Sam Peckinpahs Spätwestern ist mit recht einer der härtesten und rausten Filme der Spätsechziger. Fernab vom klassischen, klischeebeladenen amerikanischen Edelwestern (wie John Wayne, Gary Cooper und dergleichen mehr) hält Peckinpah die Kamera bei der Gewalt drauf, und sein Film wirkt durch diese explizite Inszenierungsweise eher wie ein europäischer Italowestern als ein US-Produkt.
Hochglanz konnte man bei dem berüchtigten Regisseur eh nie finden. Seine Figuren sind derb, schmutzig, brutal und zutiefst menschlich. Helden sucht man in THE WILD BUNCH vergeblich; hier zeigen sich die Rollen in starken Grautönen, die ins Schwarze abgleiten. Strahlend weiße Helden gibt es woanders, nicht bei Peckinpah.
Seine Filme waren kontrovers und niemals ansatzweise Mainstream.
Schonungslos reißt er dem Publikum nicht die Schuppen, sondern die Augenlider von den Augen.
Gewalt ist ein übermächtiges Thema in THE WILD BUNCH sowie Männerfreundschaften, Männerbündnisse, Schuld, Sühne, Verrat und Vergeltung.
Dass der Regisseur Kinder mitspielen lässt - und diese mit Gewalt konfrontiert werden oder selbst ausüben - ist ein Schlag in die Magengrube der gelackten Sehgewohnheiten. Kann man als selbstzweckhafte Inszenierungsweise oder als schonungslose Kritik an Gewaltstrukturen sehen. Beide Betrachtungsweisen sind hier möglich.
Ich denke, Peckinpah war die Meinung der Öffentlichkeit nicht wichtig, denn sein »Filmwerk« kommt sperrig und wuchtig daher. Seltsamerweise gibt es innerhalb der Geschichte immer wieder Ansätze zu Humor. Auch in der Männer-dominaten Verbrechergang wird stets zu Whisky krakeelt und gelacht. Schwermütige Anekdoten, die man sich am Lagerfeuer erzählt, dürfen hierbei auch nicht fehlen.
Apropos Schwermut.
Ja, Peckinpahs Spätwestern zeigt deutlich den Abgang, den Abgesang des Western-Genres. Düsternis durchfrisst die Storyline, und am Ende gibt es fast nur Verlierer, denn wer Gewalt sät, der wird Gewalt ernten - ein Happyend in Blut ersäuft!
So erscheint THE WILD BUNCH wie der Totengräber des netten Ur-Westerns - nämlich hart und rücksichtslos. Hier wird gestorben - dreckig, leidend, blutig und in Zeitlupe, um die Gewaltaspekte zu verstärken.
Der ungeschnittene Director’s Cut zeigt eine ungebürstete Storyline, die sicherlich auf die eine oder auch andere Art unvergesslich ist.
Fazit:
Harter Spätwestern - sicherlich nicht jedermanns Geschmack, doch in seiner Kompromisslosigkeit beinhart ehrlich.