Wegen seiner unorthodoxen und als gottlos empfundenen Art und Weise, Verbrechen aufklären zu wollen, wird Ichabod Crane von New York in das kleine Nest Sleepy Hollow versetzt. Dort soll er in einer ungeklärten Mordserie ermitteln, bei der alle Leichen enthauptet aufgefunden wurden. Der abergläubischen Einstellung der Stadtbewohner steht er anfangs sehr skeptisch gegenüber, wird jedoch eines besseren belehrt...
„Sleepy Hollow“ ist durch und durch ein Film von Tim Burton. Die schweren, düsteren Bilder und die unvergleichlich dichte Atmosphäre machen das Werk zu einem optischen Hochgenuss. Ob es nun der Nebel ist, der die ganze Zeit über der Stadt schwebt, oder die verknöcherten, alten Bäume in den westlichen Wäldern, alles scheint aus einem Guss. Dazu kommt noch die gewohnt schräge Charakterzeichnung Burtons. War es für ihn schon immer eine Art Markenzeichen, verdrehte Personen seine Filme bevölkern zu lassen, bildet auch „Sleepy Hollow“ keine Ausnahme. Ichabod Crane, erst Zyniker und Realist in einer fantastischen Welt, fällt bei jeder Kleinigkeit in Ohnmacht und hat panische Angst vor Spinnen.
Ein weiterer, großer Pluspunkt ist der märchenhafte Charakter der Geschichte. Obwohl es auf der Leinwand mitunter sehr brutal zugeht, hat man nie das Gefühl, einen Horrorfilm zu sehen. Vielmehr wird der Zuschauer an einen fantastischen Ort geführt, der zwar seine Gefahren birgt, auf eine eigene Art jedoch wunderschön erscheint. Die Atmosphäre ist dicht und düster, wirkt aber zu keiner Zeit be – oder erdrückend. Allein vom künstlerischen Standpunkt der Setgestaltung und Bildkomposition ist „Sleepy Hollow“ demnach mehr als empfehlenswert.
Die Musik, komponiert von Burtons Hauskomponist Danny Elfman, ist absolut genial und leistet mit ihrer schweren, ernsten Orchestration einen Großteil der Arbeit beim Aufbau der Atmosphäre. Reicht der Soundtrack auch nicht an den von „Batman“ heran, ist Elfmans Handschrift doch unverkennbar.
Neben all den positiven Eindrücken ist „Sleepy Hollow“ dennoch nicht perfekt. Was dem Film einfach fehlt, ist Spannung. Im Grundtenor der Geschichte ist diese schon vorhanden, aber es gibt einfach zu wenige Szenen, wo man als Zuschauer in den Sitz gedrückt wird und mit den Figuren mitfiebert. Dabei ist der Film jedoch auf keinen Fall langweilig. Im Gegenteil: Man wundert sich am Ende, dass alles schon vorüber ist. Dennoch fehlen die wirklich packenden Momente.
Daß dieser Punkt allerdings bei weitem nicht so schwer wiegt, wie vielleicht angenommen, liegt einfach an den atemberaubenden Bildern und der Inszenierung. Die Schauplätze und Aufnahmen nehmen den Zuschauer derart in Beschlag, dass der Mangel an Spannung geschickt überdeckt wird.
Die Schauspieler, allen voran natürlich Johnny Depp, agieren hervorragend. Scheint Depp auf Rollen abonniert zu sein, die nicht dem normalen Standart entsprechen, verleiht er auch der Figur des Ichabod Crane sehr skurrile Züge, lässt sie aber zugleich liebenswürdig erscheinen.
Christina Ricci, vielen Zuschauern noch als Wednesday aus der „Addams Family“ bekannt, spielt Katrina Van Tassel. Sie verleiht ihrem Filmcharakter eine wunderbar undurchsichtige Aura, und bis zum Schluss bleibt im Dunklen, auf wessen Seite sie wirklich steht.
Michael Gough spielt den Notar Hardenbrook und dürfte Burton – Fans als Alfred aus den „Batman“ – Filmen noch bestens im Gedächtnis sein.
In einer Nebenrolle als Richter ist zudem Christopher Lee zu sehen, der zwar einen kurzen, aber dennoch prägnanten Auftritt hat.
Besonderes Lob gebührt allerdings Christopher Walken, der den hessischen Reiter spielt. Durch sein Spiel und nicht zuletzt durch die wahrhaft furchterregende Maske lässt er seinen Charakter sehr bedrohlich wirken.
Unter dem Strich ist „Sleepy Hollow“ bestes Entertainment, wenn er auch ein bisschen spannender sein könnte. Wer Tim Burtons düstere Filme mochte, wird auch diesen hier mögen.
8/10 Punkte