Review

Leptosome Neopolitaner versus Pitbull-GIs

Neapel, Endsiebziger. Spencer ist Mücke, ein Fischer und ehemaliger Football-Held, mit jeder Menge überschüssiger Kraft, der eine bunt zusammengewürfelte, einheimische Truppe aus leptosomen Verlierertypen  und etwas sportlicheren Kleinganoven gegen den übermächtigen GI-Football-Trupp unter Führung des immer gehässigen, aber kernigen Sergeant Kempfer (Kartoffelquetscher Raimund Harmstorf) ins Feld schicken soll.
 Nach einigen wüsten Kneipenschlägereien zwischen den provozierend auftretenden US-Soldaten und den auch gerne stänkernden Italienern soll ein Football-Spiel zwischen den verfeindeten Parteien ein für allemal die Fronten klären. Doch das Traininieren der neapolitanischen Gurkentruppe ist für Mücke kein einfaches Unterfangen...
Wird er, der einst, wegen der immer mehr grassierenden Unfairness im Sport, dem Football den breiten Rücken zugekehrt hat, noch einmal selbst zum Leder greifen, um den fiesen Amis heimzuleuchten?

 Ich muss hier nicht erklären –oder gar verteidigen, warum man(n) sich  Bud Spencer-Filme  anschaut, warum Spencer Kult ist, warum Hill Kult ist. Die Legende lebt, kann ich da nur sagen.
  Mögen alle böswilligen Kritiker, die offenbar offene Socken haben und denen deshalb der aufsteigende Fußdampf unterhalb des Scheitels einiges durcheinander gebracht hat, für immer schweigen. 
 Aber in den letzten Jahren hat ja eigentlich auch die „seriöse“ Filmkritik klein beigeben – und begegnet dem Phänomen weitestgehend mit dem angemessenen Respekt. Die Spencer-/ Hill-Verächter haben von der Hintergründigkeit vieler Filme der beiden NICHTS begriffen (bzw. sind für den übermütigen Charme dieser nicht empfänglich). Dafür sollten sie von Buds Hammerschlag unangespitzt in den Erdboden gerammt werden - und danach gibts von Terence nochmal richtig Haue, mit dem Stühlchen in die Schnauze!

 Wie immer gilt:  Spencers Präsenz trägt den Film. Und den großen Harmstorf, dem, im wirklichen Leben, widerlich schadenfrohe deutsche Boulevard-Journaille zum größten Sargnagel werden sollte, sieht man auch immer gerne (Harmstorf war noch ein echter Typ, den hat nie jemand ebenbürtig ersetzen können).
 Ansonsten mäandert der Film, der wie Mücke ein großes Herz für Benachteiligte und Verlierer hat, zwischen völlig überdrehter Typenzeichnung,  ausufernden, aber blutfreien Prügeleien,  Running Gags (Bud und die Türen) und ulkigen bis zackigen Trainingsszenen am Strand von Neapel.
Von bleibendem Wert sind das Armdrücken zwischen dem gelassenen Mücke und Großmaul Kempfer  und natürlich viele der flapsigen  Sprüche, die die deutsche Synchronisation, wie immer mit Liebe zum Detail, ersonnen hat. 

 Gegen den Italo-Pop-Gassenhauer "Bulldozer" vom Bruder-Gespann Oliver Onions versucht man sich anfangs noch mit allen Kräften zu wehren, doch der überraschend schneidige Refrain überrumpelt einen schließlich doch, nachdem er einem zum zwanzigsten Mal während jeder dritten Szene des Filmes triumphierend um die Ohren gehauen wurde.

Alles in allem eine  harmlos-unbeschwerte  Prügel-Komödie, die ihre einzelnen Handlungsstationen rasch abhakt und nie  langweilig wird.  Jede Möglichkeit zum Kalauern wird genutzt. Bud ist Bud. Und  Ricardo Pizzuti, bestbeschäftigster Hill/ Spencer- Nebenrollen-Ganove, wird auch wieder ordentlich die Schnauzbart-Visage poliert; diesmal darf er einen der gehässigen GIs spielen. 

 SPOILER Im großen Spiel flachbrüstige Neapolitaner versus dumpfe GIs hält  Kempers Profi-Truppe wie zu erwarten wenig bis eigentlich gar nichts von Fairplay und fegt Buds Team mit sadistischer Freude vom Rasen. Dass Mückes so mühsam trainierte und optimistisch gestimmte Hühnerbrust-Gang (zuzüglich die zwei, drei stabileren Ganoven) gegen die Amis trotz aller Anstrengungen nicht ein einziges  Bein auf den Boden bekommt – und dann im Prinzip nur Mückes Alleingang à la Bulldozer/ Planierraupe/  wütender Nashornbulle den moralischen Sieg bringt, ist zwar, in Bezug auf die fast gesamte Handlung zuvor,  einigermaßen sinnbefreit, aber dem Vergnügen tut es keinen Abbruch. SPOILER ENDE 

Einer der bekanntesten und besten von Spencers Solofilmen, es gibt aber meines Erachtens noch minimal unterhaltsamere.
Und im Team waren Bud und Terence ohnehin immer unschlagbar.

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