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Wer hätte das düstere Horrormärchen wohl besser inszeniert als Tim Burton (Batman, Planet der Affen) ? Ganz genau, die Antwort lautet keiner. Auch war es Burton, der Johnny Depp (Gegen die Zeit, Gilbert Grape) auf die Gewinnerstrasse brachte und zwar mit der Fantasykomödie "Edward mit den Scherenhänden". Burton und Depp wurden nicht nur gute Freunde, sondern drehten einige Filme zusammen, darunter auch "Sleepy Hollow". Dieser entstammt der Feder von Washington Irving. Andrew Kevin Walker (Brainscan, 8MM) machte daraus ein komplexes und hochspannendes Rätselraten und Burton setzte meisterlich um.

Im Jahre 1799 geht das große Sterben im abgelegenen Sleepy Hollow los. Ein kopfloser Reiter (Christopher Walken) hat bereits drei Menschen enthauptet, die Köpfe wurden nie gefunden. Der New Yorker Ermittler Ichabod Crane (Johnny Depp) soll das Verbrechen aufklären. Ichabod ist zunächst ungläubig, die Geschichte um den kopflosen Reiter kann unmöglich der Wahrheit entsprechen. Doch er wird schnell eines Besseren belehrt, denn der Reiter holt schnell weitere Opfer. Ichabod glaubt bald, dass der Reiter von jemand aus Sleepy Hollow gesteuert werden muss. Er stößt auf eine lange zurückliegende Verschwörung, wo jeder als Täter in Frage kommen könnte.

"Sleepy Hollow" bietet storytechnisch weit mehr als ein paar Morde. Der Täter steht zwar fest, doch wer den Hessen steuert, ist wirklich schwer zu erraten. Burton legt keinerlei Spuren und selbst wenn man beim zweiten Sichten auf die Details achtet, ist des Rätsels Lösung unvorhersehbar. Aber die verblüffende Auflösung ist absolut plausibel und wird ausführlich erläutert. Wir erfahren sogar, wie der kopflose Reiter zu dem wurde, was er heute ist und warum er die Morde begeht. Dies geht zwar schon in die Märchenecke, auch was die Hexe im Wald angeht und die kleinen Zaubereien von Katrina (Christina Ricci), dennoch halten sich die Fantasyelemente sehr in Grenzen. Nur den Besuch bei der Waldhexe hätte man weglassen können, obwohl auch dieser unwichtig erscheinende Charakter, eine Rolle spielt.

Wir haben eine sehr große Auswahl, was den Täter betrifft und obwohl diese kontinuirlich dezimiert werden, kommt der Zuschauer nicht schneller heran als Ichabod Crane. Der ist wahrlich eine eigensinnige, aber auch interessante Figur. Den Glauben an die Bibel hat er verloren, es gab ein Ereignis in seiner Kindheit, welches einen handfesten Grund dafür liefert. Ichabod träumt nachts davon, zu Beginn fällt es dem Zuschauer schwer diese zuerst zusammenhanglosen Rückblenden richtig einzuordnen. Ausserdem ist Ichabod kein Held, sondern ein normaler Mensch, genauer gesagt ein Stadtmensch. Der Umgang mit dem Pferd fällt im anfänglich schwer, er trägt fast ein Trauma davon als er den Hessen zum ersten Mal sieht, desweiteren wird er nicht nur einmal verletzt. Aber er rappelt sich immer wieder auf und hat sogar eigene Gerätschaften entwickelt für die Spurensuche. Er führt Autopsien durch, schnippelt an den Leichen herum und steht immer im falschen Winkel, damit ihm der rote Lebenssaft immer mitten ins Gesicht spritzt. "Sleepy Hollow" ist alles andere als bierernst, denn neben den Märchenelementen lockert auch Ichabod das düstere Geschehen deutlich auf. Auch verguckt er sich in die Schönheit Katrina Van Tassel (Christina Ricci), doch Burton widmet der Lovestory kaum Zeit und bindet Katrina lieber aktiv ins Geschehen ein. Denn auch sie steht bald auf der Liste des kopflosen Reiters.

Trotz des Märchencharakters lässt Burton das Blut richtig suppen. Zahlreiche Köpfe werden in Nahaufnahme abgetrennt, das Blut spritzt in Fontänen aus den Rümpfen, die abgetrennten Köpfe kullern meist noch über den Boden. Richtig gelungen ist die atmosphärische Vorbereitung der Enthauptungen. Ständig wabert der Nebel, in Sleepy Hollow scheint nie die Sonne zu scheinen und farbliche Kontraste sind fehl am Platz. Die angrenzenden Wälder wirken bedrohlich, die Kulisse erinnert ein wenig an die 80er Jahre. Hinzu kommt Danny Elfmans instrumentaler Score, der für jede Szene die passende Melodie parat hält. Aber hier wird nicht nur ermordet oder ermittelt, sondern es gibt auch ein paar schick choreographierte Schwertkämpfe und eine Verfolgungsjagd im Finale. Burton fesselt den Zuschauer mit seiner lückenlosen Inszenierung förmlich an die Mattscheibe, dank der gut ausgearbeiteten und sympathischen Charaktere kann man richtig mitfiebern.

Die Schauspieler geben wirklich alles, um den hohen Anforderungen Burtons zu entsprechen. Ein bleiches Make up wird aufgetragen und man hüllt sich in nostalgische Klamotten. Johnny Depp legt ein herrlich überzogenes Schauspiel hin, ist aber in den spannenden Momenten stets ernst zu nehmen. Sein Charakter Ichabod Crane steht auch im Mittelpunkt und macht einige Veränderungen mit. Schönheit Christina Ricci (The Gathering, Monster) hat hier noch dieses liebe Mädchen Image und ist ein wahrer Augenschmauss. Ihre Figur bleibt sehr lange undurchsichtig, besonders was die Zaubersprüche angeht. Mit Christopher Walken (Im Angesicht des Todes, God´s Army) ist man immer gut beraten, besonders als Fiesling. Er sieht richtig unheimlich aus, so hergerichtet möchte man ihm nicht im Dunkeln begegenen. Casper Van Dien (Starship Troopers, Mask of the Ninja) und Christopher Lee (Totentanz der Vampire, Der Mann mit dem goldenen Colt) sind in Nebenrollen zu sehen.

Top besetztes, spannendes und sehr atmosphärisch inszeniertes Horrormärchen mit einem gut durchdachten Plot. Brillant von Burton in Szene gesetzt, die blutigen und gruseligen Effekte sind erste Sahne. "Sleepy Hollow" ist und wird ein zeitloses und einmaliges Vergnügen bleiben.

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