Im Jahr 1959 eröffnet eine junge Frau, gespielt von Juliette Binoche eine Chocolaterie und das genau in der Fastenzeit in einem konservativ geprägten Ort in Frankreich. Vor allem beim Bürgermeister Alfred Molina stößt sie auf erbitterten Widerstand. Doch dann beginnt sie im Ort zunehmend an Beliebtheit zu gewinnen, da sie mit ihren süßen Köstlichkeiten die Lebensfreude in den Ortsbewohnern wieder erweckt. Dann hilft sie auch noch Judie Dench, ihren Enkel wieder zu sehen.
Die Story ist wirklich gut. Die Grundidee ist sehr innovativ und besitzt vor allem heute in der Zeit der Teenie-Komödien echten Seltenheitswert. Die Charaktere, vor allem die Hauptfigur und der konservative Bürgermeister sind stark übertrieben, haben aber dennoch Tiefe und erfüllen in diesem Film ihren Zweck. Die Wendungen sind nicht so leicht vorherzusehen und können den Zuschauer somit überraschen. Die Dialoge sind teilweise etwas zu lang und bremsen den Film somit aus, ansonsten sind sie aber teilweise lustig und teilweise emotional. Das unvorhersehbare Ende ist ebenfalls sehr gut und beendet den Film würdig. Alles in allem basiert "Chocolat" auf einer innovativen Story jenseits der Standards von Hollywood.
Der Film läuft leider sehr langsam an, nutzt die Zeit jedoch gut, um die Hauptcharaktere vorzustellen. Der Mittelteil ist dann bei weitem nicht so unterhaltsam, wie er hätte gestaltet werden können. Dies liegt an der veralteten Umsetzung, die ihre jedoch Vorbilder nicht erreichen kann, der Film ist einfach zu nostalgisch. Es gibt ein paar amüsante Momente, die aber leider viel zu spärlich dosiert sind, sodass der Film auch im Mittelteil nur mäßige Unterhaltung bietet. Das einzige, was mir persönlich sehr gefallen hat, ist die Art, wie der konservative Bürgermeister durch den Dreck gezogen wird. Zum Ende hin wird der Film dann dramatischer und emotionaler, kann aber durch das langsame Erzähltempo kaum Spannung aufbauen. Alles in allem ist der Unterhaltungswert eher mäßig.
Die Umsetzung ist wie gesagt zu altmodisch und nostalgisch und verspielt fast alle Chancen des hervorragenden Drehbuchs. Regisseur Lasse Hallström lässt sich zu viel Zeit seine Handlungsabläufe in Szene zu setzen und schadet dem Unterhaltungswert, wo er nur kann. Die Filmmusik ist sehr langsam und melancholisch und lässt den langweiligen Film so noch langsamer erscheinen. Die Kulisse bietet einiges fürs Auge, da des Dorf in dem gedreht wurde schön mittelalterlich und nostalgisch wirkt. Auch bei der Dosierung der lustigen Szenen leistet Hallström schlechte Arbeit. In seiner nächsten Arbeit "Schiffsmeldungen" passte dieser Stil der Umsetzung wesentlich besser zum Film.
Juliette Bionche, die für diesen Film eine Oscar-Nominierung erhielt, leistet gute Arbeit. Sie spielt die Rolle der Schokoladenverkäuferin hervorragend, sympathisch und sehr stilvoll. Schade, dass sie bis heute noch keinen richtigen Durchbruch gehabt hat. Die ebenfalls Oscar-Nominierte Judie Dench spielt hervorragend. Sie verkörpert einmal mehr ihre Paraderolle als knittrige, knochige, alte Frau. Auch Johnny Depp leistet in seiner Nebenrolle gute Arbeit und spielt mal wieder in einem relativ außergewöhnlichen, leicht skurrilen Film mit. Alfred Molina spielt die Rolle des Bürgermeisters überaus gut und amüsant. Auch Carrie-Ann Moss und Peter Stormare spielen ihre Nebenrollen überzeugend. Der gesamte, mit Stardarstellern gespickte Cast leistet hervorragende Arbeit.
Fazit:
Die Story mag noch so hervorragend, innovativ und einzigartig sein, aber bei dieser langweiligen und langatmigen Umsetzung bei der wirklich gar nichts stimmt sind nicht mehr als 5 Punkte drin. Das Erzähltempo ist viel zu langsam und der Stil ist zu altmodisch. Schade, bei diesem Drehbuch und dem prominenten und hervorragend aufspielenden Cast wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen. Empfehlen kann ich den Film dennoch, da er eine solide Abwechslung zu der durchschnittlichen 0815-Hollywood-Ware liefert und es eher Geschmackssache ist, ob der Film einen nun unterhält oder nicht. Ich persönlich fand ihn langweilig und meine Note 5/10 ist subjektiv.