Review

Es hätte so schön sein können. Wir schreiben das Jahr 1984 und nehmen mit dem großartigen „Vier Fäuste gegen Rio" Abschied von den Idolen unserer Jugendzeit, denn wer von uns hat nicht Bud Spencer und Terence Hill zu seinen damaligen Lieblingen auserkoren? Doch jede Ära hat auch mal ein Ende, und es ist schön, wenn die Beteiligten ein Gespür dafür haben, auf dem gemeinsamen Karrierehöhepunkt aufzuhören. Ich sehe dem Prügelduo dabei noch großzügig den 85er Streifen „Die Miami Cops" nach, aber nun sollte der Vorhang für unsere Helden wohl endgültig fallen, zumindest in ihren festgelegten Rollen im Doppelpack.

Fast zehn Jahre später: Spencer und Hill sind tot - ich meine natürlich das Filmduo - aber irgendwie haben sie sich dann doch gedacht, pissen wir mal auf unser eigenes Grab. Vorhang und auch Gruft auf für „Die Troublemaker", dem wohl mit Abstand schauerlichsten Comeback-Versuch seit dem allerallerletzten Streich der damals scheintoten Olsenbande.

Woher kommt eigentlich die Motivation, solch einen Film zu drehen? Weil beide auf getrennten Wegen nichts Anständiges mehr auf die Leinwand gebracht haben? Gut möglich, denn die Soloprojekte der beiden floppten seitdem. Blanke Geldnot? Na ja, aus guten Zeiten muss doch wohl der eine oder andere Notgroschen übrig geblieben sein. Alte Männerliebe? Das weiß ich nun wirklich nicht. Wollte man den Fans ein letztes Abschiedsgeschenk bereiten? Letzteres ist gründlich daneben gegangen. Denn wenn sich was bei diesem Film nicht einstellen will, dann ist es die Wiedersehensfreude. Hier ist fast alles schief gegangen.

Von Inhalt und Story sollte dieser Film wohl an die glanzvollen Auftritte des kleinen und müden Joes in den Westernkomödien aus den 70ern anknüpfen und nach „Die linke und die rechte Hand des Teufels" und der Fortsetzung „Vier Fäuste für ein Halleluja" eine Vollendung einer Trilogie werden, die keiner mehr für möglich gehalten hatte außer die Produzenten selbst. Zwei Brüder - hier allerdings mit anderen Namen bedacht - wollen zur Weihnachtszeit einer Einladung ihrer Mutter folgen. Moses (Bud Spencer) hat inzwischen eine Familie mit unzähligen Kindern, sein Bruder Travis (Terence Hill) hingegen ist noch immer der rastlose Vogel, der es nie lange an einem Ort aushält. Doch ganz abgeschworen hat auch Moses seiner Vergangenheit nicht, er ernährt seine Sippe als Kopfgeldjäger.

Der Ansatz, die Figuren nach all den Jahren mit einer Weiterentwicklung zu versehen, ist ja grundsätzlich lobenswert. Doch wenn man dann krampfhaft versucht, so zu tun, als wäre ansonsten die Zeit stehen geblieben, wird's schon mal peinlich. Terence Hill ist reichlich ergraut und sichtlich aufgedunsen und musste sich bei den Raufereien wohl altersbedingt zurücknehmen. Fast hatte es den Anschein, als würden die Prügelszenen mit verlangsamtem Tempo - fast in Zeitlupe ablaufen. Und in einer Szene streckt Moses tatsächlich einen zu Boden in echter Zeitlupe a la Luc Besson, was irgendwie als gewolltes Stilmittel reichlich deplatziert wirkt. Und auch Bud Spencer beweist, dass man als ohnehin schon Dicker - und dafür haben wir ihn ja immerhin auch gemocht - weiterhin zunehmen kann, jedenfalls lässt seine entschleunigte Spielweise diesen Schluss zu. Dazu hat er sich um seine füllige Figur einen geschmacksicheren Eisbär-Flokati geschlungen, der wohl mal vor irgendeinem Kamin in einer Westernhütte gelegen haben muss.

Aber auch die sonstigen Zutaten, die man aus den Filmen aus alten Zeiten als unverkennbares Markenzeichen der zwei kennt, sind hier entweder schlecht recycelt worden wie die flauen Prügelszenen oder eben fast gar nicht vorhanden, so zum Beispiel auch die gewohnt flotten Sprüche. Kaum ein geglückter Witz kommt von den Lippen der beiden, weder werden die Gegner verbal unter Feuer genommen, noch liefern sich die Brüder selbst geistreiche Wortduelle.

Am schlimmsten ist aber das überaus einfallslose Skript geraten, welches neben unseren beiden Hauptpersonen nur eine Handvoll blasser Schurken und ein beschränkter Sheriff vorsah und für Travis - wieder mal - eine äußerst dürftige Romanze mit einer fremden Schönheit. Die zwei dünnen Handlungsstränge beschränken sich auf die wechselseitig gezeigte Reise der Brüder zu ihrer Mutter und die der Rasselbande von Moses mit dem gleichen Ziel, wobei der hohe Kinderanteil dem Film einen reichlich kitschigen Anstrich verleiht und den ehemals so kernigen Stil eines typischen Buddie-Movies völlig gegen den Baum fährt. Auch das sonstige Flair eines Westerns ist hier kaum spürbar, alles wirkt seltsam steril, die Szenen sind vornehmlich in kühlen Weiß- und Blautönen gehalten statt in dem gewohnt dreckigen Braun-Gelb-Schleier und auch die Klamotten sind stets piekfein und sitzen perfekt.

Einzige Lichtblicke in diesem reichlich verunglückten Comeback sind für mich noch die wenigen Gags, wo sich die beiden selbst auf die Schippe nehmen und sich Szenen aus ihren älteren Filmen wiederholen, aber einen verunglückten Ausgang nehmen. Ich denke da besonders an die Szene, wo Travis seinen Bruder aus dem Knast befreien und zu diesem Zweck das Gitter aus der Verankerung reißen will. Denn statt des Gitters haut es Travis voll aus dem Sattel, ein Gag, der zwar platt anmutet, doch so nicht erwartet wurde. Hier zeigt man mit Humor, dass man doch etwas älter geworden ist und nicht alles reibungslos wie früher abläuft. Auch die Szene, in der ein Galgen unter der Last von Moses zusammenbricht zeigt, dass sich die beiden über sich selbst lustig machen können, wobei mir hier die Idee von Travis, andere vom Galgen zu schießen schon etwas gestunken hat, da aus den „Zwei glorreichen Halunken" ganz offensichtlich geklaut. Traurig, wenn die wenigen originellen Momente noch nicht mal aus der eigenen Feder stammen...

Fazit: Ein trauriges und hoffentlich letztes Kapitel in der Ära Spencer/Hill sollte schleunigst zugeschlagen und auch vergessen werden. Meine Enttäuschung hielt sich dennoch in Grenzen, da ich das fertige Endergebnis in dieser grausigen Art schon befürchtet hatte. Und dennoch frage ich mich: Warum habt ihr uns das angetan? Und warum euch? In Würde Altern geht irgendwie anders.

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