Zu einer Zeit, als ich noch regelmäßig versuchte, die Filme zu finden die unser Vater vor uns Kindern hier und da in Schränken und Schubladen verborgen hielt, entdeckte ich ein filmisches Meisterwerk das mich für immer prägen sollte.
Ein Film, ich erinnere mich, er schien einen halben Tag zu dauern, er war langatmig, und irgendwie hatte er zu wenig Splatter um ein Horror film zu sein, und zu wenig Porno um ein Porno film zu sein. Was also war dieser Film?
Die Antwort darauf ist simpel: Dieser Film war Caligula, und erst als ich reifte, erschloß sich mir dieses Meisterstück.
Historisch ist der Film zwar nicht unbedingt korrekt erzählt, aber dennoch ist er einzigartig. Erstmals konnte man Rom sehen, wie es wirklich ausgesehen haben muß, siffig und sündig statt poliertem Hochglanz, bos- anstatt tugendhaft, und statt weiser Worte aus den Hollywood-Sandalenfilmen wurden Obszönitäten und Profanitäten an den Tag gelegt.
Ich habe gelesen daß leider nur die wenigsten "Prop's" benutzt wurden für den Film, obwohl endlos viele gefertigt worden waren. Auch wurmt es mich (seit ich denken kann) daß die 240 Minuten FAssung nur in Cannes gezeigt und dann nie wieder zugängig gemacht wurde, darf echt nicht wahr sein.
Caligula hat einen Riesen Bammel vor Tiberius, doch die Vorstellung, die Macht in Händen zu halten, reizt ihn extrem. Mit Makro's Hilfe tötet er Tiberius, denn das macht ihn zum Caesar. Nun tötet er Makro, und sucht sich die größte Schlampe Rom's zur Frau aus. Seine Lieblingsschwester (Drusilla) stirbt im Verlauf des Films, der leider einige Handlungslücken hat, die wesentlich besser erklärt worden sein könnten, zum Beispiel daß die beiden, ich sag mal "Lesben" (Penthouse Pets) Caligulas zweite und Dritte Schwester sein sollen. Nachdem Drusilla tot ist, dreht Caligula vollends am Rad und provoziert seine Senatoren noch mehr als vorher, weil er hofft, daß er sie (sollten sie protestieren) wegen Hochverrats legitim hinrichten lassen darf. Der Film endet mit der Ermordung von Caligula, dessen Frau Cesonia und deren Kind Julia. Das Blut wird fortgespült, sinnbildlich als ob nichts an ihn erinnern soll.
Aber ich erinner mich auf Ewig an Caligula!
Wie kein anderer Film über Rom war hiermit die Basis geschaffen, alles so zeigen zu können, wie es wirklich gewesen ist. Blut, Tod, Geschlechtsverkehr und Wahnsinn. Es werden im palast auf Capri bei Tiberius, im HIntergrund während eines Gespräches Orgien abgehalten, die von der Peitsche geführt werden, vor den Augen der Anwesenden werden Menschen willkürlich hingerichtet, weil der WAhnsinn Alltag ist, und in die Gewänder der Damen konnte man von der Seite hineinsehen. Malcolm Mc Dowell selbst läuft nackt vor der Kamera herum, und nichts davon wirkt aufgezwungen sondern passt in das Gesamtbild. Er verkörpert Caligula so plastisch, dass ich unwillkürlich immer denke "Ja, der sah aus wie Malcolm Mc Dowell" - und seit ich den Film sah, wollte ich immer Drusilla sein, und diese Faszination hat sich mit den Jahren eigentlich immer nur noch weiter gesteigert. Wenn der Film nicht besagte Handlungslücken hätte, wäre es ne 10.
Und wenn einige nun sagen, der Film enthielte aber Pornoszenen, ich finde gar nicht daß das Porno ist, das ist Historienfilm-Bombast-Erotik. Ich möchte mal auf die Bauten verweisen - das ist bombastisch. Und habt ihr gesehn welche intensität die Szene mit Caligulas Schwestern hat (die Szene in der stürmischen Nacht) - für mich ist das die erotischste Lesbenszene die ich je gesehn habe, wenn Porno SO aussehen würde dann wären Porno und Erotik keine zweierlei GEnres, soviel ist sicher, Porno is das nicht, das is Kunst.