auch schwer verdächtig sind. Ehe, Liebe, Familie ist hier Alles nichts wert.
Zum Glück ist der Braun getreu seines Gelübdes wenigstens bei den Amourösitäten, den Animositäten, den Eifersüchteleien und den Observationen außen vor, muss er sich nicht mit den Abenteuern von Mann und Frau und dem bösen Ende oftmals abgeben, sondern nur den Beobachter und so als fast Einziger der Herren der Schöpfung auch nicht das Nachsehen spielen. Die mangelnde körperliche und seelische Zuneigung wird bei ihm, dem in die Höhe geschossenen, aber auch in die Breite gegangenen mit der Lust des Essens kompensiert. Normalerweise zumindest, steht hierbei doch eine Diät, dann noch ein Fluch, dann noch eine Viruslast wahlweise aus Ägypten oder je nach Lesart gar noch aus der DDR an, dazu weiterhin die Konkurrenz mit dem lutheranischen Pastor, der Streik der Haushälterin, ein verletzter Fuß und bald auch noch ein angeschlagenes Immunsystem und letztlich gar ein zu Herzen gehender Tod in der Bekanntschaft als qualvolle Karmaprobe an.
So kommt doch Einiges auf den Amateurdetektiv zu, viele kleine Schläge, die man ertragen muss und doch nicht in das Zweifeln gerät. Die Dramaturgie ist geschrieben ausnahmsweise von fast dem Beginn an fokussiert, das Schauspiel zwar weiterhin behäbig bis karikaturistisch bis irgendwie steif oder ganz einfach nur schlecht, dafür die Besetzung vom Namen her so allerhand und erstmal mir richtig dem Zuschauer vor der Glotze tatsächlich bekannt. Die Flint und der Jaenicke, der hier den Casanova vom Harz, den Möchtegern-Italiener, den Kumpel von Allen und den Schwerenöter vom Dienst spielt, dabei hemmungslos, aber getreu den verfassten Texten chargiert und irgendwie eher unangenehm, verschwitzt, sich tatsächlich kränklich und voll Unwohlsein fast juckend in die Rolle begibt.
Dafür ist hier Ottfried Fischer mehr vom Leben besetzt, wandert die Ortschaft mehr bergauf als bergab, bekommt die Falten der Sorge und der Angst und gar die der Traurigkeit um einen überraschenden und in die Seele gehenden Tod doch mal überzeugend hin. Gratulieren kann man da nur, ist das doch tatsächlich ein Gewinn, auch wenn der Rest der Handlung nur auf seine eben spezielle Art und Weise verschroben, nieder bis schmierig und durch sein vieles Minus letztlich nur irgendwie doch Plus ist. Spätheidnische Verschwörungen, schandbare Verwünschungen, heimliche und offene Streitereien, Stasi-Machenschaften der Abteilung „Horch & Kuck“, übergebliebene Politikseilschaften inkl. Gift- und Militärforschung, dazu die Dummheit des Kommissar, die schon schmerzt. „Die Zeit ist aus den Fugen; Fluch der Pein."