Eigentlich hatte ich diese Review angetrunken und im Stile einer Hardboiled-Story verfassen sollen. Aber das überlasse ich lieber den Thompsons, Ellroys und Spillanes der Welt. Fakt ist, dass mir "Ich, der Richter" vor Jahren per Zufall im Überraschungsdoppel eines Kinos entgegen stolperte und ich relativ angetan war von der Verfilmung des (mir nicht bekannten) Spillane-Romandebuts.
So sehr defacto, dass es mich ärgerte, dass der Film es bisher nur auf VHS schaffte bzw. seinen Weg dann auch auf ein schnieke Bootleg fand. Ratet mal, auf welche Weise ich den Film kürzlich wiedergesehen habe. Und ratet mal, für welche Blu Ray ich tatsächlich trotzdem nochmal Geld hinblättern würde.
Spillanes Held Mike Hammer ist in dieser modernisierten Variante ehemaliger Frontmetzger aus dem Vietnamkrieg, Privatdetektiv und nach einem Observationsjob im Prolog in eigener Sache unterwegs: Kumpel Jack, Polizist, hat sich scheinbar in einem Falk als zu motiviert für die Gegenseite herausgestellt und folgerichtig eine Ladung Blei in den Pansen kassiert. Dem will Mike nachgehen und wühlt sich mit der geballten Faust durch ein verstrickt Gewirr aus Sexualtherapie, Waffenhandel und Geheimdienstschmuh.
Besagte Gegenseite hetzt dem Detektiv und seiner Sekretärin Velda derweil eine Art Norman Bates - Verschnitt mit staatlicher Metzgerlizenz auf den Hals und nebenher mischt auch der ein oder andere bekannte Kriminelle aus Mikes Umfeld mit. Jede Menge Arschtrittpotenzial also für unseren unrasierten Charmebolzen.
"Ich, der Richter" ist kleiner, aber feiner Edelschmier, der optisch zwischen Glanz und Grammel schwankt und von Bill Conti mit einem Score geadelt wurde, der den alten Noirwurzeln des Genres ebenso huldigt wie dem Funk späterer Kriminalfilme. An "Shaft" gemessen ist der Anteil moderner Töne zwar homöopathisch gering, aber stimmungsvoll eingesetzt.
Armand Assante verstörte mich als Kind bereits mit dem Endzeit-Zweiteiler um die "USS Charleston", war mir aber ansonsten unbekannt. Zu Unrecht, denn er zeigt dem Publikum eindeutig, wo der Hammer hängt. Es tut mir Leid, der musste sein. Aber zurück zum Thema: Armband Assante ist so cool, dass man hinter ihm streuen muss und seine Oneliner sitzen ebenso gut wie seine Anzüge: Assante ist der nonchalante Grund, warum ich den Film trotz meines Desinteresse an Geheimdienstplots nicht verschlafen, die haben es mir nämlich noch nie wirklich angetan.
Werktreue? Laut Wikipedia gleich Null. Unterhaltungswert? Um einiges höher. Nach der Sichtung ist es schon fast schade, dass Assante den hartgekochten Private Dick nicht noch ein weiteres Mal gab. Das Dargebotene ist ein dezenter Einstieg ins Genre und bestens für Leute geeignet, die ein gesundes Mittelmaß zwischen "Geheimbund 99" und "Sin City" suchen. Minus des Splatters aus letzterem, aber mit mehr Sex als ersterem.