The Day after Tomorrow – The Plot from Yesterday!
Darauf kann man sich bei Roland Emmerich verlassen, das Schema ist in Stein gemeißelt, wie es scheint. Sobald sich eine Gelegenheit ergibt eine oder mehrere amerikanische Metropolen in kleine Stücke zu zerlegen, ist Emmerich dabei. Komplett mit Katastrophe, wissenschaftlichen Mahnern, ignoranten Politikern und persönlichen Einzelleistungen, die irgendwie dann doch the day saven! Eye Candy nach Formel B für Big Budget.
Diesmal gibt’s wenigstens keine Aliens oder Saurier, aber dicke Sachen rollen dennoch auf New York zu, diesmal in Form von Tsunamiwellen und einem Mörderschneesturm mit eisiger Extra-Überraschung im Zentrum. Als Teaser zerlegt der Film quasi neben Los Angeles mit Tornados, wobei diese Szenen noch eindrucksvoller als der Manhattaner Wassereinbruch sind.
Weil aber die Formel so bekannt ist, fühlt man sich als Zuschauer gleich zu Hause. Katastrophenfilme werden eh immer mit der Stopfnadel gestrickt und hier fügt man für die persönliche Mülltrennungsmoral gleich noch die globale Erwärmung als auslösendes Strafgericht hinzu. Die kleinen Ökos in uns allen werden jubeln.
Natürlich betrachtet der Film das Wesentliche an Katastrophe nur durch die Augen der Amis, die Briten erfrieren in Würde und Stolz, dafür kann man sich als Nicht-Ami ein Grinsen nicht verkneifen, wenn die US-Bürger versuchen, illegal nach Mexiko einzuwandern, weil eine Eiszeit ihr Land unbewohnbar macht.
Erfreulicherweise bietet Emmerichs Film nicht den Hauch einer Lösung an, am Ende ist der Arsch ab für die Vereinigten Staaten, zwar Aufbruchstimmung, aber nördlich von Florida freuen sich die Eisbären einen ab. Sieht schlecht aus!
Stattdessen fokussiert man auf ein individuelles Schicksal: Dennis Quaid übernimmt den Staffelstab des human scientist von Goldblum und Broderick und wandert mit Schlitten eigenfüßig nach downtown, um seinen Sohnemann und ein paar Freunde zu retten, der in der Bibliothek des Big Apple fürs Überleben die literarischen Meisterwerke der Welt verfeuert.
Emmerich setzt ganz auf das Appeal der Rettungsaktion, mag sie auch noch so unwahrscheinlich sein (die gehen von Philly nach New York bei –50 Grad zu Fuß!!!!) und die ausgesucht sympathischen Gesichter kommen dann auch gut an. Eine Nahrungsmittel- und Medikamentensuche preßt noch etwas Spannung aus der Wetterlage, aber sonst bleibt die Kamera auf dem Einzelschicksal und vermeidet es neben den großen Bildern, die unglaublich tödlichen Ausmaße der Katastrophe zu zeigen. Wie viele Millionen dran glauben mußten, bleibt offen, geradezu friedlich werden die unglücklichen Bibliotheksfußgänger gezeigt, die nicht vor dem Kamin sitzen wollten und nur bis Brooklyn kamen. Erfrieren heißt friedlich einschlafen, hier stirbt niemand grausam und mit Schmerzen, wir ahnen den Schrecken nur, während der halbe Cast dran glauben muß.
Erfrischend ist, daß es mal keinen opportunistischen Bad Guy gibt, dem das gierige Los ein finsteres Schicksal beschert, selbst der störrische Vizepräsident wird am Ende zwangsbefördert, die humanistische Botschaft, so sie denn in einem Popcornfilm überhaupt unterkommen kann, steht über allem.
Deswegen ächzt der Film auch nicht in Katastrophenklischeegelenken, sondern zieht seine Story in zwei Stunden flott durch, um sozusagen offen zu enden.
Immerhin das bringt ein kurzzeitiges Überdenken, der Autor selbst verspürte für ein Viertelstündchen den Hang zu Hamsterkaufen, sobald der Film vorüber war.
Aber das ging auch vorüber, wie die Eiszeit. Hat nur etwas länger gedauert. (7/10)