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„Football ist kein Murmelspiel!“

Nach drei von vier „Plattfuß“-Filmen stand Bud Spencer („Das Krokodil und sein Nilpferd“) im Jahre 1978 erneut ohne Terence Hill für eine seiner Haudrauf-Komödien vor der Kamera, diesmal der Michele Lupos („Arizona Colt“), der im Anschluss noch vier weitere Filme mit Spencer in der Hauptrolle drehen sollte. Die im Militär- und Kleinkriminellen-Milieu und sich mit American Football auseinandersetzende, italienisch-deutsch produzierte Action-Komödie „Sie nannten ihn Mücke“ wurde ein großer Erfolg und zählt unter Fans zu den favorisierten Solo-Auftritten Spencers.

Im italienischen Neapel herrscht Rivalität zwischen den dort stationierten US-Militärs um Sergeant Kempfer (Raimund Harmstorf, „Der Seewolf“) und der einheimischen Bevölkerung. Man misst sich im Armdrücken und in Kneipenschlägereien. Seebär und Ex-Football-Spieler Mücke (Bud Spencer) will eigentlich in erster Linie seine Ruhe haben und als Fischer arbeiten, doch als das Teleskop eines US-U-Boots sein Schiff durchrammt, benötigt er ein Ersatzteil von den Amerikanern. Kempfer verweigert ihm dies, weil er ihm noch immer krumm nimmt, sich aus dem Football-Sport zurückgezogen zu haben. Nach einer weiteren Kneipenschlägerei fordern die Amis die frechen italienischen Kleinkriminellen zu einem Football-Match heraus: Wenn den Italienern auch nur ein Punkt gelingt, gilt das Spiel für sie als gewonnen. Mücke lässt sich breitschlagen und trainiert den Haufen...

„Das ist kein Spiel, das ist ein Massaker!“

Nach einem humoristisch gelungenen Einstand, der den Unfall mit Mückes Kutter zeigt, folgt direkt die erste Kneipenszene, in der sich Kempfer & Co. im Armdrücken mit den Einheimischen messen. Als sich Mücke einmischt und gegen Kempfer gewinnt, folgt die obligatorische Massenschlägerei. Seinen ersten Bezug zum Football-Sport stellt „Sie nannten ihn Mücke“ her, als er Kempfer als Trainer der US-Militärmannschaft zeigt. Kaum hat Mücke sein Omelette aus 20 Eiern verspeist, nimmt er nach einem fingierten Treffen der einheimischen Rotzlöffel die Kneipe ein weiteres Mal auseinander und es im Alleingang mit der Armee auf. Im Anschluss steht er als Trainer fest und rekrutiert sein Team u.a. beim örtlichen Hehler, den er nach flinken potentiellen Spielern befragt. Diese witzige Herangehensweise kolportiert die Aussage, dass sportliche Ertüchtigung das Potential habe, jugendliche Kleinkriminelle von der Straße zu holen. Wie in manch Sportfilm geht es fortan um den Aufbau eines Außenseiters, der im finalen großen Duell den Sieg holen soll – allerdings in Bud-Spencer-Manier. Das bedeutet viele Slapstick-Einlagen, gegenseitiges Gestichel (bei dem Mückes Schützlinge nicht immer allzu gut wegkommen, so beklauen sie ihren Gegner während eines freundlichen Besuchs Kempfers, der Mitbringsel dabei hat und lobende Worte findet, und zapfen ihm Benzin aus dem Tank) und eine weitere Massenschlägerei, nachdem Mücke Falschspielertricks entlarvt hat – erneut rasant und humoristisch inszeniert, spätestens hier nun aber mit zu vielen albernen Gags versehen.

Wesentlich ernsthafter geht es im Mittelteil zu, wenn Mücke als Eigenbrötler, aber auch altersweiser und väterlicher Freund auftreten muss, um die Mannschaft zusammenzuhalten. Einer seiner Spieler wird abtrünnig, einen miesen Schlägertypen rehabilitiert er fürs Team, doch die anderen haben plötzlich keinen rechten Bock mehr. Diese Entwicklung geht reichlich holterdipolter und generell verliert der Film nie Zeit, seine Geschichte voranzutreiben, wirkt manchmal fast schon hektisch. Als Mücke seine Jungs wieder alle zusammen hat, geht es flugs ins Finale und die alles entscheidende Partie wurde wirklich witzig umgesetzt. Die „Rangers“ beginnen schließlich, unfair zu spielen und das Match mündet in – natürlich – eine Schlägerei. Als Mücke sich jedoch kurzerhand selbst einwechselt, wird die vordergründige Aussage des Films endgültig ad absurdum geführt, denn mitnichten gelang es, aus Straßenjungs leistungsfähige Sportler zu machen, die sich ihren Ehrenpunkt holen. Und wie es dann eben so ist, wechselt sich Kempfer ebenfalls ein und so kommt es zum finalen Duell zwischen beiden Streithähnen. Schade, dass „Sie nannten ihn Mücke“ seine Linie letztlich doch nur wieder für fragwürdigen Schlägerhumor und volle Fokussierung auf Spencer aufgibt und damit irgendwie verschwendet wirkt.

Der Soundtrack besteht in erster Linie aus der immer gleichen, aber schönen „Oliver Onions“-Melodie, allerdings trällert Mücke auch ein Liedchen zusammen mit seiner Mannschaft. In Urlaubsstimmung versetzen die schönen sommerlichen Bilder, das Training am Strand etc. und tragen zum Wohlfühlfaktor des zwar vielversprechend und frech beginnenden, überraschend Besatzer-kritischen Films bei, der letztlich leider dann doch wieder zur Schläger- und Sprücheklopfer-Revue abflacht. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass aus dem im Original „Bulldozer“ genannten Mann in der deutschen Fassung „Mücke“ wurde.

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