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Zynismus, Sarkasmus und eine ausgeprägte "Mir egal"-Mentalität... das sind die Elemente, die Jim Davis` fettem Kater Garfield zum Kultstatus verhalfen. Geboren wurde Garfield in kurzen Comicstrips, die im Prinzip aus One-Linern und Pointen bestanden, welche ein wenig auf das Alltagsleben abzielten. Der laut denkende Kater stand zwar im Vordergrund, doch hatte er viel Verstärkung hinter sich. Als da wären sein naives Herrchen Jon, der nicht nur in seinem Job eine kleine Nummer ist; Liz, in die Jon verliebt ist, obwohl sie ihn eher wie Luft behandelt; Arlene, Garfields Katzenfreundin, mit der er sich draußen auf dem Zaun bei Vollmond trifft; und nicht zu vergessen Odie, der dümmste Hund der Welt, der den fetten Kater abgöttisch liebt und den jener fette Kater im Gegenzug nicht ausstehen kann.

Irgendwann folgte eine Zeichentrickserie, mit der nicht jeder zufrieden war, die aber doch ein paar neue Dimensionen einzubauen imstande war.
Unter anderem hatte Garfield nun eine Stimme, die das Zynische noch weiter hinaushob. Mehr denn je war Garfield nun der brummige Muffelkopf, der sich tagsüber mit Laken über dem Kopf in sein enges Bettchen quetschte und nur hinaushüpfte, wenn er den verlockenden Duft seiner Lieblingsspeise Lasagne registrierte.

Nun ist die unvermeidliche Realfilmumsetzung da - und man muss einfach sagen, dass es hätte schlimmer kommen können. Denn "Garfield" und "Spielfilmgerüst" sind eigentlich zwei nicht miteinander vereinbare Komponenten, die es unmöglich machen, aus dem Stoff einen wirklich guten Film zu fabrizieren, egal ob Real- oder Zeichentrickfilm. Denn wer will einen Film sehen, in dem man dem orangen Faulpelz 80 Minuten lang beim Schnarchen und Philosophieren zusieht? Eben, das funktioniert nur über eine kurze Laufzeit. Will man einen unterhaltsamen Film über eine Katze machen, muss man sie ein Abenteuer bestehen lassen. Genau das hat man gemacht, und genau das nimmt ihm die wirkliche Essenz, die in der Cartoonfigur steckte.

Aber warum ist "Garfield" dennoch ein harmloses, aber ansehbares Stück Unterhaltung geworden? Das liegt vor allem an der Figur selbst. Man hat sich glücklicherweise entschlossen, Garfield als CGI-Figur zu animieren. Was hätte es für ein Desaster gegeben, wenn man eine echte Katze genommen hätte? Emotionen und menschliche Gesichtsausdrücke sind hier unverzichtbar und wären durch bloßes Gesichtsmorphing bei echten Tieren niemals zu kopieren gewesen.
Die Figur selbst hat etwas Unwiderstehliches. Der Comic-Look wurde sehr gut übernommen. Sämtliche unverwechselbare Merkmale kann man wiederfinden: die großen Ohren (die ein wenig an die Form der Sydney-Oper erinnern), die riesigen Augen (bei geschlossenem Zustand - was meistens der Fall ist - verdeckt von riesigen orangen Augenlidern), die helle, breite Schnauze... lediglich die Fühlerhaare an den Ohren haben`s nicht geschafft, und auch die wirbelsturmartigen Fellmuster sind nur in abgeschwächter Form übernommen worden, aber das sind alles Änderungen, die nachvollziehbar sind. Insgesamt ist die Animation von Garfield mehr als zufriedenstellend. Natürlich ist er im Film stets als CGI-Kreatur zu identifizieren, und man fragt sich, weshalb die Statisten sich nicht ob des ungewöhnlichen Aussehens des Katers ständig nach ihm umdrehen (so wie bei Homer Simpson und seinem Ausflug in die Realwelt in "Homer 3-D"). Zuletzt sagte aber ein Beteiligter der des Weihnachtsspektakels "Der Polarexpress", das Ziel der Animation sollte nicht sein, die Realität so getreu wie möglich nachzuahmen, sondern eine eigene Welt zu erschaffen. Dem würde ich absolut zustimmen, denn wo wäre der Reiz, wenn man Fiktion und Realität nicht mehr auseinanderhalten kann (das bezieht sich natürlich nur auf Animationen, die um der Animation Willen geschaffen wurden; kompositionale Bildelemente wie etwa bei der "Herr der Ringe"-Trilogie sollten sich natürlich nicht von der Realität abheben)?

Weiterhin positiv anzurechnen ist die Tatsache, dass Garfield fast die ganze Laufzeit über im Bild ist und man nur selten längere Passagen sieht, in denen es etwa Gespräche zwischen Jon und Liz gibt. Wenn man in einen Garfield-Film geht, dann erwartet man auch, den Kater in Aktion zu erleben. Der Film dauert zwar gerade mal 77 Minuten, aber in Anbetracht der enormen Präsenz Garfields ist das durchaus akzeptabel. Andere vergleichbare Filme zeigen deutlich mehr Dialogszenen zwischen den menschlichen Beteiligten.

Nun mag man natürlich bemängeln, dass dadurch Jons Charakter zu kurz kommt. In der Tat hat Jon-Darsteller Breckin Meyer bei den meisten Zuschauern keinen positiven Eindruck hinterlassen. Das ist für meine Begriffe aber auch vollkommen nebensächlich, wo die animierte Figur doch so unterhaltsam ist. Im Übrigen scheine ich wohl der Einzige zu sein, der Meyer zwar keine überragende Schauspielleistung attestiert, aber doch ein Aussehen, das grundsätzlich dem des Comic-Vorbilds gerecht wird - auch wenn ab und zu die wütenden und schmollenden Gesichtsausdrücke fehlen (so etwas kann man sich bei Meyer zugegeben nicht vorstellen). Jennifer Love Hewitt hat mich positiv überrascht, allerdings ist ihre Rolle vollkommen tatsachenverzerrt geschrieben worden. Es stört doch sehr, dass sie zugunsten des Happy-End-Formats zu Jons potentieller Love Interest wird, die sie im Comic nie war.

Kommen wir nun noch zu den anderen Tierdarstellern. Garfield bleibt die einzige animierte Figur; der Rest ist im Stil von "Cats & Dogs" gehalten, also mit echten Tierdarstellern, deren Gesichtsbereich per Computer mit Mimik und Mundbewegungen versorgt wurden. Nebendarsteller Odie ist dabei das einzige Tier, bei dem selbst darauf verzichtet wurde. Er ist "nur" ein "normaler" Hund, wenn auch eben dumm wie Stroh und in seiner Dummheit doch wieder begabt.
Anfangs schien es mir ein großer Fehler zu sein, bei den anderen Tieren auf eine CGI-Umsetzung zu verzichten. Auch jetzt bin ich noch der Auffassung, dass man vielleicht Charaktere wie die Karthäuserkatze Arlene oder den Rottweiler oder die Ratte hätte animieren sollen. Andererseits wird so Garfield klug von den übrigen Tieren abgehoben und stellt sozusagen eine Einzigartigkeit, die außer uns Zuschauern und vielleicht noch Liz und Jon niemand zu sehen scheint.
Außerdem hätte ich gerne eine Animation von Odie gesehen, der als Cartoonfigur ein wahres Geschenk für jeden ist, der an der Materie interessiert ist. Andererseits wird Odies Dummheit und seine bodenständige Einfachheit geschickt dadurch unterstrichen, dass er der einzige ist, der nicht sprechen kann. Die Entscheidung, alle Tiere gleich zu gestalten (nämlich als echte Tiere mit animierten Gesichtszügen) und Garfield über sie und Odie unter sie zu stellen, ist daher durchaus nachvollziehbar.

Wer allerdings älter als 10 Jahre ist und sich nun eine tolle Geschichte erhofft oder gar einen Spitzenfilm, der dürfte enttäuscht werden. Die Story selbst ist natürlich für den Allerwertesten und weist ein paar Logikfehler auf. Nun kann man ja einige Ungereimtheiten bei einem solchen Film noch verschmerzen, nicht aber charakterliche Veränderungen. Und wie schon gesagt, ergeben diese sich zwangsläufig durch das Spielfilmformat. Garfield tanzt, hüpft, springt, rutscht, klettert... hier geht jegliche Passivität verloren. Im Detail findet man natürlich den alten Faulpelz wieder. Die Szene, in der sich Garfield entschlossen aufmacht, um Odie zu suchen, und bereits am Bürgersteig schlappmacht, umkehrt und sich mit Lasagne stärkt, um es noch einmal zu versuchen, die ist lustig und treffend, offensichtlich aber auch aus einer Simpsons-Episode geklaut. Und das ist sicherlich kein Zufall: der Garfield in diesem Film hat beinahe schon den Charakter eines Homer Simpson: einerseits zwar faul und fett, andererseits aber voller Euphorie und verrückter Ideen. Der 2004er-Garfield ist also (trotz einiger Rohrkrepierer bei den Witzen) definitiv ein lustiges Geschöpf, das aber leider nur äußerlich gelungen den Ursprungscharakter wiedergibt.

Ein Wort noch zur Synchronstimme. Hierzu will ich nicht mehr viel sagen, da das schon zu Genüge getan wurde. Ich kann es mir aber nicht verkneifen, noch einmal zu betonen, dass Thomas Gottschalk absolut unpassend für die Rolle ist. In "Kuck mal, wer da spricht" hat er mich noch auf ganzer Linie überzeugen können, hier war ich aber - obwohl sonst überzeugter Verteidiger der deutschen Synchro - mehr als einmal drauf und dran, auf die englische Tonspur zu wechseln. Bill Murray ist die etwas bessere Wahl, weil er charakterlich gut auf die Figur passt. Allerdings ist auch seine Stimme vielleicht etwas zu hell und freundlich für Garfield. Man hätte sich vielleicht besser an der Synchro bei der Zeichentrickserie orientiert, Gottschalks Werbewert hin oder her.

Jedenfalls: Unterhaltung dürfte gewährt sein, wenn man offen an den Film herangeht. Garfield-Puristen jedoch werden sich mit Grausen abwenden in Anbetracht der inhaltlich fast schon nicht mehr zu rechtfertigenden Änderungen. Aber was habt ihr erwartet?
5/10

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