Und noch einmal Barbara Stanwyck aus dem goldenen TV-Zeitalter der 70er Jahre!
Nachdem „Das Geisterhaus/ The House that wouldn‘t Die” ja eher mittelprächtig seine traditionelle Spuk- und Geisterbesessenheitsgeschichte durchdekliniert hatte, kehrt die silbergraue Veteranin des klassischen Hollywood-Zeitalters in „A Taste of Evil“, bei uns „Der Hauch des Bösen“ noch einmal auf die Fernsehschirme zurück – und wieder hatte sie eine jüngere Darstellerin an ihrer Seite.
Diesmal spielt sie die Mutter der einstmals schwer traumatisierten Susan (Barbara Parkins), die als Kind in ihrem Spielhaus im Wald von einem Unbekannten missbraucht wird. Die Umgebung ist ein Träumchen, auch wenn Susan schon bedeutend zu alt ist, um noch „Teegesellschaft“ mit ihren Puppen zu spielen, aber die Silhouette des Besuchers im Gegenlicht bedeutet Schlimmes.
Auf einen markerschütternden Schrei folgt ein Zeitsprung und schon kehrt Susan als verkehrsberuhigte junge Frau in das große Anwesen zurück. Mutter ist fürsorglich, hat allerdings nach dem Tod des Vaters einen „Onkel“ geheiratet, der leider nur durch den Konsum großer Alkoholmengen auffällt, wenn er sonst auch nett zu sein versucht.
Auch der treuäugige Gärtnersmann scheint vertrauenswürdig, doch bald schleicht ein Unbekannter durchs nächtliche Haus, lauert in finsteren Flurdurchgängen und atmet schwer vor sich hin. Als der Stiefdaddy dann auch noch mehrfach blutüberströmt im stets wiederkehrenden Gewitter grüßt, geht die „mental sanity“ auch bald schon wieder an seine Grenzen.
John Llewellyn Moxey, der Regisseur dieses Bubenstücks, mag heute kein großer Begriff mehr sein, in den 70ern war er jedoch neben Dan Curtis derjenige an den man sich wenden musste, wenn ein griffiger Psychothriller oder Grusler auf die Mattscheibe musste und er leistet auch hier in den traditionellen ABC-Kulissen und einem hübschen Park durchaus Beachtliches ab.
Wer sich mit Thrillern einigermaßen auskennt, dürfte schon bald auf den Trichter kommen, wie hier der Hase läuft – und genauso läuft er dann auch – aber die Produktion zieht straff ihre knapp 75 Minuten durch und sorgt dafür, dass im regennassen, gewitterdonnernden Showdown allen noch Lebenden der Stift geht.
Mag sein, dass man das heute etwas zahm findet, spielt der Film doch auf einem angenehmen handwerklichen Niveau wie eine gute Columbo-Folge und Miss Stanwyck holt doch auf der Schlussgeraden glatt noch die Schrotflinte raus, weswegen mir dieser kleine Kribbler gern die 7/10 auf der klassischen TV-Skala wert ist.
Thunder and Lightning!