Schon der Vorspann faßt das Schicksal der Desperados des „Wild Bunch“, die hier in Armee-Verkleidung in die Stadt einreiten in Bilder. Eine Gruppe von amüsierten Kindern setzt zwei Skorpione in ein Nest von roten Ameisen und beide Parteien verfallen sofort in einen mörderischen Zweikampf, den die Skorpione nicht gewinnen können und dem sie trotzdem nicht mit Flucht aus dem Weg gehen, weil es ihre Natur ist, sich für sich selbst zu wehren. Kämpfend gehen sie unter, bis die Kinder Heu darauf häufen, um dieses dann in Brand zu stecken. Die Geschichte, so will uns dieses Bild zeigen, die Zeit an sich, fegt sie alle hinweg, negiert sie. Zurück bleibt verbrannte Erde, eine verlorene Ära.
Peckinpahs „Wild Bunch“ ist der (späte) Abgesang auf den klassischen Western, der Ende der 60er längst in einer Sackgasse angekommen war. Der Spaghettiwestern und seine Vorbilder wie die Filme Leones hatten das weiße Gewand des Westens eh schon besudelt, neue Wege wurden beschritten, ein kritischerer Blick war erlaubt.
Der Regisseur brachte mit diesem Film dann auch seine Haßliebe auf die Archetypen des Westens deutlich zum Ausdruck. Holden, Borgnine, Oates und Co. sind die letzten Outlaws, ihre Zeit ist gekommen, die Technisierung (Autos!) setzt ein. Man will sich zur Ruhe setzen, ein letzter Coup noch, zu viele sind hinter ihnen her, die moderne Zivilisation kann und will den Freiheitsdrang der Desperados nicht mehr dulden.
Auch im Film diesseits und jenseits der (erzählerisch mexikanischen) Grenze operierend, wird die letzte Aktion zur Gradwanderung. Ein alter Kumpan (Robert Ryan) hat ihnen gezwungenermaßen den Krieg erklärt, um selbst die Freiheit zu erlangen, aber er haßt seine Ziele nicht, ihn treibt keine Gier, vielmehr spürt er den Wunsch, am liebsten an ihrer Seite zu reiten, denn auch ist fehl am Platz in dieser neuen Welt.
Für Holden und Co. zählen noch die archaischen Begriffe von Versprechen und Freundschaft. Sie sind Verbrecher, aber sie haben einen Ehrenkodex und der sieht stillschweigend vor: alle oder keiner.
Zwar treibt sie der Lockruf des Geldes an, noch einmal Waffen an einen mexikanischen Revolutionsgeneral zu verschachern, doch die Gier nach Reichtum ist letztendlich nicht stärker als die Verpflichtung, einen Verrat zu sühnen.
Geradezu symbolisch Holdens Besuch bei einer Hure und Mutter, die er nach dem Akt mit einem müden, erloschenen Blick quittiert, das Eingeständnis, gescheitert zu sein, nichts weitergeben zu können, keine Familie zu haben.
Entschlossen wählt er den verbleibenden Weg, seinen Weg, den er immer gegangen ist und seine Männer gehen mit ihm, weil es ihre Natur ist. Sie marschieren ins Inferno und weil die Gegenseite ihre Entschlossenheit und ihren Kodex nicht mehr kennt und unterschätzt, gehen alle miteinander unter, in einer mörderischen Schlacht.
Das mehrminütige Todesballet am Ende des Films ist visueller und dramaturgischer Höhepunkt eines Films, dessen Szenen fast alle Symbolcharakter haben. Schnelle Schnitte und verstärkter Zeitlupeneinsatz kontrastieren sich gegenseitig, erregen Abscheu und Faszination in einem.
Fehlt auch eine tiefere Auseinandersetzung mit den Charakteren, so ist doch der Archetyp des Desperados sich selbst genug, um ihn wenigstens zu verstehen.
Peckinpah inszenierte den Abgang auf größtmögliche Art und Weise und bietet dem Zuschauer eine Menge Blut und detaillierte Einschüsse, die Brutalität und der Detailreichtum, die der Edelwestern normalerweise vermeidet.
Nach „The Wild Bunch“ kam der Western nie wieder in derartige Höhen zurück: Wayne war alt und flüchtete sich in robuste Altparts, die Europäer begruben das Genre bald wieder und der moderne aufgeklärte Film fand andere Szenarios. Nur Eastwood wehrte sich noch erfolgreich von Zeit zu Zeit gegen das Schattendasein, sogar teilweise erfolgreich. (8,5/10)