Review

Unterhaltsam-witzige Gruselmär über kopflose Reiter, schräge Polizisten und verschrobene Dorfgemeinschaften.
Es ist 1799, das Jahrhundert neigt sich dem Ende zu, doch die Polizei Londons verschließt sich immer noch neuen Mitteln wie Obduktionen zur Feststellung von Todesursachen. Ichabod Crane (Johnny Depp) bekommt als Verfechter moderner Methoden da große Schwierigkeiten, doch da er ein zwar schwieriger, aber erfolgreicher Inspektor ist, will man ihn auch nicht wirklich abstrafen. Dabei kann Johnny Depp direkt von Anfang an den leicht chaotischen Querkopf vom Leder, so herrlich und schräg wie er das häufig macht.
Doch um ihn loszuwerden, schickt man Crane in das verschlafene Dorf Sleepy Hollow, das gerade von einer unheimlichen Mordserie heimgesucht wird: Alle Opfer wurden enthauptet und die Köpfe sind verschwunden. Man erzählt sich ein kopfloser Reiter habe die Menschen ermordet, worauf die illustre Dorfsippe mit Furcht reagiert. Crane (und der Zuschauer mit ihm) stellt direkt bei seiner Ankunft in Sleepy Hollow fest, dass die Horde der Dorfbewohner ganz schön eigen ist, aber dabei lernt man schnell alle wichtigen Charaktere kennen.

Crane will allerdings nicht an die Legende vom kopflosen Reiter glauben und beginnt mit wissenschaftlicher Untersuchung der Mordfälle. Doch dann begegnet er dem kopflosen Reiter tatsächlich und versucht weiter zu ermitteln, während sein Weltbild ins Wanken gerät…
„Sleepy Hollow“ ist ein charmanter Film, der auf mehreren Ebenen wunderbar funktioniert. So ist die Haupthandlung im Grunde genommen eine fast klassische Polizei- bzw. Detektivgeschichte, die man mit Mythos und Märchen aufgemotzt hat. Doch wir haben als Helden den Polizisten, der die Mordserie aufklären will und dabei seinen ganzen Spürsinn einsetzt. Es enthüllen sich nach und nach immer mehr Fakten und die Hintergrundgeschichte erweist sich als deutlich komplexer als man anfangs vermutet. Das wird dann auch noch ziemlich spannend und mit ein paar tollen, überraschenden Wendungen präsentiert, sodass der Zuschauer von der Geschichte gefesselt wird.
Nebenbei erzählt Tim Burton auch noch eine verschrobene Lovestory zwischen dem schrägen Ichabod und der geheimnisvollen Gutsbesitzertochter Katrina Van Tassel (Christina Ricci). Beide sind herrlich ungewöhnliche Charaktere, wie man sie bei Burton häufig findet. Die Lovestory ist zwar nur Nebenhandlung und wird auch nie aufdringlich, doch eine schön romantische, überraschende gefühlvolle Bereicherung für den Film stellt sie auf jeden Fall dar.

Doch nicht nur der Romantiker, sondern auch der Krawallfan kommt bei „Sleepy Hollow“ auf seine Kosten, denn wenn der kopflose Reiter loslegt, dann geht es rund. Fechtereien mit Widersachern, Verfolgungsjagden durch den dunklen Märchenwald und sich überschlagende Kutschen gibt es zu bewundern, alles schön spektakulär inszeniert. Zum Schluss gibt es dann sogar eine fette Explosion zu bewundern, aber Action wird trotzdem nie zum Hauptbestandteil, sondern bereichert den Film ebenso wie die Lovestory.
Inszenatorisch kann „Sleepy Hollow“ auch ein dickes Atmosphäre-Plus einstreichen, denn das kleine Städtchen kommt mitsamt Umgebung ebenso verschroben wie die Charaktere daher. Ständig wallt der Nebel durch das Dorf, leuchtende Farben gibt es hier nicht und der Wald sieht bedrohlich wie im Märchen aus. Das passt alles auch zu dem locker-leichten Tenor des Films, denn der Burton-typische Humor fehlt auch hier nicht: Schräge Witze über Enthauptungen, ein ständig zwischen cool und hysterisch schwankender Protagonist und Satire auf das Dorfleben sind an der Tagesordnung. Brüller gibt es zwar selten (das würde aber auch nicht zu dem Film passen), stattdessen bekommt man die Gags eher mit sanfter Ironie präsentiert, die nie den Grusel-Tenor stört.

Kleine Schwächen hat „Sleepy Hollow“ allerdings schon: Zum einen wären da die Rückblenden aus Cranes Vergangenheit, die ihrer übertrieben bunten Art nicht so recht zum düsteren Rest des Films passen wollen, obwohl sie die Geschichte sinnvoll bereichern. Zum andern greift Freund Zufall teilweise etwas zu stark in das Geschehen, was vor allem gegen Ende an einer Stelle sehr verärgert *SPOILER* Da hat die Auftraggeberin des Reiters den Kopflosen bereits auf die Heldentruppe angesetzt, das Leben der Protagonisten hängt am seidenen Faden, doch Frau Oberfiesling reitet mit dem Schädel des Reiters zu der Truppe hin, um ihnen so die einzige Chance zu geben, sowohl den Kopflosen als auch sie selbst fachgerecht zu entsorgen. *SPOILER ENDE*
Darstellerisch lässt „Sleepy Hollow“ hingegen keine Wünsche offen: Am besten ist ein ganz starker Johnny Depp, der mit seiner Mischung aus Coolness und gelegentlicher Lächerlichkeit teilweise wie eine Vorstufe von Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“ wirkt. Christina Ricci ist ebenso gut und Christopher Walken ist in seinen wenigen Szenen eine dämonische Klasse für sich. Auch der Rest des Ensembles (u.a. Jeffrey Jones, Christopher Lee und Casper Van Dien) macht einen wirklich sehr guten Job und kann mit den Hauptdarstellern mithalten.

„Sleepy Hollow“ ist ein sehr unterhaltsames und spannendes Gruselmärchen, das auch Action und Romantik bietet. Trotz kleinerer Storyschwächen ein empfehlenswerter Film für nahezu jeden Geschmack.

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