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Peter O‘Tooles Gesicht ist von Geschlechtskrankheiten zerfressen, (Sir) John Gielgud ritzt sich schon nach wenigen Filmminuten die Pulsadern auf, Malcolm McDowell gibt eine irrsinnige Masterclass in Overacting und einzig (Dame) Helen Mirren trägt ihre Nacktheit mit Würde – trotz Bauchtanz und einer öffentlichen Geburt mit gerüchtehalber realen Szenen. Das alles spielt sich in opulenten Theaterbauten ab, dazu erschallt Prokofjew – der ganze Film wirkt, als hätte Federico Fellini eine Wette verloren und seinen besoffenen Schnupperpraktikanten mal machen lassen.

Dabei ist der Skandalfilm von 1979 vor allem wegen seiner Stars und seines Budgets von 17 Mio. so spektakulär, mit unbekannteren Mimen hätte man ihn wohl einfach als überkandidelten Exploitationtrash abgetan. Doch Fallhöhe und Entstehungsgeschichte sind gewaltig. Bekanntermaßen zogen Autor Gore Vidal und Regisseur Tinto Brass ihre Namen zurück, nachdem Produzent und Penthouse-Chef Bob Guccione die satirische Ausrichtung des Films durch Größenwahn und nachgedrehte Hardcoreszenen ersetzte und Brass wortwörtlich aus dem Schneideraum aussperrte. Nicht, dass die wenigen expliziten, aus heutiger Sicht nahezu harmlosen Sexszenen dem Niveau des Films groß schaden würden, schließlich wechseln sich blutige Exekutionen, sadistische Folter, Missbrauch und Demütigungen hier so munter ab, dass die gelegentlich dazwischengeschnittenen Masturbationen, Penetrationen und Orgien eher das glaubhafte Gesamtbild eines dekadenten Roms vervollständigen. Womit die „Handlung“ auch schon recht vollständig wiedergegeben wäre.

Natürlich ist CALIGULA kein nach klassischen Maßstäben guter Film, aber ein großartiges Zeitzeugnis mit hohem Schau- und Unterhaltungswert.

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