Es ist schon etwas merkwürdig, dass es Bud Spencer nach den erfolgreichen Western mit Terence Hill bereits in den frühen 70er als Alleinunterhalter versuchte. Bis auf einige Ausnahmen waren die Solo-Spätwerke ja nicht gerade das Gelbe vom Ei und auch der hier ist allenfalls für Fans des Dicken zu empfehlen. Wobei die hier begutachtete Version gegenüber dem Original erheblich Federn lassen musste und zudem einige lustige Passagen eingefügt wurden. Das nannte man zwar offiziell mal ausnahmsweise nicht „Comedy-Version", wird aber dem harten Kern der Spencer-Fraktion nicht gefallen...
So bescheuert der Filmtitel auch ist - und schaut bloß nicht auf die weiteren Alternativtitel, ist echt nicht lustig -, so richtig treffend scheint „Der Dicke in Mexiko" auch nicht zu sein. Sicher, Bud war schon damals der Dicke, aber mit Mexiko im Titel als Pfund zu wuchern, so ganz ohne Sombreros, Bohnenessen oder der typischen Musik ist diese Location gut versteckt worden.
Kommen wir erst mal zu den ärgerlichen Punkten. Ich will nicht die neue Sprachversion als solche brandmarken, vielmehr geht es um die Stimme von Bud Spencer in Gestalt des Ganoven Hiram Coburn. Blöd genug, wenn der vertraute Ton fehlt, aber dass die bekannte Stimme auch noch einem direkten Gegenüber in den Mund gelegt wurde, ist schon etwas haarsträubend. Das ist irgendwie so, als würde Bud mit sich selbst sprechen. Gottlob weilt dieser andere beizeiten nicht mehr bei den Lebenden, so dass wir wenigstens von dieser Fata Morgana erlöst werden.
Doch wir tauschen nur ein Übel gegen ein anderes. Denn nachdem der Mann in den Armen von Coburn stirbt, muss er sich um seinen Bengel Chip kümmern. Nun, müsste er eigentlich nicht, aber er macht's trotzdem. Hätte er besser sein lassen sollen, denn Chip nervt. Wie auch in den späteren Spencer-Werken mit Kind als Buddy-Ersatz, ob Plattfuß in Irgendwo oder beim Herumschlagen mit Außerirdischen. Und sprechende Pferde sind schon seit Mr. Ed nicht mehr lustig. Doch die Macher hatten das wohl selbst gemerkt und im weiteren Verlauf hält sich der weiße Klepper unseres Helden in dieser Beziehung angenehm zurück.
Die erzählte Geschichte hingegen passt auf einen geknickten Bierdeckel, wobei man sich gleich um zwei Motive bemüht hat. Einerseits will ein gewisser Sonny Bronston unserem Dicken ans Leder, da dieser etwas mit seiner Schwester gehabt haben sollte. Umlegen wäre blöd, da Schwesterlein entehrt. Also Zwangsheirat. Warum er den Frischvermählten allerdings danach in die Jagdgründe schicken will, ist genauso unerklärlich wie die Sekundenblödheit unseres Helden, der Bronston standesgemäß mit seiner schon damals berüchtigten Kopfnuss ins Reich der Träume schickt, es aber anschließend versäumt, die ihm vorher unter die Nase gehaltene Heiratslizenz zu erhaschen.
Das zweite Motiv um das ererbte Grundstück des Jungen ist da schon mit mehr Substanz behaftet, insbesondere der Sonderling aus dem nahe gelegenen Westernstädtchen mit seinem bescheuert anmutenden Hunger auf Sandeimern gibt einige Rätsel auf. Und da kommt noch einiges nach, insbesondere sein Interesse für die windschiefe Subprime-Immobilie des Kleinen führt zu einer neuen Haupthandlung, die gottlob den ganzen Heiratskäse in den Hintergrund drängt. Denn Buddy hat's wirklich getan und sich trauen lassen, besser gesagt lassen müssen.
Aber ansonsten sei Entwarnung gegeben. Bud prügelt sich auch ohne Hill'sche Hilfe mit lässiger Routine durch etliche Szenarien. Genau gesagt sind's nur drei, aber das sind alles Massenkeilereien, recht ansehnlich und ausdauernd mit jeder Menge Kleinholz und blauer Flecken für alle Beteiligten. Und wenn auch manch Spruch seltsam bemüht klingt („Sheriff zu zweit hat selten gefreut!"), so stimmt dank Spencers Anwesenheit immer noch das Gesamtpaket. Auch wenn ich noch gern gewusst hätte, warum Dickerchen sich vor dem Prügeln immer eine Nickelbrille aufsetzt, so alt war er doch erst in „Die Troublemaker"...