Die Welt am Abgrund. Schnee in Indien. Hagelstürme mit riesigen Hagelkörnern in Asien. Nicht aufhörende Regenfälle und eine riesige Flutwelle in New York. Unter 100°C minus in Schottland. Hurricanes in Los Angeles. Auf einer Klimaschutzkonferenz hatte Klimaforscher Adrian Hall (Dennis Quaid) zuvor noch versucht, die Welt vor einem solchen Szenario in 100 oder 1000 Jahren zu warnen und forderte zum Klimaschutz auf. Natürlich stieß er damit bei der Politik auf taube Ohren, weil es der Wirtschaft schade. Doch dann treten plötzlich auf der ganzen Welt in kürzester Zeit diese verheerenden Unwetter auf und Hall muß feststellen, daß seine Vision schon heute Wirklichkeit wird und der Nordhalbkugel eine neue Eiszeit bevorsteht. Soviel zur ersten Hälfte des Films.
Mal abgesehen davon, daß wir im Moment in einer schwächeren Phase einer Eiszeit leben und auch einige andere Erklärungen für die Unwetter und ihr schnelles Auftreten etwas seltsam waren, so stimmte doch die Aussage des Films: Tut was für den Klimaschutz, sonst wird's ernst (schön auch die Kritik an der amerikanischen Umweltpolitik und der Uneinsichtigkeit der Regierung). Und diese Aussage wird mit fesselnden Bildern und toller Musik eindrucksvoll herübergebracht. Es ist bestürzend, mitanzusehen, wie die westliche Welt im Unwetter versinkt und die Menschen absolut hilflos sind. Die Effekte sind atemberaubend und das Beste, was ich bisher in einem Katastrophenfilm gesehen habe. Natürlich geht es in einem solchen Film hauptsächlich um die Zerstörungen und es bleibt nicht viel Zeit, die Charaktere näher vorzustellen. Spannung kommt daher eigentlich nicht wirklich auf.
Doch dafür gibt es dann die zweite Hälfte des Films, bei der die Zahl der Effekte stark abnimmt. In ihr ist Amerika mitten im schlimmsten Schneesturm gefangen und die südlichen Staaten werden in Richtung Süden evakuiert. Für die nördlichen Staaten und damit auch für New York kommt dagegen jede Hilfe zuspät. Hall hat durch seine Arbeit als Forscher immer seinen Sohn Sam (Jake Gyllenhaal) vernachlässigt, der unglücklicherweise gerade in New York mit zwei Freunden bei einer Wissensolympiade teilnimmt. Für einen Ehrenmann wie Hall ist es aber eine Selbstverständlichkeit, daß er sich auf den selbstmörderischen Weg gen Norden macht, um Sam da rauszuholen. Der verschanzt sich währenddessen mit seinen Freunden in einer Bibliothek.
Nun ist Spannung angesagt: Wird Hall es schaffen? Er muß zahlreiche Hindernisse überwinden und hat obendrein nicht viel Zeit, da sich das Auge des Kälte-Hurricanes, in dem ganz Nordamerika gefangen ist, ständig auf die Stadt zubewegt. Darin herrschen so niedrige Temperaturen, daß ein Überleben unmöglich wird. Sam und seine Freunde kämpfen dagegen in New York ums Überleben. Dabei ist genug Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen. Man lernt die eher eindimensionalen Charaktere genauer kennen und leider gibt es auch ein paar kitschige Szenen. Das hält sich aber stark in Grenzen und stört nicht weiter, denn der spannende Überlebenskampf steht im Vordergrund. Auch die Schauspieler machen ihre Sache ordentlich.
Man kennt Roland Emmerichs Vorliebe, die USA an den Rand des Abgrunds zu treiben ja schon aus Independence Day. Im Gegensatz dazu und zu anderen seiner Blockbuster hat er es hier aber geschafft, mal einen richtig ordentlichen Film zu drehen.
8 von 10 Punkten