Review

Es stimmt schon: dieser Film IST langweilig, aber er hat auch was, was ihn zumindest beachtens- wenn schon nicht ansehenswert macht. Das Ensemble, von dem alle sagen, es beinhalte "Stars", besteht hauptsächlich aus leidlich bekannten, damals eine gewisse Popularität genießenden Mimen, die aber heute, woran Caligula eine gewisse Mitschuld tragen kann, aber nicht zwingend muss, nur noch entfernte Echos sind: Peter O'Tooles Zenith war damals schon weit weg und sein Auftritt ist noch der beste, weil kürzeste. Helen Mirren sollte sich gar nicht beschweren, denn sie steht erst ab den 90ern angezogen vor der Kamera und Malcolm McDowell ist immer Malcolm McDowell, das hat Kubrick bemerkt und ihm die Rolle seines Lebens verschafft. Danach war nur noch Schweigen (oder sollte es sein). Das waren also schon die bekanntesten, dem Rest ist die Stundengage nicht unbekannt. Ja, gut, Gielgud kennt man auch von der Bühne, wenn man Engländer ist.
Gerade deswegen ist es faszinierend, warum dieser Film ein solches Budget bekommen hat, welches dann auch noch dermaßen krachend zur Hölle geschossen wurde, daß der Untergang von United Artists an der Hand von Michael Cimino vergleichsweise episodenartig erscheint. Das Geld wurde auch nicht notwendigerweise hinausgeschmissen, denn die Ausstattung und die Sets sind wohl das einzige an diesem Film, das ernsthaft als gelungen bezeichnet werden kann (mein Favorit ist die Enthauptungsmaschine).
In dieser Kombination aus "ham-acting" und teurem Mobiliar, ging mir neulich bei einem weiteren Ansehversuch, die regelmäßig irgendwo um die Mitte enden, weil mir die Lider schwer werden, auf, liegt wohl eine gewisse Authentizität des dekadenten Rom: eben nicht aufregend machtbesessen, sondern erfüllt von der Kunst, sich orgiastisch und gewalttätig gepflegt zu langweilen. Da dachte man noch nicht an das Kinopublikum späterer Jahrhunderte. Dass es zwischen Guccione und Brass zu Auseinandersetzungen hinsichtlich der Explizität der Sexdarstellungen gekommen sein soll, ist nachvollziehbar, allerdings scheint der grande dilletante des italienischen Softpornos doch instinktiv geahnt zu haben, dass die detaillierteren Fältchen der Penthouse-Schönheiten seine Regie vergessen machen und dem Film wenigstens ein Minimalpublikum sichern würden, sonst hätte er seinen Namen vehementer zurückgezogen (immerhin ist es trotz allem sein bester Film). Und man muss auch sagen, dass ohne Hardcore heute keiner mehr von Caligula sprechen würde. Diese Szenen sind zum Teil gar nicht so übel, gerade die mit den zwei Frauen. Außerdem war damals zumindest in Italien die Welt noch in Ordnung, denn ein paar der Frauen sind noch nicht der unästhetischen Stumpfsinnigkeit der Achselenthaarung erlegen, somit hat die ein oder andere Minute auch ihre Reize.
Ob allerdings die gesamten 2 1/2 Stunden damit zu überstehen sind, kann uneingeschränkt mit "nein" beantwortet werden. Ich hab die DVD ja auch nur deshalb erworben, weil sie in Kopenhagen um 4 Euro zu erstehen war - was für ein Ende für einen "Skandalfilm"!

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