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Die Produktionsfirma „Tigon“, die sich seinerzeit als dritte britische Kraft neben „Hammer“ und „Amicus“ zu behaupten versuchte, veröffentlichte 1971 den Horrorfilm „Blood On Satan’s Claw“, der auf deutsch den irreführenden Titel „In den Krallen des Hexenjägers“ zugewiesen bekam. Der „Hexenjäger“ geht hier nämlich nur sehr widerwillig zu Werke, schließlich glaubt er zunächst gar nicht an phantastische Ereignisse. Dass sich die Handlung aber um tatsächlich vom Satan Besessene dreht, verdeutlicht, dass es sich hierbei mehr um Okkult-Horror als um einen Hexenjäger-Film à la „Witchfinder General“ oder „Mark Of The Devil“ handelt. Da man bei Tigon anscheinend nicht um ähnlich hohe Budgets wie die Konkurrenz verfügte, machte man aus der Not eine Tugend und setzte einen großen Teil der Handlung nicht innerhalb üppiger Studiokulissen, sondern in der idyllischen Natur um – die dabei im Kontrast zur sich in ihr satanischen Ritualen hingebenden Jugend steht, die, angeführt von Angel [sic!] Blake, dem Teufel bei seiner Wiederauferstehung helfen soll. Deren Treiben in Wald und Wiese erinnert dabei an abgefahrene Hippiesekten und sorgt gerne auch mal mithilfe nackter Tatsachen für ein schwer zu definierendes Freiheits- und Abenteuergefühl, das im krassen Gegensatz zur bürgerlich-spießigen Dorfgemeinschaft der Erwachsenen steht. Selbst deftige Szenen wie die Vergewaltigung einer der Anhängerinnen des Satanskults folgen, bedingt durch die innovative Kameraarbeit, einer ganz eigenen Ästhetik. Die Fotografie des Films trägt getragen von einem sehr stimmigen Soundtrack ihren entscheidenden Teil zur mitunter unwirklichen, ins Surreale tendierenden Atmosphäre bei, was sogar in einem fast schon als psychedelisch zu bezeichnenden Finale gipfelt, das es aber schwer gehabt haben dürfte, die Erwartungshaltung des Publikums zu befriedigen. Die große Folter und das fiese Gemetzel bleiben nämlich aus, stattdessen werden sparsam, aber sehr wirkungsvoll Make-Up-Effekte eingesetzt, die Angels Dämonisierung subtil dokumentieren und mit partiellem Fellbewuchs die besessenen Jugendlichen stigmatisieren. Etwas deftiger geht es in Szenen wie einer Hautoperation oder der gewaltsamen Entledigung einer Hand zu, das Hauptaugenmerk legte Regisseur Piers Haggard aber auf die eigenwillige Stimmung seines Films. Die überzeugenden Schauspieler müssen allerdings gegen ein sprunghaftes und eine geradlinige Kontinuität vermissen lassendes Drehbuch anspielen; ein Umstand, der vermutlich in der ursprünglichen Konzeption als Episodenfilm begründet liegt. Das bedeutet das Fehlen eindeutiger Identifikationsfiguren für den Zuschauer, der dadurch stärker als in anderen Filmen eine Beobachtungshaltung einnimmt, wenn er die Ereignisse aus unterschiedlichen Sichtweisen vorgeführt bekommt. Auch dieser Umstand trägt aber zu diesem besonderen Filmvergnügen bei, das „In den Krallen des Hexenjägers“ all denjenigen bereitet, die Freude an etwas aus der Reihe fallendem, älterem Genrekino haben.

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