SLEEPY HOLLOW - zu deutsch etwa "verträumtes Tal" - doch leider auch "schläfrig dumpf"
Ein flüchtiger Blick auf die Gesamtbewertung sowie der Name JOHNNY DEPP machten mir schon einige Hoffnung, nachdem ich diesen Film zufällig und (zum Glück) sehr günstig erworben hatte. Star-Regisseur, Star-Casting, Star-Autor, Star-Musicman, Star-Kameramann, Star-Cutter... all' diese OSCAR-trächtigen Namen unterstützten dieses Gefühl. - Was kann also an diesem Film verkehrt sein?
Erstaunlicherweise einiges. Der Film ist alles andere als "sensationell"!
Von Musterschülern darf man mehr erwarten, deshalb ein Klassendurchnittsschulnote von: 4 (4/10)
Für diejenigen, die den Film noch nicht kennen:
SLEEPY HOLLOW ist nicht unbedingt eine Enttäuschung, tendiert aber stark in diese Richtung. Bezogen auf die prominente Beteiligung an diesem Pseudo-Kunstwerk kann dieser Film insgesamt nur geringe Qualitäten in allen Bereichen aufweisen. Mehr als ein "let's make it just right now"-Ergebnis kam dabei nicht heraus, als alle Verantwortlichen zufällig zur gleichen Zeit ein paar Tage nichts gewinnbringendes vor hatten.
Dieser gnadenlos überbewertete Streifen ist vielleicht für Tim-Burton- + Johnny-Depp-Fans als "Pflicht"-Programm einzustufen. Fantasy- + Mysterie-"gern-Seher" sollten aufgrund der Ratings nicht zuviel erwarten und für Liebhaber des Horror-Genres ist dieser Film als kaum brauchbar anzusehen.
SLEEPY HOLLOW ist in meinen Augen nicht besser geworden als dieser oder dieser oder dieser oder dieser oder dieser Film, die alle auf der gleichen Story von WASHINGTON IRVING basieren.
Ganz im Ernst: die Ära-Ähnlichen Produkte *Brothers Grimm* oder auch *Timeline* haben mir persönlich, auch wenn es keine cineastischen Granaten sind, besser gefallen! Ferner erinnerte mich der Film ziemlich stark an *Van Helsing*, den ich zuvor irgendwann mal im TV gesehen hatte; auch jener Streifen ist mir letztenendes noch besser in Erinnerung geblieben.
Wie *Wild Wild West* ist es ein weiteres sinnloses Edel-Produkt aus der Reihe: "Sie hatten nichts besseres zu tun".
Nur zur Information bzgl. der Objektivität der folgenden Einzelheiten:
Während der Filmbetrachtung war ich stocknüchtern, hatte einen guten Tag hinter mir; tags darauf begann mein freudig erwarteter Urlaub und ich hatte ohne erhöhter Erwartungshaltung Lust auf dieses mystisch anmutende Märchen.
>>> Achtung: nachfolgend vereinzelte SPOILER <<
Ich stimme generell damit überein, das die düstere Szenerie recht gut gelungen ist. Gestalterisch ansprechend ist das feuchtmatschneblige Dörfchen "Sleepy Hollow" schon, gleiches gilt für die trübe Gesamtsituation und dazu der farbige Kontrast am Ende des Films.
Das altertümliche New York wird aber nur sehr kurz eingeblendet, was visuell betrachtet eigentlich der interessanteste Part gewesen wäre. Und gerade die vorrangige Wald-Szenerie (Laub, Bäume und Nebel) wirkte weder finster noch unbehaglich; letztendlich braucht man im Herbst nur in den Wald zu gehen um das gleiche Flair zu haben.
Das diese Szenen meist sehr künstlich und nach Studio aussehen, kann man einem Fantasy-Film durchaus verzeihen.
> Ein OSCAR für das Bühnen-/Szenenbild reicht aber noch nicht aus, um als sensationeller Film durchzugehen.
Positiv sind teilweise auch die (wenn auch nicht gerade übermäßig) vorhandenen visuellen Effekte; insbesondere die Rückverwandlung des kopflos umher irrenden Schwertschwingers am Ende des Films hat gefallen. Gleiches gilt für die Special-FX, welche allerdings zu stark zwischen "übertrieben" und "albern" pendeln aufgrund ihre drastischen und gleichzeitig künstlich anmutenden Erscheinung.
> Doch auch vereinzelt gelungene Effekte machen noch keinen sensationellen Film.
JOHNNY DEPP ist ohne Frage gut, aber bei weitem nicht überwältigend.
CHRISTINA RICCI, CHRISTOPHER WALKEN und CHRISTOPHER LEE sind zumindest großartige Namen, doch "Hochleistung" erbringen sie (storybedingt) nun nicht gerade; zumal gerade die beiden "Krischies" relativ kurze Passagen haben (Chr. Walken nur non-verbal, aber als hessischer Reiter mit seinen spitzen Zähnen zumindest recht "hesslich" anzusehen).
Die "Alte-Herren-Gilde" sowie die übrigen Darsteller bleiben eher im Hintergrund und dienen hauptsächlich dem "pro-Kopf"-Aufkommen. Doch spätestens nach der zweiten Enthauptung ist vorherzusehen, das jeder Charakter, wann immer dieser kurzzeitig in den Vordergrund gestellt wird, kurz darauf um einen Kopf kürzer endgültig von der Bildfläche verschwindet. Auch wenn dabei keine Rücksicht auf vermeintliche Hauptrollen und Kinder genommen wird, bleibt es doch nur ein systematisches Abhaken ohne Überraschungseffekt (Action>Cut>Lohntüte>Tschüß).
> Gute Schauspieler mit durchschaubarer "Vertragslaufzeit" sind ebenfalls kein Garant für einen sensationellen Film.
Was die "Horror"-Szenen mit den abgehackten Köpfen angeht, so ist höchstens die fürs deutsche Kino erhaltene FSK-12-Freigabe der knapp beschnittenen 16er-Fassung spektakulär. Die Szenen selbst dagegen weniger, trotzdem man mitunter ganz kurz einen tieferen Blick in den "Rachen" der geköpften Körper bekommt. Der Anblick pendelt aber irgendwo zwischen "kitschig", "albern" und "unpassend" bzw. künstlerisch künstlich.
Irgendwo las ich "unblutig" in einem Bericht. Also, mein Empfinden war da anders; Blut lief, spritzte und platschte Literweise. Allerdings in einem "kunstvollen" Rot gehalten, damit es so wenig ekelig wie nur irgend möglich wirkt. Genauer betrachtet kann man daher ableiten, das der Film sehr "kopfgesteuert" produziert wurde:
"Horror", Kunstblut, Schnitte und Humor wurden dermaßen wohldosiert aufeinander abgestimmt, um eine möglichst geringe Alters-Freigabe zu erhalten. - Damit ordentlich viele Kinogänger Geld in die Kinos schleppen können.
> Aber eine möglichst geringe FSK-Einstufung kann erst recht nicht für einen sensationellen Film sorgen.
Insbesondere fehlten mir anständige Grusel-Elemente bei diesem "Horror"-Fantasy-Märchen; die gab es in diesem Film gar nicht. Dramatik wurde hauptsächlich durch die passende, aber oftmals auch reichlich aufdringliche Filmmusik erzeugt.
> Ein Horror-Film ohne Grusel kann meiner Meinung nach nicht als sensationeller Film durchgehen.
Reichlich anspruchslos empfand ich die Story. Die gesamte Handlung wirkte auf mich wie eine willkürlich zusammengeschusterte und absolut uninteressante Ideenansammlung, welche auf eine extrem konstruierte Wendung hinsteuert und mit einem belanglosen Showdown finalisiert. Der "Kutschen-Fight" hatte was für sich, wurde allerdings nicht besonders gut eingefangen und kann deshalb auch nicht wirklich für Spannung sorgen.
Und wenn so rein gar nicht fasziniert, dann können einen auch Übertreibungen aufregen: Mehlstaub-Explosion OK, aber nicht in diesem Ausmaß.
> Kann ein Film ohne sinnvoller Story und Handlung sowie ohne packende Spannung sensationell sein?
Ich denke nicht. Auch auf die Gefahr hin, das sich nun einige filmkundige Leser am Kopf kratzend fragen, ob ich möglicherweise ein bisher unbekanntes Opfer des hessischen Ghost-Riders bin...