„Schalten Sie ein!“
Ende der 1970er neigte sich langsam, aber sicher auch der „Tatort“-Ast um den Münchner Kriminalhauptkommissar Melchior Veigl (Gustl Bayrhammer) seinem Ende entgegen. Der Titel seines 13. und somit vorvorletzten Falls bezieht sich auf eine gotische Madonnenfigur und wurde von Willy Purucker geschrieben, dessen Drehbuch Regisseur Wolf Dietrich, der zuvor bereits zwei Veigl-Episoden abgedreht hatte, inszenierte. Die Erstausstrahlung erfolgte am 16. Dezember 1979.
„Sie wissen doch, wie langsam die Polizei arbeitet…“
In der Nähe Münchens stiehlt die Aktionsgruppe zur Säkularisierung von Kirchenbesitz die titelgebende Madonnenfigur und verlangt 300.000 DM, damit sie sie wieder herausrückt – seltsamerweise nicht von der Kirche oder vom Staat, sondern von einer Boulevardpostille. Nach redaktionsinterner Debatte lässt man sich darauf hin, beauftragt aber Fotograf Lansky (Uwe Falkenbach, „Die rote Zora und ihre Bande“), Bilder von der Übergabe zu schießen. Das funktioniert alles reibungslos und „Maria im Elend“ wird zu „Maria im Bahnhofsschließfach“, doch plötzlich verschwindet Lansky. In seiner Tiefgarage befindet sich ein Blutfleck, der auf ein Gewaltverbrechen hindeutet. Kommissar Veigl übernimmt die Ermittlungen. Tatsächlich wird Lansky kurz darauf tot aufgefunden. Wer ist sein Mörder und was ist sein Motiv? Veigl & Co. versuchen, der „Aktionsgruppe“ auf die Spur zu kommen…
„Das kann der ganz große Knüller werden!“
Alles beginnt mit dem Einbruchdiebstahl in der Kirche, durchgeführt von einer Ganovenbande, die mit ihrem hochtrabenden Namen einen politisch motivierten Hintergrund lediglich vortäuscht – es geht ihnen schlicht um den schnöden Mammon. Da es noch keine(n) Tote(n) gibt, ermittelt zunächst Kommissar Breitner (Elert Bode, „Gefundenes Fressen“) vom LKA, bis Veigl nach Lanskys Verschwinden auf den Plan tritt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer kennen die Kirchendiebe und erfahren auch recht früh, dass Lansky mit ihnen unter einer Decke steckt. Spannung versucht dieser „Tatort“ aus der Frage nach dem Mörder und dem Grund für Lanskys Tod zu generieren. Diese wird jedoch von einer nicht sonderlich aufregenden Inszenierung konterkariert, deren Mangel an Schauwerten man reichlich plump dadurch auszugleichen versucht, dass im Zuge der polizeilichen Ermittlungen von Lansky angefertigte Erotikfotos herumgezeigt werden.
„Die Gentlemen bitten zur Kasse!“
Leider ist die Sprachbarriere auch in dieser Münchner „Tatort“-Episode wieder recht dominant und erweist sich außerhalb des Freistaats als störend, weil wahrlich nicht jedem Dialog gefolgt werden kann. Die Auflösung ist dafür recht stimmig und gegen Ende fallen sogar ein paar Schüsse und wird die Spannungsschraube endlich einmal angezogen. Der Epilog zeigt einen nachdenklichen Veigl, als sinniere Bayrhammer in diesem Moment darüber, ob man nicht auch aus diesem Fall viel mehr hätte herausholen können – z.B. kritisch die Rolle der Sensationspresse in Bezug auf spektakuläre Straftaten herauszuarbeiten, die „Säkularisierung von Kirchenbesitz“ zu diskutieren oder wenigstens mehr für die Dramaturgie zu tun. So bleibt unterm Strich durchschnittliche, oberflächliche Krimikost für ein katholisches süddeutsches Publikum, das sich darüber freuen darf, dass „Maria im Elend“ wohlauf ist. Zefix!