CALIGULA – alle Abarten dieser Welt
Wenn man von dem italienischen Schmuddelfilmer Tinto Brass (SALON KITTY, P.O. BOX, THE HOWL) auch nicht unbedingt alles gesehen haben muss, so ist CALIGULA, sein unzüchtiges Opus Magnum, doch zumindest einen Blick wert. Der Film erzählt die Geschichte des römischen Kaisers Caligula (Malcolm McDowell), einem offensichtlich wahnsinnigen Tyrannen, dessen Amtshandlungen einzig aus hedonistischen Orgien und brutalen Gräueltaten zu bestehen scheinen. Die Befriedigung jedweder Gelüste ist von oberster Dringlichkeit. Verkörpert wird der Schreckensherrscher von dem jugendlichen Adonis Malcolm McDowell (CLOCKWORK ORANGE, Rob Zombies HALLOWEEN). Wahrscheinlich hätte kein zweiter die Rolle so genial hinbekommen. Und in der Tat wirft McDowells Schauspiel Parallelen zu seiner Performance in dem achte Jahre älteren CLOCKWORK ORANGE auf und Caligulas Exzesse wirken wie die Lustträume des triebgestörten Alex. Fast noch besser als McDowell schauspielert Peter ‘O Toole in der Rolle des launischen, lepra- und syphiliskranken Kaiser Tiberius. Caligula schickt ihn über den Jordan, um an die Macht zu gelangen, was – wie so vieles in diesem Machwerk – nicht ganz geschichtlich korrekt sein dürfte.
CALIGULA entpuppt sich als äußerst frivoles Unterfangen, als Aneinanderreihung von Obszönitäten und Gewaltexzessen, angereichert mit Folter, pornographischen Kopulationen und körperlichen Absonderlichkeiten. Eine Genitalpfählung, Homosex, Blowjobs, Aale als Sexspielzeug, ein Stock im Arsch und eine Frau mit Pimmel – das ein grober Querschnitt von den gebotenen Perversionen. Die wohl eindrucksvollste Szene ist die, in welcher ein gigantischer Mähdrescher Senatoren enthauptet, deren Häupter wie Salatkopfe aus dem Boden ragen. Genau derartige Szenen machen CALIGULA interessant, sind aber natürlich auch der Grund, weshalb der Streifen immer noch auf dem Index weilt.
Dabei ist alles ganz geschmackvoll und ästhetisch verpackt. Opulente Tempelanlagen, edle Togas, nackte Bodybuilder, die Steine klopfen. Dazwischen aber dann wieder Close-Ups von Schamlippen, auf denen herum gerubbelt wird. Mit einer Laufzeit von über zwei Stunden ist CALIGULA auch viel zu langatmig geraten, um konstant bei der Stange zu halten. In gekürzter, sprich der Porno- und Gewaltszenen entledigten Version macht der Streifen aber verständlicher Weise gar keinen Sinn, was im Grunde schon ein kleines Dilemma darstellt. Als Film also eher mies, als Kuriositäten- / Perversitätenkabinett aber ganz eindrucksvoll.
Perversion: (+)(+)(+)(+)(-)
Sex & Gore: (+)(+)(+)(-)(-)
Rest: (+)(-)(-)(-)(-)
„Die heißesten Weiber des Römischen Reiches sind anwesend, um mit jedem, der will, ihre patriotische Pflicht zu tun.“
Fazit:
Tinto Brass goes 120 TAGE VON SODOM – „So toll trieben es die alten Römer“.